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Waldbaden und Yoga im Erkelenzer Land: Das hilft gegen Lockdown-Blues

Waldbaden, Yoga-Übungen, kreatives Kochen im Erkelenzer Land : Das hilft gegen den Lockdown-Blues

Waldbaden, Yoga-Übungen, kreatives Kochen: Strikte Kontaktbeschränkungen, geschlossene Geschäfte, Cafés und Restaurants, kaum Sportmöglichkeiten: Was hilft in der Zeit des harten Lockdowns?

Gabi Aglan setzt auf sportliche Betätigung im eigenen Fitnessraum zu Hause in Ratheim. Die Regisseurin der Hückelhovener Theatergruppe Märchenbengel leidet wie das gesamte Laien-Ensemble sehr darunter, in diesem Jahr kein neues Stück auf die Bühne zu bringen und sich nicht mehr zu den Proben treffen zu können. Im Keller hat die vierköpfige Familie, zu der neben ihrem Ehemann auch die beiden Töchter Cisa (16) und Nadia (20) gehören, ein kleines Fitnesscenter mit Boxsack, Trampolin und Fahrrad eingerichtet, das rege genutzt wird. „Wir wollen gestärkt aus der Krisenzeit hervorgehen“, betont Gabi Aglan.

Jeden Tag strampelt die Ratheimerin hier eine Stunde auf dem Rad, springt anschließend noch auf dem Trampolin. „Wir sprechen uns ab, wenn wir den Raum nutzen möchten, damit er nicht besetzt ist“, sagt Gabi Aglan. Tochter Nadia studiert Jura in Düsseldorf, hat dort eine eigene Wohnung, hält sich aber zurzeit lieber bei ihrer Familie auf, da die Vorlesungen und Seminare an der Uni ausfallen.

Bei Familie Kegler-Garcia sind aktuell vor allem Brettspiele angesagt. Alte Klassiker wie Monopoly oder Cluedo stehen bei dem deutsch-spanischen Ehepaar Britta und José sowie den beiden gemeinsamen Kindern Elena und Enrique hoch im Kurs. Der Besuch bei José Garcias Geschwistern und der Mutter fiel aus, die Hückelhovener Familie nutzt das Telefon mit Europa-Flatrate. „Ich kann aber nicht sagen, dass wir jetzt mehr und länger telefonieren, weil dafür die Zeit fehlt“, sagt Tagesmutter Britta Kegler-Garcia.

Das Kreieren neuer Gerichte hilft Koch und Food-Designer Sven Kant durch die schwierige Corona-Zeit. Wenn der Houverather kreativ wird am Herd, vergisst er alle Sorgen. Sven Kant kombiniert gern unterschiedliche Gewürze, verbindet die Klassiker der gutbürgerlichen Küche mit neuen Geschmackskompositionen. Erbsensuppe mit erfrischender Minze zum Beispiel. Bekannte Hausmannskost nach den alten Rezepten seiner Mutter wird mit verschiedenen Kräutern und Ölen angereichert. „Ich habe fünf Geschwister“, verrät Sven Kant. „Wenn ich für alle mit Anhang koche, sind wir immer 20 Personen.“

Und weil solche großen Treffen derzeit nicht möglich sind, bekocht Kant, der schon das schwedische Königspaar mit seinen Künsten am Herd begeisterte, lieber seine „Kunden“, die freitags ab mittags die Köstlichkeiten aus seinem Hospiz-Gemüsegarten zu schätzen wissen. Auf diese Weise möchte er das Erkelenzer Hospiz der Hermann-Josef-Stiftung finanziell unterstützen. Nächster Abholtermin ist der 8. Januar - dann serviert Kant deftige Erbsensuppe aus der Gulaschkanone mit Bockwurst.

Auch bei Kulturmanager Jürgen Laaser von der Wassenberger Kunst, Kultur und Heimatpflege gGmbH hat Corona vieles durcheinander gebracht. „Ich denke natürlich ständig darüber nach, welche Veranstaltungsformate in der nahen Zukunft coronakonform umgesetzt werden können. Wir haben da 2020 so einiges in Wassenberg geschafft, für 2021 blicken wir aber alle erst einmal in die gleiche Glaskugel“, gibt er zu.

Lesen hilft ihm, Stress abzubauen. Zu Laasers Favoriten gehören „Unsere Welt neu denken“ von Ökonomin Maja Göpel und die Elon-Musk-Biografie, die Ashlee Vance geschrieben hat. Gesellschaftsspiele wie „Azul“ und „Pictures“ helfen dem Kulturexperten, der seit vielen Jahren als Fotograf für die Rheinische Post im Einsatz ist, ebenso wie Puzzles, Joggen oder ausgedehnte Spaziergänge durch den Wassenberger Wald. „Besser kann man keine frische Luft tanken.“

Nadine Kosak ist ausgebildete Waldbademeisterin und Yogalehrerin. Die Wegbergerin, deren schauspielerische Aktivitäten für die Schwalmbühne Harbeck wegen der anhaltenden Pandemie ruhen, setzt vor allem auf einen gesunden Lebensstil, zu dem auch eine ausgewogene Ernährung gehört. „In der Natur war ich immer schon viel, aber dann habe ich angefangen, diese bewusster und anders wahrzunehmen. So bin ich auch zum Waldbaden gekommen“, berichtet Nadine Kosak. „Wenn ich mal abschalten möchte, gehe ich in den Wald und lege ein Waldmandala.“

Dann malt die junge Frau ein Bild auf dem Waldboden „aus all den Dingen, die man dort finden kann.“ Nadine Kosak liebt diese kleinen Entdeckungsreisen, die auf sie wie eine entspannende Meditation wirken. „Dann macht das Gedanken-Karussell mal Pause.“ Auch die Übungen auf ihrer Yoga-Matte helfen ihr durch die schwere Corona-Zeit. „Ich bewege mich und spüre ganz bewusst jede Bewegung und welcher Muskel arbeitet.“