SSV Viktoria Katzem feiert Jubiläum und wird 100 Jahre alt

Fußball : Ein Jahrhundert – und doch ein mutiger Neustart

Auch beim SSV Viktoria Katzem steht die große Feier zum 100-jährigen Bestehen auf dem Plan. Die Geschichte des Vereins ist wechselvoll.

Das Nysterbachstadion gehört zweifellos zu den kleinen, versteckten Perlen im Erkelenzer Land. Mitten im 1100-Seelen-Ort Katzem liegt die kleine Anlage des SSV Viktoria. Der Rasenplatz duftet nach Sommer, keine fünf Meter hinter dem Tor grasen Ziegen. Auf Höhe der Mittellinie haben sie einst eine kleine überdachte Tribüne gebaut, daneben steht ein Türmchen für den Stadionsprecher, das ob seiner Größe für einen solchen Sportplatz fast deplatziert wirkt. „Früher, als wir Bezirksliga gespielt haben, saß ich selber oft da oben und habe die Torschützen angesagt“, erinnert sich Bert Lindenlauf, Ehrenvorsitzender des SSV Viktoria. In der kommenden Saison wird sein Verein in der Kreisliga B einen Neustart wagen. Am Wochenende feiert die Viktoria aber erst einmal ihren 100. Geburtstag, den sie mit der Ausrichtung der Katzemer Kirmes verbindet.

Seit ihn vor 100 Jahren eine Gruppe junger Männer um Pfarrer Spülbeck gegründet haben, ist eine Menge im und um den Dorfverein passiert. Vor und nach dem Krieg fristete die Viktoria ihr Dasein in Kreis- und Bezirksklassen. 1984 folgte der vielleicht wichtigste Schritt in der Vereinsgeschichte: Der SSV bekam nach langem Hin und Her endlich „sein“ Nysterbachstadion. „Wir mussten uns lange wehren, bis es soweit war“, sagt Lindenlauf. „Früher gab es ja nur die Asche. Es war wichtig, dass wir einen Rasen bekommen und ein paar Sitzplätze, damit die Älteren sich beim Spiel hinsetzen können.“ 1985 wurde das Stadion in Betrieb genommen, kurz darauf gewann der Klub den Raiffeisenpokal. „Das war die erfolgreichste Zeit“, findet Lindenlauf und schwelgt in Erinnerungen: „14 Jahre am Stück Bezirksliga, über 100 Zuschauer. Das waren Zeiten.“

Auch wenn zwischen 2007 und 2009 noch einmal zwei Saisons in der siebthöchsten Spielklasse dazukamen, hat der SSV mit 280 Mitgliedern die gleichen Probleme, die viele Vereine dieser Größenordnung haben. Der Nachwuchs fehlt, ein Team, geschweige denn zwei Teams mit Spielern nur aus dem direkten Umkreis bekommt man kaum zusammen. Kurzzeitig dachte die Politik sogar laut über eine mögliche Schließung des Nysterbachstadions nach, der Spielbetrieb wäre dann nach Lövenich verlegt worden. Der SSV reagierte allergisch und empört – die Idee wurde schnell wieder verworfen. 2016 ging der SSV eine Spielgemeinschaft mit dem STV Lövenich ein. Dem Nachbardorf, mit dem die Katzemer seit jeher eine gesunde Rivalität verbindet. „Das war schon ganz früher bei den Bauern so. Um unsere Beziehung zu den Lövenichern gibt es viele alte Legenden“, sagt Lindenlauf, will aber festgehalten wissen: „Wir hatten, auch sportlich, immer ein gutes Verhältnis zueinander.“ Langfristig hätte man sich eine Fusion vorstellen können. Deswegen überraschte es alle im Verein, als der STV vor wenigen Monaten und nur ein Jahr nach dem Aufstieg in die Kreisliga A die Spielgemeinschaft Katzem/Lövenich wieder auflöste. Lövenich muss damit runter in die Kreisliga C, Katzem in die Kreisliga B. Ob es eine Katzemer Reservemannschaft geben wird, ist unklar – ein schwerer Schlag für den Verein.

„Wir wollen schnell wieder hoch“, sagt Geschäftsführer Klaus Schreiber. Die Mannschaft bleibe größtenteils zusammen. „Damit zählen wir zwangsläufig zu den Favoriten in der Kreisliga B.“ Bald sollen neue Umkleidekabinen gebaut werden. Die jetzigen riechen und sehen so aus, als seien sie irgendwann zwischen Kriegsende und Wirtschaftswunder gebaut worden. „Wir kämpfen weiter“, sagt Bert Lindenlauf, „etwas anderes bleibt uns ja nicht übrig.“

Die Feierlichkeiten beim SSV Viktoria Freitag, 5. Juli, 19 Uhr, Festabend mit Ehrungen, Bürgersaal; Samstag, 6. Juli, 20 Uhr, Open Air mit der Partyband Roland Brüggen vor dem Bürgersaal (Abendkasse: 8 Euro); Sonntag, 7. Juli, 9.45 Uhr, Ökumenischer Gottesdienst, Gefallenenehrung, im Anschluss Frühschoppen, 14 Uhr, Abholen der Vereine und des Ehrenkomitees im Viktoria-Treff, Festzug, danach Musik und Tanz im Bürgersaal; Montag, 8. Juli, 6 Uhr, Wecken, danach gemeinsames Frühstück im Viktoria-Treff.

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