Worte zur Woche: Landwirte nicht unfair behandeln

Worte zur Woche : Landwirte nicht unfair behandeln

Landwirte fühlen sich ungerecht behandelt. Deshalb machten sie in dieser Woche mit einem Traktoren-Konvoi durchs Rheinland und in die Bundeshauptstadt Berlin auf ihre Situation aufmerksam.

Der Erkelenzer Ortslandwirt Hubert Fell und 40 seiner Berufskollegen aus dem Kreis Heinsberg haben sich an dem Protest auf der Kö und am Brandenburger Tor beteiligt und auf die prekäre wirtschaftliche Lage vieler Bauern hingewiesen. Vor allem kleine und mittelgroße Familienbetriebe stehen unter Druck.

Die Landwirte haben sich daran gewöhnt, für einen überschaubaren Ertrag hart arbeiten zu müssen. Bislang konnten die meisten damit noch leben. Doch jetzt verschärft ein Imageproblem die Lage dramatisch, das spüren auch die Bauern im Kreis Heinsberg: Galten Landwirte früher als Bewahrer der Kulturlandschaft und Erzeuger hochwertiger Nahrungsmittel aus der Heimat, werden sie heutzutage besonders in den Sozialen Medien häufig pauschal als Umweltsünder abgestempelt – und das von Leuten, die auf der einen Seite umweltgerecht erzeugte Lebensmittel fordern, auf der anderen Seite aber nicht bereit sind, dafür den entsprechenden Preis zu zahlen. Das ist unfair, und das haben die Landwirte nicht verdient.

Zwar hat die Art, wie moderne Landwirtschaft betrieben wird, durchaus mit den Umweltproblemen zu tun, die nicht zuletzt durch die Klimabewegung beklagt werden. Doch dafür den einzelnen Bauern verantwortlich machen, ist der falsche Weg – zumal die Landwirte lediglich auf die Rahmenbedingungen aus der Politik reagieren. Tatsächlich ist eine der wichtigsten Forderungen der Bauern berechtigt: Man sollte nicht länger übereinander reden, sondern wieder miteinander. Dazu müssen nicht nur die Politiker in Düsseldorf und Berlin, sondern auch die Landwirte selbst bereit sein. In der Pflicht sind außerdem die Verbraucher – also wir alle. Wer bessere Lebensbedingungen für Tiere will und mehr Insektenschutz, der muss auch bereit sein, an der Supermarktkasse dafür zu zahlen. Genau dort, wo es darauf ankommt.