Fußball : Topspiel mit echtem Weltmeister auf der Bank

Mittelrheinliga: Beeck spielt morgen gegen Alfter - Zweiter gegen Erster. Den VfL trainiert seit Juli Jürgen Kohler, Weltmeister von 1990.

Am Mittwoch das Mittelrheinpokalmatch gegen Regionalligist Alemannia Aachen (0:3), morgen das Mittelrheinliga-Spitzenspiel Zweiter gegen Erster gegen den VfL Alfter: Binnen vier Tagen trägt der FC Wegberg-Beeck morgen im heimischen Waldstadion das zweite Topspiel aus. Anstoß ist - wie immer ab November - bereits um 14.30 Uhr.

Fünf Punkte liegen die Kleeblätter nach elf Spieltagen hinter dem noch ungeschlagenen VfL. Was bei Beecks Coach Friedel Henßen ein Déjà-vu-Erlebnis auslöst: "Exakt fünf Punkte lagen wir im Herbst 2014 auch vor dem Spitzenspiel daheim gegen den Bonner SC zurück - aufgestiegen sind am Ende aber wir." Die Partie am 16. November 2014 endete 0:0, der BSC hielt sich Beeck damit erst einmal vom Leib.

Natürlich wäre Henßen nun aber nicht vorab mit einer Wiederholung dieses Resultats zufrieden, sondern möchte Alfter die erste Niederlage beibringen und so den Abstand zum VfL auf zwei Punkte verkürzen. Vergangenen Samstag beobachtete er Alfter beim mühevollen 2:1 gegen Blau-Weiß Friesdorf. "Da hätte Friesdorf das 2:0 machen müssen. Und kurz vor Schluss beim Stand von 1:1 ließ sich Friesdorf auskontern. Das schnelle Umschaltspiel ist ohnehin eine Stärke des VfL." Was gut zu der Einschätzung von Euskirchens Coach Frank Molderings passt. Der hatte nach Beecks Spiel beim TSC am vergangenen Sonntag (1:1) diesen Vergleich gezogen: "Beeck ist das spielstärkste Team der Liga, das direkt die Initiative ergreift, während Alfter erst einmal abwartet und dann zuschlägt."

Das tut bislang besonders wirkungsvoll Bayram Ilk: Mit elf Treffern führt er die Torschützenliste der Liga an. Ebenfalls immerhin schon jeweils sechs Mal eingelocht haben seine Mitspieler Patrick Dietz und Cenk Durgun. Der Alfterer Höhenflug ist auch deswegen beachtlich, weil Mehmet Dogan, seit 2012 der Haupttorjäger des VfL, wegen eines in der Vorbereitung erlittenen Kreuzbandrisses die komplette Hinrunde ausfällt.

Doch nicht nur am Mittelrhein, sondern sogar weltweit bekannt ist der Trainer des VfL: Seit Juli hat dort Jürgen Kohler das Sagen, Weltmeister von 1990. Auch beim 1:0-Finalsieg in Rom gegen Argentinien stand der heute 51-Jährige auf dem Platz - Jürgen Kohler war Stammspieler, ist damit ein "echter" Weltmeister.

Stellt sich naturgemäß die Frage, wie Alfter an so einen Trainer gekommen ist. Darüber gab Kohler selbst als Tribünengast beim Beecker Spiel in Euskirchen gegenüber unserer Redaktion in der Halbzeitpause ebenso entspannt wie bereitwillig ausführlich Auskunft: "Ich bin einfach positiv bekloppt, mache das aus reinem Spaß, bin wirtschaftlich völlig unabhängig. Entscheidend für meine Zusage war vor allem die Nähe zu meinem Wohnort. Von dort nach Alfter sind's nur 18 Kilometer."

Was in der vergangenen Saison grundlegend anders war. Da trainierte Kohler den rheinland-pfälzischen Oberligisten SC Hauenstein - mit Erfolg. Zur Krönung führte er den SC sogar in den DFB-Pokal. Unter seinem Nachfolger gab's dort im August in der ersten Runde ein mehr als ehrenwertes 1:2 gegen Bayer Leverkusen.

Haken an der Sache dieses Trainerjobs: Nach Hauenstein waren es für Kohler geschlagene 250 Kilometer - eine einfache Fahrt. "Ich wollte für diesen Job aber nicht umziehen. Ich bin ein absoluter Familienmensch, der es sehr schätzt, mit Frau und Kindern am Tisch zu sitzen", erläutert Kohler, wie sein Co-Trainer Deniz Bakir im Besitz der Fußballlehrer-Lizenz - ein derart hochkarätig lizensiertes Trainerduo gibt's in der Mittelrheinliga kein zweites Mal.

Folglich fuhr Kohler zu jedem Training und Spiel vom Wohnort aus. "In der Vorbereitung mit fünf Einheiten in der Woche kamen da pro Woche 2500 Kilometer zusammen", rechnet Kohler vor. 500 Kilometer für ein einziges Training - das ist schon eine Hausnummer und verständlicher Weise keine Dauerlösung.

Über den aktuell immensen Erfolg mit dem VfL sei er schon ein wenig überrascht, bekennt der Weltmeister: "Der Verein hat ja nicht so die wirtschaftlichen Mittel. Von daher hatten wir als Zielsetzung einen Platz zwischen vier und acht ausgegeben, und das halte ich auch für realistisch - erst recht, weil eben Mehmet Dogan so lange ausfällt." Eine Sache habe er beim amtierenden Vizemeister aber schon mal erreicht: "47 Gegentore in der Vorsaison waren eindeutig zu viel. Nun spielen wir viel disziplinierter." Was den gelernten Abwehrmann Kohler logischer Weise besonders freut.

(emo)