Sportpolitik: Wer Kinder betreut, muss Zeugnis zeigen

Sportpolitik: Wer Kinder betreut, muss Zeugnis zeigen

Ab dem 1. Januar 2014 muss jeder Übungsleiter, Betreuer oder Trainer ein erweitertes Führungszeugnis vorweisen, um Kinder oder Jugendliche betreuen zu dürfen. Dies ist auf eine Änderung im Bundeskinderschutzgesetz zurückzuführen.

Die Verantwortung ist riesengroß: Wer mit Kindern arbeitet – sei es im Sport, bei der Hausaufgabenbetreuung oder Freizeitgestaltung – muss immer das Wohl seiner Schützlinge im Blick haben. Das ist vielen Verantwortlichen von Vereinen und Verbänden bewusst – und auch dem Gesetzgeber. Die Konsequenz daraus ist im Sozialgesetzbuch VIII festgehalten. Darin steht – verkürzt ausgedrückt –, dass alle, die ehren- oder nebenamtlich mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen müssen.

Seit 2010 existiert neben dem normalen auch ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis. Im Unterschied zum normalen Führungszeugnis finden sich in der erweiterten Variante auch Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung, Exhibitionismus oder Besitz von Kinderpornografie. Nach dem Bundeskinderschutzgesetz sollen ab dem 1. Januar 2014 auch Ehrenamtliche in der Kinder- und Jugendarbeit ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis vorlegen.

Das klingt zunächst mal sinnvoll. Aber auf die Vereine und Verbände kommt damit eine Menge zusätzliche Arbeit zu. Denn alle Träger, die nach dem Kinderjugendschutzgesetz anerkannt sind, müssen zum 1. Januar 2014 prüfen, welches Vereinsmitglied ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis vorlegen muss. Das heißt im Umkehrschluss auch: Nicht jedes Mitglied muss Einblick in seine strafrechtliche Vergangenheit gewähren. Der Kassierer braucht in der Regel kein Führungszeugnis, da er nicht in sensiblen Bereichen mit den Kindern arbeitet. Aber ein Gruppenleiter, der in einer Ferienfreizeit mit Kindern und Jugendlichen übernachtet, muss künftig nachweisen, ob er eine weiße Weste hat.

Für den TV Erkelenz ist die Neuerung kein Problem, denn schon jetzt fordert der Verein von seinen Übungsleitern das erweiterte Führungszeugnis: "Rund 80 Prozent unserer Übungsleiter haben bereits eins eingereicht", sagt ETV-Geschäftsführerin Petra Zittrich, "als größter Sportverein der Stadt Erkelenz mit über 800 Kindern und Jugendlichen sind wir uns unserer Verantwortung bewusst. Wir arbeiten daran, dass unsere Übungsleiter und Trainer dieser Aufgabe gewachsen sind." Schon vor rund einem Jahr habe der Verein seine Übungsleiter und Trainer per Mail davon in Kenntnis gesetzt, dass in Zukunft ein erweitertes Führungszeugnis Pflicht sei. "Danach mussten wir einige persönliche Gespräche führen, weil sich der ein oder andere geziert hat und sich unter Generalverdacht gestellt sah, aber inzwischen ist das bei uns im Verein eine Selbstverständlichkeit", sagt Zittrich. Stein des Anstoßes sei ein Seminar des Stadtsportverbandes Erkelenz zum Thema "Sexualisierte Gewalt" gewesen. "Inzwischen wird das Ganze durch die Bank weg gut angenommen – es zeichnet unseren Verein aus", ist Zittrich überzeugt, die die Neuerung für eine gute Sache hält.

(RP)