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Turbine Potsdam: Jil Frehse aus Erkelenz hechtet nun in der Bundesliga​

Erkelenzerin wechselt zu Turbine Potsdam : Jil Frehse hechtet nun in der Bundesliga

Die 18-jährige Erkelenzerin hat das Abitur gerade in der Tasche, da wird sie Fußballprofi: Ab sofort gehört Jil Frehse zum Torwartteam des Bundesligisten 1. FFC Turbine Potsdam. Für ihren Heimatverein SC 09 Erkelenz kickte sie bis Sommer ebenfalls – als Feldspielerin in der A-Jugend. Am Montag ist Trainingsauftakt.

Mächtig Gelegenheit, sich auszeichnen zu können, hatte in der abgelaufenen Saison Jil Frehse. Da hütete die Erkelenzerin in ihrem ersten Seniorenjahr das Tor von Regionalligist Alemannia Aachen – nach einem Trainerwechsel war sie dort die klare Nummer eins. Die jetzt 18-Jährige überzeugte, konnte den Abstieg aber nicht verhindern. Doch während bei den drei Mitabsteigern SV Menden, SV Budberg und GSV Moers die Zahl der Gegentore am Ende im gut dreistelligen Bereich lag, kassierte die Alemannia „nur“ 79 Gegentore – eben auch ein Verdienst von Jil Frehse. „Klar war es sehr schade, dass wir abgestiegen sind. Doch weil wir zumeist unterlegen waren, habe ich ordentlich zu tun bekommen“, merkt sie zu ihrem ersten Seniorenjahr an.

 Jil Frehse im Tor von Turbine Potsdam
Jil Frehse im Tor von Turbine Potsdam Foto: SC 09/Turbine

Ihre guten Leistungen sprachen sich in der Szene herum – bis ins weit entfernte Potsdam. Genauer gesagt zum 1. FFC Turbine Potsdam, der zusammen mit dem VfL Wolfsburg, Eintracht Frankfurt und Bayern München im deutschen Frauenfußball seit Jahren den Ton angibt – und nebenbei bemerkt aus diesem Quartett der einzige Verein ist, der weiterhin nicht von einem finanzkräftigen Herren-Bundesligisten geschluckt worden ist, sondern nach wie vor ein dezidierter Frauenfußballclub ist – dafür steht ja auch die Abkürzung FFC.

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Jil Frehse schildert die Kontaktaufnahme seitens der Turbine im Frühjahr: „Ich war gerade auf der Kommunionfeier meiner Cousine, als ich einen Anruf von Potsdams Torwarttrainer bekam, ob ich nicht mal für zwei Tage zu einem Probetraining vorbeikommen wolle.“ Sie wollte. Also fuhr sie nach Potsdam und absolvierte an zwei Tagen vier Einheiten – dreimal Torwart-, einmal Athletiktraining.

Dabei hinterließ sie einen bleibenden Eindruck – und wurde gleich bis 2024 verpflichtet. Vor kurzem war sie in Potsdam, um diesen Drei-Jahres-Vertrag zu unterschreiben – ab sofort ist sie also Fußballprofi. „Jil hat uns in den Trainingseinheiten, die sie mit uns absolviert hat, beeindruckt. Sie ist eine sehr talentierte und spielintelligente junge Torhüterin mit Erfahrung in den U-Nationalmannschaften. Ich denke, sie wird mit ihrer freundlichen Art und Weise gut zu unserem Torwartteam und unserer Mannschaft passen“, erläutert Turbines Torwarttrainer Callum Dehner McLean. Dass sie nicht auf Anhieb Potsdams neue Nummer eins wird, ist Jil Frehse klar: „Die erste Torhüterin ist zehn Jahre älter als ich, hat also richtig Erfahrung. Ich werde aber immer oben mittrainieren. Da geht für mich ein Traum in Erfüllung.“ Und Spielpraxis wird sie aber mit Sicherheit in Potsdams Reserve sammeln – auf ebenfalls sehr hohem Niveau. Denn die Turbine-Zweite ist soeben in die 2. Liga aufgestiegen – einen besseren Unterbau könnte es also gar nicht geben.

