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Rettungssport: Nina Holt ist die schnellste Rettungsschwimmerin der Welt​

Weltrekodhalterin aus Erkelenz : Nina Holt – die schnellste Rettungsschwimmerin der Welt

Im März hat Rettungssportlerin Nina Holt bei den Deutschen Meisterschaften einen Weltrekord aufgestellt und ihn noch im selben Wettkampf erneut unterboten. Die 19-jährige Erkelenzerin, die auch für die SG Mönchengladbach ins Wasser geht, reist daher durchaus als Favoritin zu den World Games ins amerikanische Birmingham.

Dass sie schnell ist, wusste Nina Holt schon vor den Deutschen Einzelstrecken-Meisterschaften der DLRG (Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft). Dass sie den Weltrekord in der Disziplin „100 Meter kombinierte Rettungsübung“ aber bereits im März, und dann auch noch im Vorlauf, brechen würde, damit habe die 19-jährige Erkelenzerin nicht gerechnet. „Ich war gut drauf und wusste, irgendwann werde ich in der Lage sein, die Weltrekordzeit zu schwimmen. Ich hätte aber nicht gedacht, dass es schon im März der Fall sein wird“, sagt Nina Holt.

Die kombinierte Rettungsübung ist eine der vielseitigen Disziplinen im Rettungssport – also dem Rettungsschwimmen auf Wettkampfbasis. Dabei schwimmen die Athleten 50 Meter Freistil, tauchen nach dem Wenden insgesamt 17,5 Meter und müssen dann eine auf dem Beckenboden platzierte Hartplastikpuppe aufnehmen. Die Puppe ist etwa einen Meter groß, 50 Kilogramm schwer und soll einen sich in Not befindenden Menschen simulieren. Mit der geretteten Puppe im Schlepptau geht es für die Athleten die restlichen 32,5 Meter zurück zum Ziel. Schon im Juniorenbereich war Nina Holt Weltrekordhalterin dieser Disziplin.

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Vor den Meisterschaften in Warendorf lag die weltweite Bestmarke im Frauenbereich bei 1:08,60 Minuten – aufgestellt von der Italienerin Francesca Cristetti. Bis die Erkelenzerin Nina Holt im März zu eben jenem Vorlauf antrat, über dessen Zeit sogar sie selbst überrascht war. Nach 1:08,54 Minute schlug die Erkelenzerin mit der geretteten Puppe am Beckenrand an, unterbot damit den Weltrekord ganz knapp um sechs Hundertstel.

„Bei solch einem Wettkampf gibt es ja zwei Taktiken: entweder man schwimmt im Vorlauf schon schnell oder spart sich das fürs Finale auf. Da der Endlauf dieser Disziplin aber die letzte Strecke bei den Einzelmeisterschaften war, habe ich sofort alles gegeben“, erzählt die Weltrekordhalterin, die dann im Finale das Kunststück vollbrachte, sogar noch etwas schneller zu sein, und damit ihren eigenen und kurz zuvor erst aufgestellten Weltrekord brechen konnte. Mit 1:08,06 Minuten absolvierte Nina Holt die kombinierte Rettungsübung über 100 Meter sogar fast eine halbe Sekunde schneller als im Vorlauf.

 Im März holte Nina Holt unter anderem auch die Goldmedaille über 200 Meter Hindernisschwimmen.
Im März holte Nina Holt unter anderem auch die Goldmedaille über 200 Meter Hindernisschwimmen. Foto: DLRG/Steph Dittschar

Darüber hinaus sicherte sich das Ausnahmetalent auch in den Disziplinen „200 Meter Hindernisschwimmen“ und „50 Meter Retten einer Puppe“ die Goldmedaillen bei den Deutschen Einzelstrecken-Meisterschaften. Mit 2:08,29 Minuten (über 200 Meter) und 33,28 Sekunden (50 Meter) stellte Nina Holt in diesen beiden Disziplinen neue deutsche Rekorde auf, die – wen würde es noch wundern – sie selber im Vorfeld gehalten hatte. „Es ist ein unbeschreibliches Gefühl und ich bin wahnsinnig glücklich, dass ich meine Topleistung abrufen konnte“, sagt die 19-Jährige.

Nina Holt hat bei der DLRG Erkelenz mit dem Rettungssport angefangen, schwimmt zudem noch die Olympischen Schwimmdisziplinen bei der SG Mönchengladbach. Mittlerweile hat Holt, die im vergangenen Jahr ihr Abitur bestanden hat, ihren Fokus eindeutig auf den Rettungssport gelegt. Sie ist dafür zur DLRG Harsewinkel gewechselt, weil sie momentan beim Rettungsschwimmer-Stützpunkt der Bundeswehr in Warendorf trainiert. „Im November habe ich meine Grundausbildung gemacht und bin seit Dezember nun hier, um Vollzeit zu trainieren. Dabei mache ich 80 bis 90 Prozent der Zeit normales Schwimmtraining, wenn man das so bezeichnen möchte – der Rest sind dann für den Rettungssport spezifische Übungen“, sagt Holt. 

Ausgelegt ist ihr Training momentan auf die World Games, die vom 7. bis 17. Juli im amerikanischen Birmingham ausgetragen werden. Bei den World Games kommen die besten Sportler der nicht-olympischen Sportarten zusammen. Im Rettungssport haben sich jeweils die schnellsten acht Athleten bei den Frauen und Männern für die World Games qualifiziert – Nina Holt geht bei vier Entscheidungen an den Start: drei Einzel- und eine Staffeldisziplin. Kurios: Ihre Paradestrecke und Weltrekorddisziplin gehört nicht zu den Wettkämpfen bei den World Games. „Vermutlich, weil es ähnlich zu den 50 Meter Retten ist“, so Holt, die sich daher in diesem Bereich die größten Chancen ausrechnet. Aber auch mit der Staffel hat die 19-Jährige einiges vor. „Bei der EM sind wir knapp am Weltrekord vorbeigeschrammt und wollen nun einen raushauen.“