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Langenfeld: Abschied nehmen von "Sternenkindern"

Langenfeld : Abschied nehmen von "Sternenkindern"

Auf dem Langenfelder Friedhof am Sändchen können Eltern um Kinder trauern, die im Mutterleib gestorben sind.

Manche Leben enden, bevor sie wirklich begonnen haben. So wie das des Kindes von Heike Fischer. Die promovierte Chemikerin verlor ihr Kind in der 13. Schwangerschaftswoche. Das war 2008. "Ich wusste ganz genau: Ich will mein Kind sehen und es beerdigen", sagt die 47-jährige. Sie profitierte vom Engagement Dr. Detlev Katzwinkels, Chefarzt und Gynäkologe am Richrather St.Martinus-Krankenhaus. Der Mediziner und gläubige Christ weist anlässlich der noch bis Samstag laufenden "Woche für das Leben" auf die erst vor wenigen Jahren in Langenfeld geschaffene Bestattungsmöglichkeit hin.

Laut Schätzungen werden in Deutschland pro Jahr 1500 Kinder unter 500 Gramm, so genannte Sternenkinder, tot geboren. Lange Zeit waren diese Kinder im juristischen Sinn nicht existent, was eine Beerdigung erschwerte. Erst im Mai 2013 kam es zu einer rechtlichen Anerkennung. Dabei ist es den meisten Eltern immer schon ein großes Bedürfnis gewesen, ihre totgeborenen Kinder beerdigen zu können.

So auch für Heike Fischer. Katzwinkel war damals ihr behandelnder Arzt. Der 55-jährige setzt sich schon seit vielen Jahren dafür ein, dass Sternenkinder beerdigt werden können und nicht als Sonderabfall behandelt werden, wie es früher der Fall war. Vor rund 18 Jahren schloss er sich der Initiative des Pathologen Dr. Peter Schmiegelow an, die eine Gedenkstätte für Totgeborene in Solingen errichtet hatte. Dort hat auch Heike Fischers Kind seine letzte Ruhe gefunden: "Ich fahre heute noch dorthin. Jeder braucht einen Ort, um trauern zu können."

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"Ich fand, dass es in Langenfeld ebenfalls eine solche Gedenkstätte geben müsste", sagt Katzwinkel. Durch die Bemühungen des Arztes, der gynäkologischen Abteilung des St. Martinus Krankenhaus sowie der evangelischen und der katholischen Kirchengemeinde entstand vor vier Jahren schließlich eine Gedenkstätte für die Sternenkinder auf dem katholischen Friedhof St. Josef Auf dem Sändchen. Gemeinsam organisieren die Beteiligten darüber hinaus die Bestattungszeremonien, die zwei Mal im Jahr angeboten werden. Bis jetzt fanden auf dem Friedhof fünf solcher Beerdigungen statt.

Dass die Bestattung von Sternenkindern seit 2013 auf einer gesetzlichen Grundlage steht, sieht Katzwinkel als Anerkennung. "Zumal es für die Frauen in emotionaler Hinsicht keinen Unterschied macht, ob sie ihr Kind bereits ganz früh verlieren oder erst sehr spät in der Schwangerschaft. Die Gesellschaft unterscheidet zwischen den Fehl- und den Totgeburten. Die Frauen haben ein Kind verloren", erklärt der Chefarzt.

Auch für Heike Fischer hat es keine Rolle gespielt, dass ihr Kind damals weniger als 500 Gramm wog. "Ich habe mein Kind nach der Operation in Paraffin schwimmend in einem Glas angesehen. Ich konnte seine Zehen, Finger und sein Gesicht erkennen. Damit habe ich einen richtigen Eindruck von meinem Kind bekommen. Das war so wichtig für mich", erzählt Fischer, die Mutter einer neunjährigen Tochter ist.

Damit die betroffenen Eltern, vor allem die Mütter, nach dem Verlust ihres Kindes nicht alleine dastehen, hat Katzwinkel zudem einen Arbeitskreis in seiner Abteilung gegründet. Dieser Kreis, bestehend aus Hebammen, Kinderkrankenschwestern, Ärzten und dem Chefarzt selbst, informiert die Betroffenen über die Bestattungsmöglichkeiten und die Termine der Trauerfeiern. Die Eltern können beispielsweise darüber entscheiden, ob sie eine Einzel- oder eine Sammelbestattung wünschen. Bei der jüngsten Beisetzung auf dem Friedhof am Sändchen waren elf Familien anwesend. Heike Fischer rät allen Betroffenen: "Wer die Möglichkeit hat, Abschied zu nehmen, sollte das tun. Ansonsten wächst und arbeitet es immerfort in einem."

Diese Meinung teilt Detlev Katzwinkel, der aktive Trauer für unersetzlich hält. "Ich habe den Eindruck, dass die Gesellschaft die Trauer in solchen Fällen zunehmend akzeptiert. Das ist ein ganz wichtiger Schritt."

(aks)