Am Montag nun ist Trainingsauftakt. Untergebracht ist Jil Frehse in einer Drei-Zimmer-Wohnung, die sie sich mit einer Mitspielerin teilt. Trainiert wird auf dem Gelände des Olympiastützpunkts Potsdam. „Der ist von meiner Wohnung mit dem Rad nur fünf Minuten entfernt“, sagt Frehse. Die Bundesliga-Heimspiele trägt Turbine im Babelsberger Karl-Liebknecht-Stadion aus. In der Vorbereitung wird beim aktuellen DFB-Pokal-Finalisten (0:4 gegen Wolfsburg) zweimal täglich trainiert, während der Saison gibt es dann einen freien Tag in der Woche.

Reichtümer anhäufen wird Jil Frehse bei Turbine mit Sicherheit nicht. Immerhin bezahlt der Verein die Wohnung. „Man kann davon leben, und es winken ja auch Prämien, mit denen man das Gehalt aufbessern kann“, sagt sie vorsichtig. Turbine hat einen Jahresetat von gerade einmal rund 1,6 Millionen Euro – dafür würde sich so mancher männliche Bundesliga-Kicker vielleicht gerade mal die Schuhe schnüren. Allzu viele Zuschauer kommen auch nicht zu den Heimspielen. „Das sind etwa so 1000 bis 1500 pro Spiel“, sagt sie.

Nur auf Fußball konzentrieren wolle sie sich in Potsdam aber nicht, betont sie. „Ich habe vor, dort auch ein Lehramtsstudium für Deutsch, Sport oder Pädagogik aufzunehmen. Der Verein unterstützt das“, erläutert die frischgebackene Abiturientin des Erkelenzer Cusanus-Gymnasiums (Abiturnote 1,9).

Bislang hat ihr Vater André Frehse sie auf ihrem sportlichen Werdegang eng begleitet – das wird nun nicht mehr möglich sein. „Ich sehe das daher auch mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Schließlich hätte ich nicht gedacht, dass meine Tochter mit 18 schon zu Hause auszieht“, sagt er mit einem Lächeln. Immerhin liegen vier Bundesligaklubs im Westen: Nach Köln, Leverkusen, Duisburg und Essen ist es nicht so weit.

Ganz feste die Daumen drückt Jil Frehse aber auch ihr Heimatverein SC 09 Erkelenz. Denn dort hat sie seit der Kindheit gespielt – bis zuletzt sogar. Ausgestattet mit einem Zweitspielrecht, war ihr das bis einschließlich der B-Jugend ohnehin möglich. Da sie aber U-Nationalspielerin ist, galt das für sie auch für die A-Jugend, und so hat Jil Frehse in der abgelaufenen Saison immerhin sechs Spiele für die männliche SC 09-A-Jugend absolvieren können, die in der Kreis-Leistungsklasse spielt.

 Beim SC 09 Erkelenz wurde Jil Frehse vom Sportlichen Leiter Guido Dürbaum offiziell verabschiedet.
Beim SC 09 Erkelenz wurde Jil Frehse vom Sportlichen Leiter Guido Dürbaum offiziell verabschiedet. Foto: SC 09/Turbine

Dabei kam sie aber nicht etwa als Torhüterin zum Einsatz, sondern als Feldspielerin. Als linke Mittelfeldspielerin erzielte sie in diesen sechs Partien immerhin zwei Tore. Wie sie sich denn gegen die körperlich überlegenen Jungs durchsetzen könne? „Ich komme da zwangsläufig zwar nicht direkt an jedem vorbei, doch dafür gibt es ja den Doppelpass“, antwortet sie trocken.

SC 09-Jugendleiter Alexander Bonnes hält ebenfalls große Stücke auf Jil Frehse: „Ihr traue ich es wirklich zu, den Sprung zu schaffen. Denn sie hat neben dem Talent auch den Charakter und die Persönlichkeit dazu. Ihren weiteren Weg werde ich genau verfolgen.“

Das wird mit Sicherheit auch Oliver Keuter tun, Frehses Dauer-Jugendtrainer beim SC 09: „Die Torhüterqualitäten sind Jil einfach angeboren. Sie ist sehr reaktionsschnell, hat ein super Stellungsspiel – und ganz wichtig: Sie hat keine Angst. Wir sind Nachbarn, und als ganz klein war, habe ich mit ihr in der Garage gekickt, habe da schon an ihrer Technik gearbeitet.“ Doch nicht nur da. „Auf unserer Straße haben wir oft mit einem Softball gespielt, und da hat sich Jil auch stets auf den Asphalt hingeschmissen. Die kennt wirklich keine Angst.“