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100 Jahre Bauverein Langenfeld: Am Anfang war der Steinrausch

100 Jahre Bauverein Langenfeld : Bauverein: Am Anfang war der Steinrausch

Der Bauverein Langenfeld sorgt seit 100 Jahren für günstigen Wohnraum. Blick in die Chronik der Genossenschaft.

Günstige Mietwohnungen sind heute ähnlich stark gefragt wie vor 100 Jahren, als der Bauverein Langenfeld (BVL) ins Leben gerufen wurde. Am 29. Juli 1919 trugen sich 78 Bürger als Mitglieder in die Aufnahmeliste ein. 1920/21 wurde das erste größere Baugrundstück am Steinrausch und der Richrather Straße gekauft. Heute besitzt der BVL nach eigenen Angaben 170 Häuser mit 944 Wohnungen und bietet rund 1000 Mietern ein Dach über dem Kopf. Hinzu kommen 225 Garagen, 128 Tiefgaragenstellplätze und vier gewerbliche Einheiten. Darunter viele ansprechende moderne Bauten aus den 1990er Jahren und dem Beginn unseres Jahrhunderts. Die meisten sind jedoch Altbauten, die bereits saniert wurden oder noch werden.

In der Siedlung am Steinrausch, die heute unter Denkmalschutz steht, legte der Bauverein im wahrsten Sinne des Wortes den Grundstein für seine Bauten. 62.047 Mark kostete das rund 113.000 Quadratmeter große Baugrundstück im Jahr 1920. 1921 war Baubeginn. Sozial engagierte Langenfelder Bürger – darunter etwa der Fabrikant Carl Becker – hatten die Wohnungsbau-Genossenschaft gegründet, um die Wohnungsnot in Langenfeld nach dem Ersten Weltkrieg zu lindern. Ab diesem Zeitpunkt entstanden an der Richrather Straße, dem Kurfürstenweg und der Langforter Straße und darüber hinaus kontinuierlich Miets- und Einfamilienhäuser vor allem für kinderreiche Familien mit wenig Geld.

Das vom Bauverein Langenfeld errichtete Jahnhaus an der Jahnstraße wurde am 12. Juni 1930 eröffnet. Foto: Bauverein Langenfeld

Das Engagement der Genossenschaft wurde durch die politischen und wirtschaftlichen Wirren sowie den Zweiten Weltkrieg unterbrochen. Vor Ausbruch des Krieges wurden an der Langforter Straße1938 noch vier Einfamilienhäuser für Kinderreiche gebaut, die durch die galoppierende Inflation sage und schreibe 400 Billionen D-Mark kosteten.

Die Geschäftsstelle des Bauverein Langenfeld befindet sich in diesem historischen Gebäude an der Richrather Straße 92. Foto: Stephan Meisel (mei)/Meisel, Stephan (mei)

Der 8. Mai 1945 war für den Bauverein ein Neuanfang mit Karl Gladbach als Vorsitzendem sowie Carl Droste und Martin Patten als Vorstandkollegen. Der Verein hatte alle Hände voll zu tun. Die Wohnungsnot war groß. 1949 waren 575 Familien auf der Suche nach der passenden Unterkunft in Langenfeld. 1953 waren es 864 „Parteien“.

Ab diesem Zeitpunkt wuchsen stetig neue Häuser mit bezahlbarem Wohnraum aus dem Boden. Es entstanden Häuser an der Martin-, Richrather- und Querstraße und in den Griesen. „Ein ganzes Stadtviertel errichtete der Bauverein in den 40er Jahren seines Bestehens. 145 Häuser mit 725 Wohnungen, 46 Eigenheimen und fünf Läden sowie der Gaststätte Jahnhaus und 31 Garagen wurden von ihm erstellte“, schreibt der Kölner Stadtanzeiger am 3. Juni 1959.

Sogar ein Hochhaus mit 21 Wohnungen entstand 1979 an der Martinstraße 40. Ursprünglich sollten es übrigens drei werden. Doch die hohen Baukosten ließen trotz öffentlicher Förderung keine Miete unter 8,66 D-Mark zu. Viel zu hoch für den damaligen sozialen Wohnungsbau.

Allein 2018 hat der Bauverein eine knappe Millionen in die Instandhaltung investiert. In den letzten elf Jahren waren es weit über 16 Millionen. Und das Ende der Fahnenstange ist nicht erreicht.

Der Bauverein macht das Wohnen in Langenfeld ein Stück sozialer. Die Mieter honorieren den Einsatz: Wer einmal ein Zuhause beim Bauverein hat, zieht auch heute so schnell nicht wieder aus. 2018 gab es 49 Kündigungen. Seit 1996 steht die älteste Siedlung am Steinrausch unter Denkmalschutz.

Eine (teure) Herausforderung für den BVL, der die teilweise über 90 Jahre alte Bausubstanz sanieren musste, ohne die Optik dieser Häuser zu verändern. Die alten Mietshäuser  gehören  zu den wenigen historischen Schmuckstücken, die die junge Stadt Langenfeld vorweisen kann.