Umfrage im Kreis Heinsberg: Sozialdemokraten hoffen auf Spitzen-Duo

Umfrage im Kreis Heinsberg : Sozialdemokraten hoffen auf Spitzen-Duo

Erstmals will die SPD mit Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans ein Duo an die Parteispitze wählen. Die Hoffnungen der Sozialdemokraten im Kreis Heinsberg reichen vom Ende der Großen Koalition bis zum schnellen Kohleausstieg.

In das neue Spitzenduo der SPD, Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken, das ab Freitag auf dem Bundesparteitag gewählt werden soll, setzen die Sozialdemokraten im Kreis Heinsberg viele, allerdings unterschiedliche Hoffnungen. Diese reichen von der Auflösung der Großen Koalition bis zum schnellen Beschluss des Kohleausstiegsgesetzes, um den Menschen am Tagebau Garzweiler „endlich ein sicheres Ziel zu geben“, wie Katharina Gläsmann als Vorsitzende der Erkelenzer SPD formuliert.

Swantje Day, Vorsitzende des Ortsvereins in Wegberg, sieht das Ergebnis der Mitgliederbefragung sehr positiv. Norbert Walter-Borjans mit dem Thema Finanzen und Saskia Esken mit dem Thema Bildung hätten beide nicht nur ihre Spezialgebiete: „Wir können auch bei anderen Fragen wie Hartz IV, Mindestlohn, Klimaschutz oder Grundrente von ihnen erwarten, dass sie klare Kante zeigen.“ Das muss nach Meinung von Swantje Day nicht unbedingt zu einem Koalitionsbruch führen. Ein einfaches „Weiter so“ werde es bei den beiden jedenfalls nicht geben.

Michael Stock ist der einzige SPD-Bürgermeister im Kreis Heinsberg. Foto: Stadt Wegberg

Dass sich die Basis in der mehrmonatigen Kandidatenkür für ein „nicht weiter so“ entschieden hat, bewertet auch Heinz Meißner. Für den Vorsitzenden der SPD in Hückelhoven ist das Ergebnis des Mitgliederentscheids und der Arbeitsauftrag an Esken und Walter-Borjans deutlich: „Jetzt wird es darum gehen, die Ziele und Themen der SPD wieder klar herauszustellen und zu entscheiden, wie diese erreicht werden können.“ Dass dies nicht mehr in einer Großen Koalition geschehen könne, ist die Meinung von Hermann Thissen. Der Vorsitzende des SPD in Wassenberg erklärt, dass nach der Bundestagswahl 2017 die Fragen des Klimawandels und der Energiewende noch nicht in dem Maße diskutiert wurden, wie sie heute Thema sind. Deshalb halte er es für richtig, den Koalitionsvertrag zu überarbeiten. Sollten CDU und CSU dem widersprechen, ignorierten sie auch die im Vertrag vereinbarte „Halbzeitbilanzregelung“: „Die Auflösung der Großen Koalition sollte konsequent abgewickelt werden.“

Norbert Spinrath ist Vorsitzender der SPD im Kreis Heinsberg. Foto: SPD Kreis Heinsberg

Wegbergs Verwaltungschef Michael Stock, einziger SPD-Bürgermeister im Kreis Heinsberg, formuliert mit dem knappen Ergebnis des SPD-Mitgliederentscheids die Erwartung, dass sich die Gewählten als Führungskräfte ins Zeug legen, die SPD auf Kurs bringen und das Vertrauen der Menschen zurückzugewinnen. Die Menschen in der Region könnten sich auf ein sachthemenorientiertes Team einstellen, das das Rheinland und die Mentalität der Menschen kennt. „Norbert Walter-Borjans war 2016 Gast in Wegberg beim SPD-Neujahrsempfang und überzeugte unter anderem durch seine damaligen Ankäufe der Steuer-CDs“, sagt Stock. Auf dieses Treffen blickt auch Swantje Day zurück, die von der neuen SPD-Spitze die Bereitschaft zur Abkehr von der schwarzen Null zugunsten dringend benötigter Investitionen, insbesondere in Bildung, ÖPNV und Verkehrsinfrastruktur, erwartet: „Wir sind im Kreis Heinsberg ganz besonders auf gute Verkehrswege angewiesen.“ Norbert Walter-Borjans habe beim Neujahrsempfang in Wegberg großes Interesse für die örtlichen Gegebenheiten gezeigt.

Katharina Gläsmann ist SPD-Vorsitzende in Erkelenz. Foto: Speen

Dieses erwarten auch Norbert Spinrath und Katharina Gläsmann. Der Vorsitzende der Sozialdemokraten im Kreis Heinsberg, der ein knapperes Ergebnis beim Mitgliederentscheid erwartet hatte, kennt den Rheinländer Walter-Borjans nicht nur von dessen Besuchen im Kreisgebiet: „Er kennt damit nicht nur ,die Gegend’, sondern auch die Stärken und Schwächen – und die Bedarfe. Gemeinsam arbeiten wir im Landesvorstand der SPD, sitzen häufiger als ,doppelter Norbert’ direkt nebeneinander und tauschen uns aus. Er hat ein sehr genaues Bild davon, dass es große strukturelle Unterschiede zwischen der großstädtischen Struktur und dem ländlichen Raum gibt und wird sich für eine Angleichung der Lebensverhältnisse stark machen.“

Hermann Thissen ist Vorsitzender der SPD Wassenberg. Foto: Thissen
Heinz Meißner ist SPD-Vorsitzender im Ortsverein Hückelhoven. Foto: SPD Hückelhoven

„Impulse für die Schulpolitik“ erhofft sich Katharina Gläsmann, Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Erkelenz, von Saskia Esken, während sie bei Norbert Walter-Borjans ebenfalls auf dessen Kenntnisse über das Rheinland und damit das Rheinische Revier setzt: „Wir erwarten von allen Beteiligten, dass die Kohleausstiegsgesetze jetzt endlich beschlossen werden. Denn das wäre etwas, was wirklich hilfreich wäre für die Erkelenzer. Dann gäbe es endlich ein sicheres Ziel, einen verlässlichen Fahrplan.“