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Jahesbericht 2019 der Awo-Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche

Awo-Beratungsstelle in Heinsberg : Eltern durch schwierige Zeiten lotsen

Eltern ermutigen und ihnen Unsicherheit bei der Erziehung zu nehmen, das ist Tagesgeschäft bei der Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche der Arbeiterwohlfahrt. Das Familienleben wird in Corona-Zeiten anstrengender.

Seit langem zählt die Awo-Beratungsstelle, die in Kooperation mit der Diakonie betrieben wird, zum festen Bestandteil im Netzwerk der pädagogischen und psychosozialen Versorgung der Bevölkerung im Kreis Heinsberg. Das Beratungsangebot richtet sich an Menschen mit persönlichen, familiären, entwicklungsbedingten oder schulischen Problemen oder Fragestellungen. 631 Beratungen wurden im Jahr 2019 in der Einrichtung an der Heinsberger Westpromenade durchgeführt, es gab 259 Neuanmeldungen, davon 108 aus Heinsberg, zudem Anfragen aus Wassenberg, Hückelhoven und Wegberg. Diese Bilanz zog die Psychologin und Leiterin, Christina Kefalidis.

Seit einer Woche ist in diesem Jahr die Präsenzberatung wieder möglich. „Die Räume sind groß genug zum Abstandhalten, es stehen Kunstglasscheiben auf den Tischen, die Ratsuchenden müssen nur auf dem Weg durch das Gebäude Masken tragen“, sagte Kefalidis. Dass Corona Gewaltpotenzial verschärft hat, hält die Psychologin für eine gewagte These. „Da wo häusliche Gewalt war, ist es nicht besser geworden“, erklärte sie. Nach dem Lockdown erlebe man aber eher das Gegenteil: „Eltern sind sehr bemüht gewesen, haben mit den Kindern viel Kreatives gemacht, sich auch mal in Ruhe gelassen, mehr Verständnis füreinander gezeigt.“

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Weil es über Corona und Vorschriften jeden Tag neue Informationen gab, seien Eltern nervöser geworden. „Da hat sich gezeigt, dass es sehr wichtig war, Ansprechpartner zu haben. Und nach den Lockerungen sind die Menschen froh, jemanden aufsuchen zu können“, betonte sie. Zurzeit steigen die Anrufzahlen: Wie funktioniert es mit dem Schul-Neustart? Was machen wir in den Sommerferien? Wenn die Nerven blank liegen, so Christina Kefalidis, entlaste der Gedanke, dass es vielen so geht. „Und es ist wichtig zu wissen: Es gibt eine Beratungsstelle, da kann man – auch anonym – was loswerden.“ Oft werden Eltern bestärkt in dem, was sie schon gut machen, und sie erhalten Rat, was sie noch besser machen können. „Je früher uns die Eltern kontaktieren, umso besser“, unterstreicht die Psychologin.

Vor allem das Thema Erziehungsunsicherheit und die damit einhergehende pädagogische Überforderung standen 2019 klar im Mittelpunkt der Beratung. Einen weiteren deutlichen Arbeitsschwerpunkt der Beratung bildeten Umgangs- und Sorgerechtsstreitigkeiten. Eltern stehen einerseits vor der Herausforderung, ihrer Rolle als Mutter und Vater gerecht zu werden, andererseits dem ständigem Druck der gesellschaftlichen Veränderungen sowie auch der Digitalisierung standzuhalten. Die Anpassungsleistungen, die Eltern, Kinder und Jugendliche erbringen müssen, kosten Zeit und Nerven. Kernkompetenzen in Konfliktmanagement und Krisenbewältigung werden zunehmend wichtig. Familien stehen mehr denn je vor Problemlagen und Lebenssituationen, die ihre eigenen Kräfte und Kompetenzen herausfordern. Dazu brauchen Ratsuchende Orientierungshilfen und Wegweisung, um die vorhandene Angebotsvielfalt zu überblicken. Eine Beratungsstelle direkt vor Ort vorzuhalten, um Hilfe in Anspruch zu nehmen, sei gerade in schwierigen Lebenssituationen für Eltern, Kinder und junge Erwachsene sehr wichtig, betont die Arbeiterwohlfahrt.

Mit verschiedenen Maßnahmen wie themenbezogene Elterncafés, regelmäßige Sprechstunden und Teilnahme an Veranstaltungen, durchgeführt zum Beispiel in Familienzentren, soll die Schwellenangst für die Inanspruchnahme der Beratungsstelle gesenkt sowie eine Verbesserung der Vernetzung erreicht werden. Das Team um Christina Kefalidis mit einer weiteren Psychologin, Pädagogin und einem Sozialarbeiter sowie einer Verwaltungskraft beriet und unterstützte zudem Flüchtlingsfamilien.