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Niedrigere Tore im Fußballverband Mittelrhein für die Jahrgänge F-Jugend und jünger

Jugendfußball : Bessere Fußballer durch niedrigere Tore?

Aus dem Fußballverband Mittelrhein kommt die Idee, die Tore für die Jahrgänge F-Jugend und jünger durch ein eingehängtes Netz zu verkleinern. Die Resonanz ist sehr positiv, auch am Niederrhein wurde erfolgreich getestet.

Anstoß, Schuss, Tor! Was im ersten Moment unrealistisch klingt, ist in den Altersklassen der F-Jugend und jünger fast Alltag. Es ist statistisch nachgewiesen, das dort in der Regel die Mannschaft mit den besseren Distanzschützen gewinnt. Die meisten Torhüter sind einfach zu klein für die regulären Nachwuchstore. Deswegen stellen die Sieger am Ende des Spiels nicht unbedingt die bessere Mannschaft. Eine Problematik, die den Verantwortlichen des Fußballverbandes Mittelrhein (FVM) nicht entgangen ist. Sie entwickelten eine leicht umsetzbare Möglichkeit, um die Tore zu verkleinern.

Die Idee, das Tor durch ein eingehängtes Netz an die Größe der jungen Jahrgänge anzupassen und die der FVM zunächst im Kreis Berg zunächst als Pilotprojekt testete, kam ursprünglich aus dem Handball. Dort übten die Jugendspieler im frühen Alter nicht platziert und hart zu werfen, sondern in einer Art Bogenlampe über den Torhüter. Um das zu verhindern wurde die Höhe eines Handballtors verändert. Das Pojekt im Fußball wurde damit begonnen, dass der FVM zusammen mit dem 1. FC Köln versuchte, die passende Torhöhe für die F-Jugendlichen zu berechnen. Dabei wurden die durchschnittlichen Größen der Torhüter der Topligen im Profifußball (1,90 Meter) ins Verhältnis zur Torhöhe (2,44 Meter) gesetzt. Daraus ergab sich eine Idealwert von 1,65 Metern für die Höhe eine eines F-Jugend-Tors und es entstand die Idee, die herkömmlichen Tore durch das Einhängen eines Netzes unter die Latte um 35 Zentimeter zu verkleinern.

Nach einer Probezeit im Kreis Berg gab es erstaunliche Ergebnisse. „Es wurden nicht, wie jeder vermutet hätte, weniger, sondern mehr Tore erzielt“, berichtet Oliver Zeppenfeld, Jugendbildungsreferent des Fußballverbands Mittelrhein. Studien haben gezeigt, dass die Mannschaften sich näher an die Tore heran kombinieren oder dribbeln. Außerdem sind die Schüsse deutlich platzierter. Ein weiterer positiver Aspekt für die fußballerische Entwicklung der Kinder: Es wird nicht immer einfach der größte Spieler ins Tor gestellt. So haben auch kleinere Spieler, die vielleicht später noch wachsen, Chancen auf die Torwartposition. Dadurch können junge Spieler noch variabler eingesetzt werden und jede Position testen.

Inzwischen kommt das Netz auch im kompletten Fußballkreis Heinsberg zum Einsatz. Aber auch in anderen Landesverbänden gewinnt die Torverkleinerung für die jungen Jahrgänge an Zuspruch. Entsprechende Tests gab es etwa in Schleswig-Holstein. „Wir haben viele positive Rückmeldungen von den Mannschaften vor Ort bekommen“, sagt Zeppenfeld, „mehr als die Hälfte von ihnen hat sich fest vorgenommen, sich in naher Zukunft eigene Netze anzuschaffen, um sie auch im Trainings- und Ligaalltag zu nutzen.“ Aber auch im Fußballverband Niederrhein (FVN) bewegt sich etwas. Der SV Glehn aus Korschenbroich lieh sich zum Beispiel für sein Pfingstturnier im vorigen Jahr auf eigene Initiative die Netze aus. „Die Resonanz ar durchweg sehr positiv“, berichtet Norbert Jurczyk, ehemaliger Jugendwart und aktuell Vorsitzender der Glehner. „Wir würden gerne auch im Spielbetrieb die Netze nutzen. Allerdings hat sich der FVN noch nicht für die Einführung entschieden“, erklärt Jurczyk.

Doch mit den eingehängten Netzen alleine ist es nicht getan, der Deutsche Fußball-Bund (DFB) sucht nach weiteren Ideen, um den jüngeren Jahrgänge optimale Voraussetzungen für ihre fußballerische Entwicklung zu verschaffen. Weitere Konzepte werden in verschiedenen Verbänden getestet. So wird in einigen Ligen zum Beispiel nur fünf gegen fünf gespielt anstatt sieben gegen sieben. Davon erhoffen sich die Verantwortlichen, dass mehr Tore fallen und die Spieler mehr Ballkontakte haben. Eine weitere Idee ist, bei den Bambini (jünger als sieben Jahre) nur noch zwei gegen zwei oder drei gegen drei spielen zu lassen und auf Torhüter zu verzichten. Dann soll nur noch auf vier Minitore gespielt werden. „Der Kinderfußball ist gerade im Umbruch, und wir sind gespannt, wo die Reise hingeht“, sagt Norbert Jurczyk vom SV Glehn.