Wohnungsmarktstudie für den Kreis Heinsberg: 11.000 neue Wohneinheiten bis 2030 nötig

Wohnungsmarktstudie für den Kreis Heinsberg : Familien benötigen Wohnraum

11.000 Wohneinheiten müssen im Kreis Heinsberg in den nächsten zehn Jahren gebaut werden, um den Bedarf zu decken. Das ist ein Ergebnis einer Wohnungsmarktstudie, mit deren Ergebnissen sich jetzt die Kommunen auseinandersetzen sollen.

Mindestens 1100 Wohneinheiten jährlich bis 2025 und insgesamt rund 11.000 bis 2030 müssten im Kreis Heinsberg gebaut werden, um den prognostizierten Wohnungsbedarf zu decken. Dies ist eine Erkenntnis, die das Institut für Wohnungswesen, Immobilienwirtschaft, Stadt- und Regionalentwicklung (InWIS) in ihrer Wohnungsmarktstudie für den Kreis Heinsberg gewonnen hat. „Und das ist eher das untere Mittelmaß“, erklärte Professor Torsten Bölting, als er mit seiner Kollegin Malin Leidecker und Professor Rolf Heinze die Studie im Versammlungsraum der Kreissparkasse Heinsberg in Erkelenz Interessierten aus Politik, Baugewerbe, Sozialverbänden und Banken vorstellte.

Landrat Stephan Pusch hatte zuvor in seiner Begrüßung darauf hingewiesen, dass sich verschiedene Gremien schon seit einiger Zeit mit der Thematik „Wohnen im Kreis Heinsberg“ befassen und der Kreistag das Institut mit der Wohnungsmarktstudie beauftragt habe. Rund 150 Seiten umfasst diese Studie, vollgepackt mit Zahlen, Daten und Informationen, auf die zunächst Wilhelm Schulze, Leiter der Stabsstelle Demografischer Wandel und Sozialplanung in der Kreisverwaltung, einging. Er stellte insbesondere heraus, dass es entgegen aller bisherigen Erwartungen bis 2040 einen leichten Bevölkerungszuwachs geben werde – auf dann rund 255.500 Menschen im Kreisgebiet. Momentan sind es rund 253.000. Entscheidend seien zwei Altersgruppen. Die der 20- bis unter 63-Jährigen sinke um rund 20.000 auf 130.000 Personen. Gleichzeitig wachse die Zahl der über 65-Jährigen von rund 52.000 auf 78.000.

Folgen daraus müsse, wie Leidecker darstellte, ein Wohnungsbau, der den entsprechenden Bedarfswünschen angepasst sei, in erster Linie seien daher Häuser und Wohnungen für junge Familien erforderlich und zugleich wegen der wachsenden Zahl der Senioren und der Alleinlebenden kleinere Wohnungen. Zu beachten sei, dass der Kreis Heinsberg nicht umfassend als ländlicher Raum zu betrachten sei, es gebe städtische Zentren, die sich weiterentwickelten und in denen es zu Konzentrationen komme. Um die ländlichen Bereiche nicht abzuhängen, sei deren Stärkung notwendig, etwa durch einen attraktiven Öffentlichen Personennahverkehr oder eine gute digitalisierte Infrastruktur, wodurch Arbeiten und Wohnen gleichermaßen verbessert werden könnten.

Bedenklich sei, dass in Folge der derzeit geringen Bautätigkeit im Kreis Heinsberg der durchschnittliche Mietpreis seit 2012 um knapp einen Euro pro Quadratmeter gestiegen sei und es Nachfrageüberhänge bei kleineren Wohnung gebe, weil es bei diesen Wohnungen zu einem Konkurrenzkampf komme. Dieser könne nicht nur mit Neubauten beendet werden, sondern auch mit der Modernisierung bei älteren Wohnbeständen.

Auf die Herausforderungen bei der Sicherung der Daseinsvorsorge ging Heinze mit Blick auf den steigenden Anteil der älteren Mitbürger ein. „Neben der Schaffung zusätzlicher Angebote im Bereich Gesundheit und Pflege müssen neue Mobilitätskonzepte entwickelt werden.“ Außerdem sollten „mitalternde“ Wohnungen als Ziel angestrebt und Nachbarschaften geförderte werden.

Trotz aller zukünftigen Anstrengungen stehe der Kreis Heinsberg gut da, meinte Bölting. Wie eine Bürgerbefragung ergeben habe, seien die Menschen mit ihrer Wohnsituation in einem hohen Maße zufrieden. Das sei allerdings weder für die Planer in den Rathäusern, noch für die Politik ein Grund, sich zurückzulehnen. Sie müssen tätig werden, um den angepassten künftigen Bedarf zu decken. Als Musterbeispiel für attraktives Wohnen verwies Bölting auf das Projekt „Gut in Bauchem“, in dem die von Heinze formulierten Gedanken schon umgesetzt werden. Zusammenleben von Jung und Alt, betreutes Wohnen und Gemeinschaftsbereiche; Vieles wird in dem Projekt in Zusammenarbeit von Investor, Sozialträger und Kommune umgesetzt, wie die Quartiersentwicklerin Melanie Hafers-Weinberg und Melanie Jordans von der Franziskusheim gGmbH erläuterten.

Wie es mit der Studie weitergeht, liegt jetzt vornehmlich in den Händen der Kommunen. Der Kreis Heinsberg kann ihnen mit dieser Studie eine Hilfestellung geben. „Wir werden sicherlich einen Diskussionsprozess innerhalb wie auch außerhalb des Kreistages in Gang setzten“, sagte Landrat Pusch. Für die Folgerung aus dem Gutachten und für die Umsetzung der Ergebnisse sei jede Kommune selbst zuständig.