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So ist die Lage bei den Standesämtern im Erkelenzer Land

Hochzeitsmonat Mai : Heiraten im Standesamt nur ohne Gäste

Selbstverständlich sind auch die Heiratswilligen nicht von den Auswirkungen der Corona-Krise verschont geblieben. Auch wenn die Standesämter im Erkelenzer Land keine Trauungen abgesagt haben.

Idealerweise soll es einer der schönsten Tage im Leben werden. Doch die Corona-Krise durchkreuzte auch die Pläne vieler Paare, die in den vergangenen Wochen heiraten wollten oder das noch vorhaben. Gerade der Monat Mai ist nach den grauen Wintermonaten beliebt für Eheschließungen, doch die Standesämter im Norden des Kreises Heinsberg können aufgrund der strengen Kontaktbeschränkungen in Nordrhein-Westfalen nicht den gewohnten Rahmen einer Trauung bieten. Es gibt zwar noch Paare, die sich davon nicht abschrecken lassen und ihre schon länger vereinbarten Termine wahrgenommen haben, doch wer nicht auf Familie und Freunde verzichten will, dem bleibt nichts anderes als eine Absage übrig. Denn egal, ob in Erkelenz, Hückelhoven, Wassenberg oder Wegberg – in allen Standesämtern gibt es Einschränkungen, was die Zahl an Gästen in den Trauzimmern betrifft.

Immerhin, von den Standesämtern selbst kamen keine Absagen. Auch nicht, als die Landesregierung ab dem 23. März vor dem Hintergrund der sich ausweitenden Corona-Pandemie eine Kontaktsperre erließ. Allerdings wurde die Zahl der zulässigen Gäste noch mal reduziert. In Wassenberg durften zum Beispiel nur noch Braut und Bräutigam vor den Standesbeamten treten, in Wegberg sind immerhin zusätzlich noch zwei Trauzeugen gestattet. „Eine Eheschließung nur mit dem Paar ist für mich als Standesbeamtin gar nicht so ungewöhnlich, das gab es auch vor Corona häufiger. Aber für andere Paare ist das dennoch schade, weil sie gerne mit ihren Lieben gemeinsam feiern würden. Aber das geht eben aktuell nicht“, erklärt Iris Sulke aus dem Standesamt Wassenberg. Dort ließen sich im Jahr 2019 106 Paare trauen, 21 sind es bisher 2020. Normalerweise herrscht im Mai Hochbetrieb, doch bislang liegen für den Wonnemonat nur fünf Anmeldungen vor. „Das ist sehr ungewöhnlich“, bestätigt Sulke. Sie geht davon aus, dass viele darauf warten, wie es weitergeht. „Denn wer im Mai feiert, will das in der Regel auch groß tun“, weiß Sulke. Sie vergibt Termine aktuell nur unter dem Vorbehalt, dass sich neben ihr lediglich das Brautpaar im Trauzimmer aufhalten darf.

In Hückelhoven und Wegberg werden derzeit überhaupt keine Termine vergeben. In Wegberg kann Standesbeamtin Kirsten Bischofs Heiratswilligen aber insofern Hoffnung machen, als nach dem 4. Mai kurzfristig auch noch Anfragen für den Mai angenommen werden, falls es weitere Lockerungen geben sollte. Termine gebe es noch genug. Sie geht davon aus, dass am Ende des Jahres nicht die 180 Trauungen aus 2019 zu Buche stehen werden. „Es sei denn, es gibt nach dem Sommer einen Ansturm, der das bisherige Minus ausgleichen kann“, sagt Bischofs. Auch in Hückelhoven wird damit gerechnet, dass es weniger als die 180 standesamtlichen Hochzeiten aus dem Vorjahr werden. Immerhin, für den Mai haben noch keine Paare abgesagt.

„Die Brautleute haben viel Verständnis gezeigt“, sagt der Hückelhovener Standesbeamte Karl-Heinz Tauch mit Blick auf die zwangsläufigen Einschränkungen bei der Gästezahl. Beim Ablauf der Trauung hat sich dagegen wenig geändert. „Ich verzichte nur auf den Handschlag bei der Gratulation“, sagt Tauch. In Erkelenz, wo es im Vorjahr 300 standesamtliche Trauungen gab, sind es auch nur Kleinigkeiten, die wegen Corona anders sind. So wird im Trauzimmer Desinfektionsmittel zur Verfügung gestellt, und das Brautpaar bekommt einen eigenen Kugelschreiber für die zu leistenden Unterschriften. „Den Abstand von anderthalb Metern halten wir durch unseren Schreibtisch locker ein“, sagt Standesbeamtin Daniela Koep. Sie glaubt nicht, dass die Hochzeit unter den erschwerten Bedingungen weniger emotional ist. „Im Gegenteil, die Trauung zu zweit ist intensiver, es geht nur noch um das Brautpaar“, erklärt Koep.

Kollegin Kirsten Bischofs aus Wegberg hat bei ihren Trauungen auch festgestellt, dass die aktuelle Situation den Glücksgefühlen nicht im Wege steht. „Die Paare haben sich bewusst dafür entschieden und nehmen es sportlich. Sie meinen, dass sie die große Feier ja noch nachholen können“, erzählt sie. Und dann gibt es da auch noch die aktuellen technischen Möglichkeiten. Manch ein Trauzeuge zückt in Wegberg sein Handy und filmt die Trauung, damit Familie und Freunde wenigstens im Nachhinein am Bildschirm an einem der schönsten Tage im Leben des Brautpaars teilhaben können. Und wo aktuell die Trauzeugen draußen bleiben müssen, da greifen auch die Standesbeamten gerne zum Mobiltelefon – wenn es dann auch nur ein Foto werden kann.