Worte zur Woche: Windkraft ja – aber nicht um jeden Preis

Worte zur Woche : Windkraft ja – aber nicht um jeden Preis

Der Klimawandel ist eine existenzielle Zukunftsfrage und die Windkraft vor dem Hintergrund des Kohleausstiegs ein wesentlicher Baustein der notwendigen Energiewende. Windenergie wird für eine klimafreundliche Neuorganisation zwingend benötigt, doch müssen verschiedene Interessen beachtet werden.

Generelle Abstandsregeln sind wenig zweckdienlich, weil sie Planung und Neubau behindern. Entscheidend ist am Ende der Lärm auf der eigenen Terrasse, nicht ein willkürlicher Abstandswert.

Bei der Genehmigung von Windenergieanlagen muss dennoch die Frage erlaubt sein, ob der gewählte Standort dafür geeignet ist. Bei den Plänen für den Windpark Wassenberg, die vier 240 Meter große Windräder im Birgelener Wald an der Stadtgrenze zwischen Wassenberg und Wegberg vorsehen, ist das kaum vorstellbar.

Dieses Gebiet ist für die Erholungsfunktion, für Wanderer und Radwanderer von herausragender Bedeutung. Der Naturpark Maas-Schwalm-Nette hat dort den Premium-Wanderweg Birgeler Urwald eingerichtet. Es ist das einzige größere zusammenhängende Waldgebiet im Kreis Heinsberg und von den Naturschutzgebieten an Schaagbach und Helpensteiner Bach umgeben. Ausgerechnet dort, wo die Natur ideale Bedingungen zur Erholung bietet, sollen, um das Klima zu schützen, lange Schneisen in den Wald geschlagen und Flächen in großem Maß versiegelt werden. Da nutzt es wenig, dass zum Ausgleich anderswo Flächen für Aufforstungszwecke eruiert wurden.

Man muss schon sorgfältig abwägen, ob man ein solch wertvolles Naturgebiet tatsächlich für die Energiegewinnung durch Windkraft opfert. Politisch ist das hochbrisant. Die Deutschen haben bekanntlich ein besonderes Verhältnis zum Wald. Mehr als drei von vier Befragten lehnen einen weiteren Ausbau der Windkraft im Wald ab, obwohl die Mehrheit dieser erneuerbaren Energie gegenüber prinzipiell positiv eingestellt ist. Das ist ein klares Signal auch an die Verantwortlichen für das umstrittene Projekt Windpark Wassenberg: Die Energiewende darf nicht – wie das in diesem Fall zu befürchten ist – auf Kosten von Naturschutz und Artenvielfalt geschehen.

Das Thema Energie spielt an diesem Wochenende auch in Berlin eine bedeutende Rolle, wo sich die SPD zum Bundesparteitag trifft. Die Neuausrichtung der Partei und die Auswirkungen auf die Große Koalition im Bund werden im Erkelenzer Land aufmerksam verfolgt.

Die Menschen im Rheinischen Revier, die von der Umsiedlungsthematik betroffen sind und große persönliche Opfer zum Wohle der Allgemeinheit erbringen müssen, haben eines mindestens verdient: Planungssicherheit. Darum fordern sie zurecht, alle Beteiligten mögen mit Macht darauf hinwirken, dass die Kohleausstiegsgesetze endlich beschlossen werden.