Monheim: 2000 Stoffballen für kreative Schneider

Monheim : 2000 Stoffballen für kreative Schneider

Das Stoffhaus Hanke an der Grabenstraße in Monheim wurde 1966 eröffnet. Heute wohnt und arbeitet Familie Dommke dort.

Schon als Kind hat Ursula Dommke leidenschaftlich gerne genäht. "Meine ersten Stücke waren Tücher", erinnert sich die 60-Jährige. Und auch heute trägt sie fast nur Hosen, Westen und Schals, die sie selber an der Nähmaschine gefertigt hat. "Eine Ausnahme sind T-Shirts, die kaufe ich im Laden." Gemeinsam mit ihrem Mann Achim (55) und Sohn Tobias (25) führt die Monheimerin das Stoffhaus Hanke an der Grabenstraße. Nach ihrer Ausbildung als Industriekauffrau kümmerte sie sich ab 1971 um die Buchhaltung. 1997 übernahm sie das Geschäft von ihrer Mutter. Nahe am Schelmenturm und abseits des städtischen Trubels wohnt die Familie auch. "Viel Platz haben wir dafür inzwischen nicht mehr", sagt Ursula Dommke lachend. Jeder Zentimeter des Geschäfts ist mit Regalen für die rund 2000 Stoffballen, Borden und Litzen, Stick- und Nähgarne sowie Nadeln, Scheren, Reißverschlüsse und Knöpfe ausgefüllt. Neu im Sortiment sind die "Westfalenstoffe" — hochwertige Baumwolle aus dem Münsterland.

Im Erdgeschoss des verwinkelten Hauses stehen die Nähmaschinen. Familie Dommke verkauft und repariert Maschinen und Zubehör der Marken Pfaff, Singer, Brother, Janome und Husqvarna. Auch gebrauchte Exemplare bringt Achim Dommke wieder auf Vordermann und vertreibt sie über die eigene Homepage. Er übernimmt auch die Beratung der Kunden. Informatiker Tobias Dommke hat den Onlineshop aufgebaut und ist Fachmann für die Sticksoftware. Zwischen 100 und 8000 Euro geben Hobby-Näherinnen für ein neues Modell aus, je nachdem wofür sie die Maschine brauchen. Technisches Highlight sei eine Stick- und Nähmaschine von Pfaff, die über eine komplexe Software verfüge. "Damit lassen sich Fotos und Bilder sticken", sagt die Inhaberin. "Bevor man sich dransetzt, ist aber eine extra Schulung notwendig."

Wollten die Hausfrauen in den 1960er Jahren, als Ursula Dommkes Mutter Ingrid ihr Kurzwaren-Geschäft eröffnete, noch nähen, um die Familienkasse zu entlasten, avanciert das Zuschneiden und selber Herstellen von Kleidung inzwischen zu einem kreativen Hobby, bei dem bunt gemixt und kombiniert wird. "Ich erlebe, dass immer mehr junge Frauen mit kleinen Kindern selber nähen", sagt Dommke. Die Mütter wollten für den eigenen Nachwuchs Unikate fertigen, die es nicht von der Stange gibt. Aber auch Dinge wie Taschen oder Dekorationsartikel entstünden an der Nähmaschine.

An der Grabenstraße sind die Dommkes zu Hause. Sie waren mit dem Geschäft in den 1970er Jahren für fünf Jahre an der Krischerstraße, doch der Umzug hatte sich wegen der höheren Miete nicht gelohnt. Deshalb bauten sie ihr Haus in der Monheimer Altstadt aus und zogen zurück.

Ursula Dommke gibt außerdem Patchwork-Kurse an der Volkshochschule. "Die sind bereits bis ins nächste Jahr ausgebucht", verrät sie. So bringt sie ihre Leidenschaft anderen Gleichgesinnten nahe. "Ich stelle am liebsten verschiedene Stoffe zu Patchwork-Mustern zusammen." Die Bahnen dafür kommen aus England und Amerika. Patchwork sei eine alte Volkskunst. Man brauche aber Geduld und Zeit, um Schönes zu fertigen. So entstünden ganz individuelle Kissen, Tischdecken und Decken.

(RP/ac)