Fußball: Realistische Option auf eine echte Sensation

Fußball: Realistische Option auf eine echte Sensation

Nach der gut zweimonatigen Winterpause steht der FC Wegberg-Beeck in den Startlöchern für die zweite Saisonhälfte. Wenn alles passt, könnte es für die Kleeblätter zum Klassenerhalt reichen. Fakten und Einschätzungen vor dem Auftakt.

WEGBERG Friedel Henßen hatte sich mit Blick auf die kommenden Aufgaben so sehr gewünscht, dass sein Team mit dem Nachholspiel beim KFC Uerdingen aus der Winterpause starten würde, doch dieser Wunsch des Teamchefs des Regionalligisten FC Wegberg-Beeck ging nicht in Erfüllung: Gestern Mittag um kurz nach 12 Uhr erhielt Thomas Klingen, Geschäftsführer des FC, die Absage.

Foto: Laaser Jürgen

Kommen und Gehen Die Fluktuation hielt sich im Winter in engen Grenzen: Für den mit einem erneuten Meniskusriss bis zum Saisonende ausfallenden Innenverteidiger Lorenz Klee verpflichteten die Kleeblätter Niklas Hunold (23), der zuletzt für den Nord-Regionalligisten Lüneburger SK spielte. Dazu wurde der zweite Keeper getauscht: Stefan Nöhles ging zu Bezirksligist SG Würm/Lindern, neu ist dafür Tobias Kraus (20), der nach seiner ersten Seniorenspielzeit bei der TuS Koblenz (ohne Ligaeinsatz) zuletzt ein halbes Jahr pausiert hatte.

Rekonvaleszenten "Halbe" Zugänge sind zudem die langzeitverletzten Armand Drevina und Nils Kochan, die im ersten Saisonteil gar nicht zur Verfügung standen. Drevina, in der Vorsaison einer der Topspieler und danach mit einem Sehnenriss außer Gefecht, kämpft sich gerade zurück. Testspiele und Training zeigten aber, dass er noch Zeit braucht, bis er das alte Niveau erreicht hat. Noch diesen Monat wird wohl auch Kochan wieder voll einsteigen - sein Kreuzbandriss ist vollständig auskuriert. Absehbar ist zudem die Rückkehr von Marius Müller nach seinem Muskelbündelriss.

Testspiele/Vorbereitung Nicht nur von den Ergebnissen hinterließen die fünf Vorbereitungsspiele sehr unterschiedliche Eindrücke: Dem fulminanten 8:2 bei Landesligist 1. FC Mönchengladbach folgte eine ebenfalls gute Vorstellung bei Ligakollege Fortuna Düsseldorf II (1:1). Die Delle kam nach der passablen ersten Halbzeit gegen den Niederrhein-Oberligisten SV Straelen. Trotz schwacher zweiter Hälfte siegte Beeck aber noch 2:1. Bei Landesligist Hertha Walheim (1:2) hinterließen die Kleeblätter einen schlappen Eindruck, ehe sie im Abschlusstest gegen das Mittelrheinliga-Spitzenteam TV Herkenrath zumindest in der ersten Hälfte wieder die Kurve kriegten - Endstand 3:1. Grundsätzlich absolvierte Beeck anders als im Sommer, als die Zeit fehlte, nun eine vernünftige Vorbereitung. Der FC ist gewappnet.

Spielsystem Weil der Angriff grundsätzlich sehr dünn besetzt ist und zudem Stürmer Sahin Dagistan berufsbedingt im zweiten Saisonteil häufiger nicht zur Verfügung stehen dürfte (vor allem im Training, vielleicht aber auch in Spielen), übte der FC in den Tests ein neues System ein. Statt im 4-4-2 dürfte Beeck nun bevorzugt im 4-1-4-1 auflaufen - mit Sebastian Wilms als Sechser und Shpend Hasani als Angreifer.

