Walking Football: Fußball im Gehen bei den SF Uevekoven

Walking Football : Fußball im Gehen liegt im Trend

Die SF Uevekoven bieten seit diesem Monat Walking Football an. Mönchengladbach und das Grenzland hinken noch hinterher.

„Ganz böses Foul, gaaanz böööses Foul“, ruft einer der Spieler, während ein anderer lachend einen Videobeweis fordert. Acht Herren spielen auf einem mit Hütchen abgesteckten Feld auf zwei kleine Tore. Die Szenerie auf der Anlage der Sportfreunde Uevekoven hat Bolzplatzcharakter und scheint viel Spaß zu machen. Der Ball wechselt häufig den Spieler, bis er den Weg in eines der Tore findet. Jubel macht sich bei der einen Mannschaft breit und doch – etwas ist anders. Es wird nicht gelaufen, sondern gegangen. Und wenn doch mal einer läuft, erfolgt ein Pfiff. Es wird Walking Football gespielt.

„So ist die wichtigste Regel beim Walking Football, dem Fußball im Gehen“, erklärt Georg Krückel, der Initiator und Trainer der neuen Fußballvariante bei den SF Uevekoven. Die Idee, diese Art zu kicken anzubieten, konkretisierte sich bei ihm Ende November, als der Fuballverbandes Mittelrhein in Uevekoven eine Infoveranstaltung unter dem Motto „Bewegt älter werden“ auf die Beine stellte. Wobei es auch schon andere Vereine in der Nachbarschaft gibt, die sich des Themas angenommen haben. So präsentierte zum Beispiel der FC Concordia Haaren Anfang des vergangenen Jahres eine Gruppe, der SC Wegberg zog im Sommer nach. Damit ist der Fußballkreis Heinsberg schon wesentlich weiter als die benachbarten Kreise Mönchengladbach/Viersen und Kempen/Krefeld. „Mir ist nicht bekannt, dass es bei uns einen Verein gibt, der Walking Football anbietet“, sagt Torsten Nellen, in Mönchengladbach/Viersen für den Breitenfußball zuständig.

Genauso sieht’s in Kempen/Krefeld aus, wo Kreisvorsitzender Jürgen Hendricks wie im Fußballverband Niederrhein auch für den Breitensport zuständig ist. „Es gibt große Bestrebungen Walking Football zu etablieren. Aber es lässt sich nichts erzwingen, das muss sich entwickeln“, erklärt Hendricks. Die positiven Aspekte der neuen Fußballvariante liegen für ihn auf der Hand: „Die Technik und nicht die Körperlichkeit steht im Mittelpunkt, das kann man noch bis ins hohe Alter machen. So bleiben auch ältere Spieler den Vereinen erhalten.“

Gut zu beobachten in Uevekoven, wo gleich mehrere Senioren zum ersten Training erschienen sind. Zum Beispiel der 65-jährige Günter Gradowski, der gerne spazieren geht. „Aber da geht noch mehr“, sagte er sich. Und so sehen es auch die anderen – als eine Chance, sich im Mannschaftssport gemeinsam zu bewegen und Spaß zu haben. Einige haben schon viele Jahre lang miteinander Fußball gespielt, mussten aber wegen fehlender Menisken, künstlicher Knie- oder Hüftgelenke oder auch Wirbelsäulenproblemen den Ballsport aufgeben. Einer der Teilnehmer hatte vor anderthalb Jahren einen Hirnschlag und ist froh, sich wieder in Gesellschaft zu bewegen.

Dass beim Walking Football nicht gelaufen werden darf, bringt schon der Name zum Ausdruck, es muss also immer ein Fuß am Boden bleiben. Zudem darf der Ball nicht über Hüfthöhe gespielt werden. Gespielt wird in kleinen Mannschaften. Sechs Spieler bilden die maximale Größe eines Teams. Es gilt harten Körperkontakt und Fouls zu vermeiden, damit das Verletzungsrisiko minimiert wird. Taktisches Pass-Spiel ist neben dem geschickten Umgang mit dem Ball gefordert. Auch gibt es keinen Torwart und keinen Kopfball. „Ebenso ist die Abseitsregel aufgehoben. Und statt den Ball einzuwerfen, wird er geschossen“, sagt Helmut Waldhaus, Vorsitzender des Verbandsausschusses für Freizeit- und Breitensport am Mittelrhein. Er ist froh, dass eine Gruppe zusammengekommen ist, an der er selbst aktiv teilnehmen kann, da er den SF Uevekoven früher lange angehört hat. Zurzeit ist er für den Verband viel unterwegs, da sich auch andere Vereine für die neue Fußballvariante interessieren.

Am Spielfeldrand hat Stephan Schmitz zugeschaut. Nachdem die erste Trainingseinheit beendet, das Spielfeld geräumt und die Bälle im Lager verstaut sind, geht er in das Sportlerheim und setzt sich mit zu den Spielern. Er wollte sich das Spiel einmal ansehen und ist sich nun sicher, in der kommenden Woche mit dabei zu sein. Trainer Georg Krückel und seine Schützlinge tauschen Telefonnummern aus. Sie organisieren sich in einer WhatsApp-Gruppe. „Es können gerne noch mehr Spieler werden, auch sind Frauen willkommen. Da wird in der Sportart kein Unterschied gemacht“, sagt er. „Es gibt bei uns auch keine Altersbeschränkung. Die Freude, sich zu bewegen, steht im Vordergrund.“

Jeden Donnerstag will sich die Gruppe künftig in Uevekoven treffen. Ab 19 Uhr wird dann für rund 75 Minuten gemeinsam im Gehen Fußball gespielt. Nach gezielten Aufwärmübungen, die Verletzungen vorbeugen sollen, wird gekickt, gelacht und werden Sprüche geklopft. Das hört sich nach ganz viel Spaß an – wie früher auf dem Bolzplatz, nur etwas anders.