Rp-Serie: Helfer mit Herz: Ägäis-Verein macht Wohnung zur Nachhilfe-Schule

Rp-Serie: Helfer mit Herz : Ägäis-Verein macht Wohnung zur Nachhilfe-Schule

Seit 2009 hilft Gabriele Oesten-Burnus Schülern bei Hausaufgaben. Einige ihrer früheren Schützlinge helfen inzwischen mit.

MONHEIM Von außen ist es eigentlich eine ganz normale Wohnung an der Brandenburger Allee. Der Ägäische Kulturverein hat sich in den Räumen eingemietet, um seine Aktivitäten zu planen. Zwei Mal in der Woche kommt allerdings reichlich Leben in die Bude. Dann klingeln zwischen 16.30 und 19.30 Uhr Schüler aus verschiedenen Schulen und Altersgruppen an der Tür - und Gabriele Oesten-Burnus macht ihnen auf. Zeitweise wird die Wohnung zum Klassenzimmer.

Angefangen hat alles 2009. Startpunkt war ein Mikroprojekt im Rahmen der Initiative "Stärken vor Ort". Im Kern ging es um Deutschkurse für Kinder und Jugendliche, bei denen auch die Eltern eingebunden sind. Auch der Ägäische Kulturverein ist von Anfang an dabei - ebenso wie Oesten-Burnus, die eigentlich im Rathaus arbeitet und im Bereich Ordnung und Soziales tätig ist.

"Eine Bekannte hat mich damals gefragt, ob ich Interesse daran hätte", erinnert sich die 57-Jährige an ihren Einstieg in die Hausaufgabenhilfe. "Ich habe selbst zwei Kinder großgezogen und konnte mir das gut vorstellen." Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen mache ihr seit jeher Freude. "Das gibt mir eine Menge und ich habe das Gefühl, etwas Gutes zu tun", sagt sie. Ihre Eltern seien ebenfalls immer ehrenamtlich aktiv gewesen. "Das liegt mir wohl irgendwie im Blut."

Eine pädagogische Qualifikation hat sie nicht, aber dafür umso mehr Engagement und Herzblut, das sie in die Hilfe bei den Hausaufgaben steckt. Längst geht es nicht mehr nur um Deutsch. Auch Mathematik, Erdkunde, Französisch und Englisch stehen auf dem Plan. Die meisten der rund 40 Kinder, die sich in der Woche bei den Hausaufgaben helfen lassen, kommen aus dem Berliner Viertel. "Bei Bedarf machen wir auch Einzelstunden, um gezielt Defizite auszugleichen", sagt Oesten-Burnus. "Mir ist wichtig, dass die Kinder gerne zu mir kommen und ich ihnen dabei helfen kann, ihren Weg im Leben zu finden." Der Grundstein dafür seien nun mal gute Zensuren.

Den Eltern kommt die Alternative zu bisweilen teuren Nachhilfestunden sehr gelegen. "Meinen beiden Söhnen hat das viel gebracht", sagt Nahid Anakhrouch. "Vor allem in Deutsch haben sich ihre Noten verbessert. Ich bin froh, dass es dieses Angebot gibt." Ähnlich sieht es Jihane el Ghardati, die einst selbst zur Hausaufgabenhilfe kam und inzwischen zum Helferteam gehört. "Bevor ich nutzlose Sachen mache, helfe ich lieber ehrenamtlich mit", meint die 16-Jährige. Dass es bei so vielen Kindern aus verschiedenen Altersgruppen und Kulturkreisen oft turbulent zugeht, macht Oesten-Burnus nichts: "Ich wollte als Kind immer Lehrerin werden", sagt sie. "Nun habe ich das irgendwie auf Umwegen geschafft."

(dora)
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