Stärken und Schwächen Der erste Saisonteil war weit erfolgreicher als allgemein gedacht. Speziell von Ende August bis Mitte Oktober, in der die Schwarz-Roten 16 ihrer bislang 17 Punkte einheimsten, lief es hervorragend, auch wenn selbst in dieser Phase noch einige Punkte leichtfertig liegengelassen wurden. Generell zeigte sich, dass diejenigen Akteure, die schon bei der ersten Regionalligasaison vor zwei Jahren dabei waren, daraus eine Menge gelernt haben - gerade auch, was Handlungsschnelligkeit angeht.

Dazu erwiesen sich vier der fünf Zugänge als Volltreffer oder zumindest wesentliche Verstärkungen - eine außergewöhnlich hohe Quote. Allen voran gilt das für Shpend Hasani (Vertrag bis 2019), der schon neun Tore erzielt hat und damit so etwas wie Beecks Lebensversicherung ist. Speziell ihm darf nun nichts, aber wirklich rein gar nichts passieren - wenn es möglich wäre, sollte man ihn am besten fein säuberlich in Watte packen.

Ähnlich wichtig ist Joshua Holtby. Aber auch auf ihn trifft das zu, was für viele gilt: Mehr Torgefahr, mehr Kälte beim Abschluss ist zwingend erforderlich, soll das Wunder Klassenerhalt wirklich gelingen. Die schlechte Chancenverwertung war im alten Jahr eines der größten Probleme, hat etliche weitere Punkte gekostet. Bezeichnend, dass Holtby, Beecks Herr der Standards, trotz schon sechs Torvorlagen noch keinen einzigen eigenen Treffer auf dem Konto hat.

Trainer/Umfeld Friedel Henßen und Dirk Ruhrig bilden nun schon seit fünfeinhalb Jahren ein klasse Trainerteam, ergänzen sich perfekt. Das sieht auch Beecks Boss Günter Stroinski vorbehaltlos so, der mit beiden äußerst zufrieden ist. Seinen Ausdruck fand das im Sommer: Da verlängerte er mit dem Duo vorzeitig bis 2019 - auch Stroinski konnte da beim besten Willen noch nicht ahnen, dass der FC zur Winterpause gar eine realistische Chance auf den Klassenerhalt hat. Alle wissen aber, dass dieser dennoch eine Sensation wäre. Dafür werden alle Kräfte gebündelt, Henßen und Ruhrig können in aller Ruhe arbeiten.

Finanzen Wirtschaftlich war der FC noch nie so breit aufgestellt wie aktuell. Was konkret heißt, dass Günter Stroinski zwar immer noch in erster Linie, aber nicht mehr alleine den Großteil der Finanzlast tragen muss. Denn mit dem Unternehmer Werner Tellers aus Waldfeucht-Haaren sitzt seit dieser Saison ein zweiter Großsponsor mit im Boot -und hat auch bereits erklärt, unabhängig von der Liga in der neuen Saison damit weiterzumachen.

Dazu kommen stark gestiegene Marketing-Einnahmen - dank Klaus Müller. Der ist beim FC schon seit einiger Zeit fürs Marketing zuständig - mit Erfolg: Müller hat die Bandenwerbung und Vermarktung der Stadionzeitung Kleeblatt mächtig angekurbelt. Etliche kleinere Sponsoren sind so neu dazugekommen.

Sportliche Ausgangslage Beeck steht zurzeit auf Rang 15, der im besten Fall zum Ligaverbleib reicht (siehe Info), punktgleich hinter dem Bonner SC. Diese beiden Klubs sowie die dahinter liegenden 1. FC Köln U 21, TuS Erndtebrück und Westfalia Rhynern werden die Absteiger wohl unter sich ausmachen.

Prognose Da die für morgen angesetzte Partie bei einem der beiden Topteams ausfällt, stehen für den FC Wegberg-Beeck nun direkt zum Auftakt aus der Winterpause zwei Fundamentalspiele an, die ganz entscheidend den weiteren Saisonverlauf prägen werden. Denn da bekommen es die Kleeblätter hintereinander mit den direkten Konkurrenten Köln (daheim, Sa. 17.2.) und Bonn (auswärts, Fr. 23.2.) zu tun.

(emo)