Synode des Kirchenkreises Jülich: Wege zur Zukunft der Kirche diskutieren

Synode des Kirchenkreises Jülich in Hückelhoven : Wege zur Zukunft der Kirche diskutieren

2030 hat der Evangelische Kirchenkreis Jülich weniger Mitglieder und weniger Pfarrer. Es ist nicht nur der demografische Wandel, der zu einem Mitgliederrückgang führt. Diskussionsstoff bei der Synode.

Nüchterne Fakten waren die Diskussionsgrundlage für die Synode des Evangelischen Kirchenkreises Jülich, zu der sich die Delegierten im evangelischen Gemeindehaus an der Haagstraße in Hückelhoven trafen. Die Zahl der Gemeindemitglieder werde bis 2030 von jetzt 79.000 auf 69.000 sinken und bis 2040 auf 59.000, berichtete Superintendent Jens Sannig, zudem werde die Zahl der Pastorenstellen bis 2030 von 35 auf 27 zurückgehen. Mithin stand diese Synode ganz im Zeichen des inneren Prozesses im Kirchenkreis. Die eigene Zukunft und die der einzelnen Gemeinden waren das Kernthema.

„Es ist nicht nur der demografische Wandel, der zu einem Mitgliederrückgang führt“, meinte Sannig, der zugleich ausführte, dass der Mitgliederschwund nicht nur im Kirchenkreis, sondern in der gesamten evangelischen Kirche und in der katholischen Kirche eintreten werde. Es sei insbesondere die Gruppe der jungen Gläubigen im Alter zwischen 24 und 35 Jahren, die den Kirchen den Rücken zukehrt.

„Wir wollen einen Denkprozess anstoßen“, sagt Superintendent Jens Sannig. Foto: Joerg Knappe/Knappe, Jörg (knap)

„Daraus ergibt sich zwangsläufig die Frage, wie unsere Zukunft aussieht“, erläutert Johannes de Kleine, der Öffentlichkeitsbeauftragte des Kirchenkreises. „Die Zukunftsplanung 2030 nahm daher den meisten Raum der Diskussion ein.“ Eine Patentlösung habe niemand; auch der Kirchenkreis Jülich nicht, der nach Worten des Superintendenten im Bereich der Rheinischen Landeskirche durchaus den Ruf hat, einer der innovativsten und kreativsten zu sein. „Wir können und wollen nicht von oben entscheiden, wie es weitergeht. Wir wollen einen Denkprozess anstoßen“, so Sannig. Er begrüßt den Beschluss der Synode, einen zweijährigen Moderationsprozess zu beginnen, bei dem innerhalb der einzelnen Kirchengemeinden und über die Gemeindegrenzen hinaus überlegt werden soll, was geschehen kann, um die Kirche als Kirche weiterhin in der Öffentlichkeit als präsent und prägend erscheinen zu lassen. „Es geht keinesfalls darum, Kirchengemeinden zusammenzuschließen.“ Dieser Gedanke sei gar nicht erst diskutiert worden. Die Struktur soll erhalten bleiben, die Inhalte des Gemeindelebens müssten sich ändern. Dazu gehöre auch, wie de Kleine beispielhaft anfügt, dass die Kirche digital werde. „Nur noch drei Prozent aller Gläubigen besuchen bei uns einen Gottesdienst. Um die anderen zu erreichen, müssen wir raus aus der analogen Welt und uns in der digitalen mit all ihren Medien etablieren.“ Das sei ein möglicher Weg zur Kirche der Zukunft. Eine andere Möglichkeit ist die Umgestaltung von Gottesdiensten, wie etwa der Gottesdienst auf dem Sofa, der regelmäßig in Schwanenberg für eine gut besuchte Kirche führt. Die einzelnen Kirchengemeinden sollen sich Gedanken machen über ihre Vorzüge, aber auch über ihre Mängel. Übergreifend könnte dann im Austausch eine für alle verbesserte Situation entwickelt werden.

Dieser Weg muss mit weniger Pfarrern beschritten werden. „Es kann nicht darum gehen, einfach freiwerdende Pfarrstellen nicht wieder zu besetzen“, sagte Sannig. Das könne zu einer Unterversorgung von Gemeinden führen. Er nannte das Beispiel Heinsberg. Dort ist nur noch eine von zwei Pfarrstellen besetzt. Anderenorts wird es bald ähnlich sein. „Wir müssen versuchen, gemeindeübergreifende Pfarrstellen anzubieten, dass also ein Pfarrer nicht an eine Gemeinde gebunden ist, sondern mit anderen Pfarrern kooperiert. „Warum sollte ein Pfarrer, der mit Begeisterung Konfirmandenunterricht durchführt, nicht in mehreren Gemeinde tätig werden und ein anderer Pfarrer, dem die seelsorgerische Arbeit besonders liegt, nur an einem Ort seiner Tätigkeit nachgehen?“ Zusammenarbeit und das Bündeln von Neigungen mehrerer Pfarrer statt einem Pfarrer als Allesmacher und vermeintlicher Alleskönner könnte ein möglicher Schritt in die Zukunft sein.

Auch müsse überlegt werden, ob Tätigkeiten nicht durch andere, nicht theologische Mitarbeiter ausgeführt werden könnten. Diese Überlegungen seien Ansätze, betonte Sannig. In den nächsten zwei Jahren sollen die einzelnen Kirchengemeinden mit Unterstützung eines Moderators ihre Ideen entwickeln.