TuS Hertha Hetzerath bietet neue Sportart Walking Handball an

Walking Handball : Pionierarbeit für den deutschen Handball

Seit drei Wochen wird die neue Sportart Walking Handball beim TuS Hertha Hetzerath angeboten. Ein Trainingsbesuch.

Als Norbert Rauschen den Ball zugeworfen bekommt und sich Richtung Tor orientieren will, wird er von Vera van Ool zurückgepfiffen. „Denkt dran, ihr dürft nicht springen und nicht rennen“, erklärt die Trainerin und entscheidet auf Ballbesitz für den Gegner. Während das Spiel schon wieder in die andere Richtung läuft, ärgert sich Rauschen noch ein wenig. „Am Anfang ist es schwer, sich zu disziplinieren und die Regeln zu verinnerlichen“, sagt er nach der Trainingspartie. „Man muss erst einmal ein Gefühl dafür entwickeln, dass man weder rennen noch springen darf. Es macht aber auf jeden Fall viel Spaß.“

Rauschen ist einer von aktuell neun Spielern in der Walking-Handball-Mannschaft des TuS Hertha Hetzerath. Ins Leben gerufen wurde diese Anfang Oktober von Vera van Ool. Damit nimmt Hetzerath eine Pionierstellung im deutschen Handballsport ein. Der TuS ist nämlich offiziell der erste Verein mit einer Walking-Handball-Mannschaft. „Wir haben Rücksprache mit dem Westdeutschen und dem Deutschen Handballverband gehalten – und wir sind die ersten in Deutschland, die Walking Handball anbieten“, erzählt die Trainerin stolz.

Im Prinzip unterscheidet sich die neue Sportart nicht besonders viel vom ursprünglichen Handball. Es sind lediglich einige Ergänzungen bei den Regeln gemacht worden, um die Verletzungsgefahr zu minimieren und den Sport für die Alterskasse über 55 Jahren anbieten zu können. Rennen und springen ist genauso verboten wie Körperkontakt. „Wir haben uns einige Dinge aus den Niederlanden abgucken können, dort gibt es den Sport bereits“, ergänzt Vera van Ool.

Die Trainerin ist Handballerin aus Leidenschaft und Rehasport-Trainerin von Beruf. Donnerstags leitete sie eine Alltagstrainingsgruppe. Dort kam ihr vor einiger Zeit die Idee – angelehnt an das Walking Football Angebot des DFB – Handball zu spielen, wobei alle Akteure ausschließlich gehen dürfen. „Das Problem in diesen Gruppen ist meistens, dass man kaum Männer anspricht, ihr Anteil liegt oft nur bei 20 Prozent. Aber über die Arbeit mit dem Handball kriege ich sie dazu, denn das macht ihnen Spaß“, sagt van Ool aus Erfahrung.

Die Walking-Handball-Spiele in der Rehasportgruppe kamen so gut an, dass der Verein entschied daraus eine eigene Mannschaft zu machen. Viele Männer aus der ursprünglichen Gruppe waren sofort begeistert und versammelten sich Anfang Oktober zum ersten Training. So auch der 72-jährige Helmut Jansen, der der älteste Spieler der Mannschaft ist: „Ich habe vorher nie Handball im Verein gespielt und es erst hier bei Vera gelernt. Obwohl man nicht rennt, kommt man ganz schön ins Schwitzen, das macht aber auch riesigen Spaß.“

In dem einstündigen Training kombiniert Vera van Ool Handball- und Rehaübungen „Es ist die Verbindung meiner beiden Herzen“, erklärt sie schmunzelnd. Viele Übungen sollen zunächst das Ballgefühl fördern: Dribben, Passen, Werfen – wie beim „richtigen“ Handball. Nur, dass beim TuS dabei nicht gerannt wird. Nach dem Abschlussspiel versammeln sich alle Spieler der Mannschaft nochmals im Mittelkreis und dehnen sich gemeinsam.

Ganz besonders freut sich die Trainerin Vera van Ool über die beiden weiblichen Mitstreiterinnen an diesem Tag. „Gabi ist mit 54 die jüngste Spielerin des Kaders, und mit Monika haben wir heute eine zweite Spielerin, die die Sportart mal ausprobieren möchte.“

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