Lokalsport: Störungsmelder in der Pestalozzischule

Lokalsport: Störungsmelder in der Pestalozzischule

Aktiv sein gegen Rassismus: Der Berliner Verein "Gesicht zeigen!" war mit Ringer Mirko Englich zu Gast an der Pestalozzischule. Der Olympiazweite von Peking klärte auf, was ihm Respekt und Fair Play auch im Alltag bedeuten.

Ist schwul ein Schimpfwort? Leben in Deutschland zu viele Ausländer? Und welche Vorbilder gibt es überhaupt? Ronald Huster konfrontiert die Jugendliche mit schwierigen Fragen. Fragen, auf die sie zunächst keine Antwort finden. Fragen, wo erst ein Stück weit Diskussion nötig wird, um einen Weg zu finden. Ronald Huster ist extra vom Berliner Verein "Gesicht zeigen!" nach Erkelenz gereist. Hier trifft er auf die Schüler der Pestalozzischule. An Husters Seite: Mirko Englich – der Ringer gewann bei den Olympischen Spielen in Peking 2008 die Silbermedaille. Englich ist Husters "Störungsmelder".

Gesicht zeigen und Störungsmelder – was auf den ersten Blick kompliziert klingt, hat einen logischen Hintergrund. Das vom Bundesministerium für Justiz geförderte Schulprojekt "Störungsmelder"engagiert sich mit Prominenten gegen Rechts. Die bekannten Paten sind unter anderem Fußballer Thomas Hitzlsperger, Comedian Fatih Cevikkollu, TV-Star Klaas Heufer-Umlauf, Musiker Sebastian Krumbiegel und eben Ringer Mirko Englich. Sie alle sind in Schulen unterwegs, um mit den Jugendlichen ins Gespräch zu kommen.

Dass sich Mirko Englich für dieses Projekt engagiert, ist für ihn selbstverständlich: "Ich bin Störungsmelder, weil ich möchte, dass meine Kinder in einem weltoffenen und toleranten Land aufwachsen. Für mich war es nie wichtig, ob jemand einen sogenannten Migrationshintergrund hat. Entscheidend ist doch vielmehr, was auf der Ringermatte passiert und wie zusammen trainiert wird. Respekt und Fair Play sind für mich die Werte, die auch über den Sport hinaus Bestand haben sollten. Als sportliches Vorbild zu handeln und mit Kindern und Jugendlichen auch darüber zu reden, finde ich deswegen ganz wichtig."

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Der Silbermedaillengewinner im Ringen von Peking kommt schnell mit den Schülern der Pestalozzischule ins Gespräch. Sie finden es klasse, dass der Athlet zu ihnen gekommen ist. "Viele unserer Schüler haben zu Hause keine Vorbilder. Dafür aber orientieren sie sich meist an bekannten Sportlern", sagt am Rand Schulleiterin Marianne Schardt. Die Diskussion, so erklärt sie, sei eingebunden ins Projekt "Auf den Spuren der Vergangenheit", vor allem mit der jüdischen Geschichte beschäftigen sich die Schüler seit langer Zeit intensiv, haben beispielsweise am Stolpersteinprojekt mitgearbeitet.

Ronald Huster rückt derweil die Frage nach den Vorbildern in den Mittelpunkt. Nur wenige Schüler zeigen auf, meist sind es dann die Väter, an denen sich die Jugendlichen orientieren. "Er hat viel geschafft, darum will ich so werden wie er", lauten die Antworten. Etwa ein Drittel der Schülergruppe findet, dass in Deutschland zu viele Ausländer leben. Ein Schüler schätzt den Anteil ausländischer Bürger auf 50 Prozent. "Tatsächlich sind es zwölf Prozent", klärt Huster, dessen Mutter Ungarin ist, auf. Auch Englich hat Wurzeln, die aus dem Ausland stammen – seine Mutter ist Kroatin. Die Wurzeln einiger Schüler liegen in Kasachstan, in Polen oder auch auf den Philippinen. Was folgt, sind einige Statements (wie etwa, ob Weiße rappen können), die die Schüler bewerten sollen. Fakt ist, dass die jungen Leute nachdenklich geworden sind. Und damit haben Ronald Huster und Mirko Englich ihr Ziel schließlich erreicht.

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