Rp-Serie Weltkulturerbe Orgel (5): 1000 Pfeifen haben eine neue Heimat

Rp-Serie Weltkulturerbe Orgel (5): 1000 Pfeifen haben eine neue Heimat

Derzeit installiert das Unternehmen "TastenReich" aus Pulheim die gebrauchte Orgel in der Hildener Kirche.

Hilden Die Empore des Gotteshauses gleicht einer Werkstatt: Nägel, Zangen und andere Arbeitsmaterialien liegen auf den Tischen. Ein Gerüst und eine Leiter stehen vor dem riesigen hölzernen Gehäuse, das bis unter die Decke reicht. "Die Orgel ist das einzige Instrument, in das man hineinsteigen kann. Das hat mich immer fasziniert", sagt Björn-Daniel Reich.

Der Inhaber des Pulheimer Unternehmens "TastenReich" ist derzeit mit zwei Mitarbeitern damit beschäftigt, das neue Prunkstück der katholischen Kirche St. Konrad in Hilden in Gang zu bringen. Das soll in Zukunft bei Konzerten und zur Begleitung der Gemeindemitglieder bei den Messen seinen vollen Klang entfalten.

"Die alte Orgel war hier seit dem Bau der Kirche in den 1960er Jahren in Benutzung - und schon damals war sie gebraucht", verrät Seelsorgebereichsmusiker Carlos Reigadas. Einige Register hätten nicht mehr funktioniert. "Konzerte waren gar nicht mehr möglich, und auch bei den Messen waren die Leute oft verunsichert, ob das Vorspiel noch läuft oder sie schon singen müssen", erzählt er und fährt fort: "es waren einfach zu wenige Klangfarben drin." Reparatur oder Neubau der Orgel wären aufwendig gewesen und hätten vor allem gewaltige Summen verschlungen. Also habe es nur eine Option gegeben: die Suche nach einer funktionstüchtigen, gebrauchten Orgel.

Fündig wurde die Gemeinde in Köln-Bilderstöckchen: Dort steht die Kirche St. Monika kurz vor dem Abriss. Im November vergangenen Jahres baute das beauftragte Unternehmen die Mayer-Orgel aus dem Jahr 1993 dort ab - und im Januar in Hilden wieder auf. "Dabei mussten wir das Gehäuse an die Dachkonstruktion anpassen", erklärt Björn-Daniel Reich.

Nach Aufbau und Installation der über 1000 Pfeifen geht es in der kommenden Woche an die Feinarbeit: "Dann müssen wir hören, welchen Klang jede einzelne Pfeife von sich gibt, ob sie zu laut, zu leise ist oder zu langsam anspricht", erklärt Reich. Auch nach dem ersten Stimmen müsse sich das Instrument erst einmal akklimatisieren, also an das Raumklima gewöhnen. Musiker und Instrument brauchten Zeit, um zusammenzufinden. Auch Regulierungen an der Traktur könnten eventuell notwendig sein. In der Zwischenzeit greift die Gemeinde auf ein Keyboard zurück.

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Mit 40.000 Euro bezuschusste das Erzbistum Köln Anschaffung und Einbau des hochwertigen Instruments - bei Gesamtkosten von 150.000 Euro. Einen Großteil des Restbetrages konnte die Katholische Gemeinde St. Jacobus, zu der die Kirche St. Konrad gehört, durch Spenden abdecken - weitere Unterstützer werden aber benötigt.

Immerhin: Auch die alte Orgel hat inzwischen für rund 20 000 Euro eine neue Heimat gefunden - sie steht inzwischen in der Nähe von Barcelona.

Das Einweihungsdatum für das neue Kircheninstrument steht schon fest: Am Pfingstsonntag, 20. Mai, 11.15 Uhr, soll die Orgel in der Kirche St. Konrad, St. Konrad-Allee 39, bei einer Heiligen Messe erstmals gespielt werden. Außerdem sind künftig wieder Orgelkonzerte geplant. Termine dazu will die Gemeinde noch bekannt geben.

Nach wie vor benötigt die Gemeinde jedoch auch Spenden, um das gesamte Projekt zu finanzieren.

Informationen dazu gibt es im Internet unter www.kath-hilden.de.

(RP)
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