Volleyball-Oberliga: VC Ratheim startet in teure zweite Saisonhälfte

Volleyball : Auftakt in teure zweite Saisonhälfte

Die Oberliga-Volleyballer des VC Ratheim starten am Sonntag mit dem Spiel in Solingen in eine Flut von Auswärtsspielen. Etwa 1000 Kilometer ist das Team im zweiten Saisonteil unterwegs. Ein Aufwand, der nicht nur die Vereinskasse belastet.

Es gibt Sportarten – auch im Amateurbereich – da werden den Spielern Aufwandsentschädigungen gezahlt, sie erhalten Auflauf-, Punkte- oder Torprämien und können ihre Fahrtkosten mit dem Verein abrechnen. Von solchen himmlischen Zuständen können die Oberliga-Volleyballer des VC Ratheim nur träumen – ganz im Gegenteil: Sie zahlen für ihr Hobby im Laufe einer Saison noch drauf. Sponsoren sind rar gesät, die Rücklagen in der Vereinskasse lassen keine großen Sprünge zu. Selbst für die neuen Trainingsanzüge griffen Spieler und Trainerin in die eigene Tasche, zahlten dank eines Sponsors aber nur einen kleinen Obolus.

Mit Blick auf die jetzt noch anstehenden zehn Saisonspiele wird aber eins schnell klar: Für die Ratheimer beginnt nun die teurere zweite Saisonhälfte. Hatte der VC in der Hinrunde nur drei Auswärtsspiele – das gegen Solingen findet am Sonntag ab 12 Uhr in der Klingenstadt statt – und sechs Heimpartien, dreht sich der Spieß in der zweiten Halbserie um. Konkret heißt das: Rund 1000 Kilometer werden die Baggerkünstler bis zum Saisonende noch mit ihren privaten PKWs zurücklegen, sodass bei den momentanen Spritpreisen einiges auf die Spieler zukommen wird.

„Wir versuchen natürlich immer mit so wenig Autos wie möglich zu fahren“, sagt VC-Libero Markus Becker, „aber mit drei Autos sind wir trotzdem meistens unterwegs.“ Etwa 180 Euro pro Auto werden für die Rückrunde so zusammenkommen, im Vergleich zur Hinrunde ein deutlicher Mehraufwand. In der Hinrunde absolvierte der VC bei den Auswärtsspielen lediglich 420 Kilometer, wobei alleine auf die Partie beim TSV Germania Windeck 270 Kilometer entfielen. Für das weiteste Auswärtsspiel der Saison besorgte Spieler Gilbert Schaffrath allerdings einen Kleinbus, so dass keine Kosten auf die Spieler zukamen. „Für andere Sportler ist das lächerlich, für uns ist das eine große Unterstützung“, sagt Becker.

Die weiten Fahrten kommen aus zwei Gründen zustande: Zum einen liegt der VC Ratheim mit seiner Heimspielhalle am Parkhof am westlichsten Zipfel des Westdeutschen Volleyballverbandes, so dass das Spiel in Aachen – eine Strecke sind etwa 40 Kilometer – schon als Derby zu bezeichnen ist. Bei allen anderen Partien kommen pro Strecke mindestens 75 Kilometer zusammen. Der zweite Grund ist die Höhe der Spielklasse: Würde der VC zwei Klassen niedriger spielen, würden sich die Fahrtkosten wohl fast halbieren. „Für uns aber sicherlich keine Gründe, abzusteigen“, versichert Becker mit Nachdruck.

Auch für den Verein ist es keine Kleinigkeit, einem Team die Teilnahme an der Meisterschaftsrunde zu ermöglichen. Es müssen Abgaben an den Verband gezahlt werden, Schiedsrichterkosten sind zu entrichten, zudem musste am Anfang der Spielzeit ein Tablet angeschafft werden, da der elektronische Spielberichtsbogen nun für die Oberliga Pflicht ist. „Da kommt schon einiges zusammen“, sagt Becker, „kein Zuckerschlecken für so einen kleinen Verein wie unseren“. Einnahmen generiert der Klub in erster Linie durch die Mitgliedsbeiträge, Zuschüsse und als Ausrichter der Werbegemeinschaft Open, einem Turnier für ortsansässige Gewerbetreibende. „Da ist dann unsere Manpower gefragt“, erklärt Becker. Fakt ist: Die Spieler des VC Ratheim zahlen auf jeden Fall drauf – mit ihrem Geld und ihrer Einsatzbereitschaft.