Kreis Heinsberg: Vor 20 Jahren bebte die Erde

Kreis Heinsberg: Vor 20 Jahren bebte die Erde

Heute vor zwei Jahrzehnten gingen die Menschen in der Region zu Bett ohne zu ahnen, dass sie in der Nacht aus dem Schlaf schrecken würden. Einem Grollen folgte am 13. April 1992 das schwerste Erdbeben seit 236 Jahren.

Das unheimliche Grollen klang, als würde eine Riesenfaust einen gewaltigen Felsbrocken über Land rollen. Gleich darauf begannen Häuser zu vibrieren, Möbel gerieten in Bewegung, Sekunden später schwankte der Boden. Montag, 13. April 1992, 3.20 Uhr: Ein Erdbeben der Stärke 5,9 erschütterte die Region. Das Epizentrum lag in 16,8 Kilometer Tiefe unter Roermond. Eine erste Bilanz im Kreis: 25 durch herabstürzende Ziegel und Steine Verletzte, rund 200 beschädigte Häuser, vier abbruchreif, und 120 durch Trümmer demolierte Fahrzeuge. Der Schaden auf deutscher Seite wird später auf rund 150 Millionen Mark beziffert.

Oberbrucher Altstadt verwüstet

Während in den meisten Städten nur geringe Schäden auftraten, zog das Beben durch die Oberbrucher Altstadt eine Spur der Verwüstung. Ein gespenstisches Szenario in den Stunden danach: Straßen und Bürgersteige voller Trümmer, auf der Straße sichtlich geschockte, weinende Menschen, in strömendem Regen zuckende Blaulichter der zahlreichen Feuerwehrfahrzeuge, Rettungskräfte, die mit Aufräumarbeiten begannen — man wähnte sich im "falschen Film". Vor allem griechische Familien, die Naturkatastrophen in ihrer Heimat durchlitten hatten, konnten es nicht fassen, dass in Deutschland ein Erdbeben so schwere Schäden verursachen kann. In manchen Wohnungen hatten sich Risse in den Wänden gebildet, den schlafenden Bewohnern war Putz aufs Gesicht gerieselt, in einzelnen Zimmern senkten sich die Decken herunter, Kamine kippten nach innen, in Dächern klafften Lücken. 31 Menschen aus einsturzgefährdeten Häusern wurden vorübergehend obdachlos. Zwei unbewohnte Häuser waren nicht zu retten.

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Leo Dautzenberg, damals CDU-Landtagsabgeordneter, war einer der ersten Politiker, die sich ein Bild von den Verwüstungen machten. Per Hubschrauber flog aus Bonn Bernd Schmidbauer, Staatsminister beim Bundeskanzleramt, in die Unglücksregion. In Begleitung des CDU-Bundestagsabgeordneten Dr. Karl Fell () sprach er mit verzweifelten Menschen — einige hatten an eine Explosion oder gar eine Atombombe gedacht —, und er fuhr auch nach Dremmen, einer zweiten Insel der Zerstörung: Im Marienkloster waren Giebel abgebrochen und alle Zimmer der 72 Altenheimbewohner beschädigt. Die Lambertuskirche musste wegen Rissen in der Decke geschlossen werden.

24 Stunden nach dem ersten Schock versetzte ein Nachbeben der Stärke 4,1 die Menschen erneut in Angst. Der damalige Ministerpräsident Johannes Rau versprach den Opfern Hilfe des Landes. Hauseigentümer sollten Geld aus dem Sondertopf des Landes "für unvorhergesehene Ereignisse" erhalten. Versichert waren die Schäden meist nicht — "höhere Gewalt".

(RP)
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