Achtspuriger Ausbau der Autobahn A3 bei Langenfeld: Planern schlägt bei Infoabend Bürgerwut entgegen

Langenfeld : A3-Planern schlägt Bürgerwut entgegen

Beim Infoabend von Straßen-NRW zum achtspurigen Ausbau der Autobahn A3 in der Langenfelder Stadthalle äußerte das Publikum viel Kritik.

Der geplante achtspurige Ausbau der Autobahn A3 zwischen Hilden und Opladen sorgt für viel Unmut. Beim öffentlichen Informationsabend in der Langenfelder Stadthalle äußerten sich Bürger aus den anliegenden Städten kritisch. Mehrere  forderten statt zwei zusätzlichen Fahrsbahnen eine Instandsetzung der vorhandenen Spuren, einen besseren Lärmschutz und die temporäre Freigabe der Standstreifen.

Wie soll das gehen? Das schien am Mittwochabend die größte aller Fragen zu sein, die die zahlreichen Anwesenden in der Langenfelder Stadthalle herumtrieb. Wie soll die A3 auf diesem zu den am stärksten befahrenen Autobahnen Deutschlands mitten in einem dicht besiedelten und von Natur- und Denkmalschutz geprägten Raum leistungsfähiger werden, ohne geltendes Recht zu verletzen, Menschen von ihren Grundstücken zu vertreiben oder von der Europäischen Union auf höchster Stufe geschützte Naturstreifen zu zerstören? Eine Antwort darauf konnte Verkehrsplaner Willi Kolks vom Landesbetrieb Straßen-NRW an diesem Abend nicht geben. Dafür sei er noch am Anfang der Planung, die Umgebung müsse geprüft und kartografiert, Verkehrsstudien durchgeführt werden.

Auch Landrat Thomas Hendele (CDU) wohnte der Veranstaltung bei, ebenso wie Michael Heinze vom NRW-Verkehrsministerium. Letzterer musste wohl die größte Schelte an diesem Abend einstecken. Er entgegnete immer wieder, dass Jahrzehnte lang die Augen vor dem Problem verschlossen wurden und nun gehandelt werden müsse. Hendele plädierte für eine Lösung mit breiter Akzeptanz, in der Punkte wie Lärm- und Naturschutz berücksichtigt würden. Eine Vermeidung von Staus und einem damit verbundenen höheren Kohlendioxid-Ausstoß ließe sich seiner Meinung nach nur durch einen Ausbau erreichen. „Es ist also keine Frage des Ob, sondern des Wie die A3 ausgebaut werden soll.“

Auch dem Landrat schien, wie Langenfelds Bürgermeister Frank Schneider (CDU) und dessen Amtskollegen  der Anrainer-Städte, eine Standstreifen-Lösung als praktikabelste Variante, aufgrund des minimalen Eingriffs in die Natur. Das aber, betonte Kolks,  sei vom Auftrag her nicht vorgesehen und auch gesetzlich nicht möglich. „Eine Standstreifen-Freigabe kann nur eine temporäre Lösung sein. Als langfristiges Modell ist es vom Gesetzgeber nicht vorgesehen.“ Dafür müsste eine Gesetzesänderung geben. Der Ball rollte zur Bundestagsabgeordneten Michaela Noll (CDU), die aufgefordert wurde, sich für die Bürger ihres Wahlkreises in Berlin einzusetzen.

„Der A3-Ausbau ist ein schlechter Traum für die Anwohner“, sagte Mareike Romünder aus Solingen, „und für die Generation, die aktuell eine politische Wende herbeiruft, für eine veränderte Verkehrspolitik, mehr Klimaschutz und gegen weitere Versiegelung von Flächen steht.“ Romünders Vorwurf an Straßen-NRW: „Sie planen im Gestern, nicht im Heute.“ Dem flammenden Redebeitrag der Solingerin schlossen sich die meisten Anwesenden mit einem lauten Beifall an.  Die 1,1 Milliarden Euro, die die Verantwortlichen für den gesamten achtspurigen Ausbau auf 85 Kilometer Länge einkalkulierten, sollten sie nach Romünders Worten „besser in den Ausbau des Nahverkehrs investieren, in Fahrradwege. Bringen Sie den Verkehr auf die Schiene!“, forderte die Solingerin.

Ihr schlossen sich im weiteren Verlauf weitere Redner an, wie etwa die 17-jährige Leonie Knecht der Grünen aus Hilden, Sven Kübler und Claudia Roth vom BUND im Kreis Mettmann. Letztere wäre direkt vom Ausbau betroffen, weil ihr denkmalgeschützte Haus, 1930 von ihren Ur-Großeltern in Kraddenburg bei Hilden erworben („als es dort noch keine Autobahn gab“) direkt an der A3 steht. „Es stimmt überhaupt nicht, dass permanent so viele Autos auf diesem Autobahnteilstück unterwegs sind“, äußerte die Hildenerin. „Nur zu Stoßzeiten wird es voll. Das könnte man mit einer temporären Freigabe des Standstreifens als vierte Fahrspur lösen.“ Roth aber glaubt, dass sich hinter dem Ausbau ein anderer Grund verberge: „Sie wollen den Ausbau nur nutzen, um die A3 neu zu bauen, weil sie in den 1980er-Jahren total gepfuscht haben“, richtete sie ihre Worte an Heinze als Ministeriumsmitarbeiter.

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