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Motorsport: Tim Heinemann über seinen Sieg bei der DTM-Trophy 2020

Motorsportler aus Wegberg : „Ich wusste, dass ich diese Chance nutzen muss“

Der Wegberger Motorsportler Tim Heinemann spricht im Interview über seinen Erfolg in der DTM-Trophy und die Herausforderungen im Corona-Jahr.

Obwohl er vor seiner Debütsaison in der DTM-Trophy stand, formulierte Tim Heinemann im vergangenen Sommer ein ambitioniertes Ziel. Der 23-Jährige, der in Wegberg aufgewachsen ist, wollte es mit seinem Team HP Racing International in der Rennserie, die eine Art Unterbau der bekannten Deutschen Tourenwagen Meisterschaft ist, unter die besten Drei schaffen. Ein Ziel, das er eindrucksvoll übertraf, indem er die Gesamtwertung sogar gewann. Im Interview spricht er über seine Saison, die auch für ihn trotz des großen Erfolges vor allem durch Corona geprägt war.

Herr Heinemann, wie würden Sie das Jahr 2020 aus sportlicher Sicht für Sie beschreiben?

Heinemann Dieses Jahr war für mich ein Riesenerfolg, der mich und mein Team schon ein bisschen überrascht hat. Es war meine erste komplette Saison nach meinem Wechsel von der virtuellen Rennserie in ein echtes Auto – und dann gleich ein solcher Titelgewinn. An dieses Jahr werden wir sicher alle noch lange zurückdenken.

Allerdings hatten Sie sich mit Ihrer Zielvorgabe auch selbst unter Druck gesetzt.

Heinemann Ja, aber ich mache mir auch gerne Druck, so etwas treibt mich an, damit kann ich auch gut umgehen. Zudem war klar, dass ich nicht die Zeit habe, endlos ohne gute Ergebnisse in der DTM-Trophy mitzufahren. Und insgeheim haben das Team und ich sogar direkt mit dem Titel geliebäugelt. Letztlich fährt man ja Rennen, um Erster zu werden.

Wie sehr hat Sie dann der erste Lockdown im Frühjahr ausgebremst?

Heinemann Ich weiß noch, wie ich im Familienurlaub die ersten Nachrichten über das Coronavirus verfolgt habe. Da schien das alles weit weg zu sein. Doch das hat sich schnell geändert und natürlich auch direkt Einfluss auf die Planungen des Teams genommen. Zwischenzeitlich habe ich mir schon Sorgen gemacht, ob ich 2020 überhaupt ein Rennen fahren kann. Zum Glück haben unsere Partner und Sponsoren aber frühzeitig positive Signale gesendet, dass sie zu uns stehen.

Wie stark waren Sie in Ihrer sportlichen Vorbereitung letztlich eingeschränkt?

Heinemann Die Abstriche, die ich machen musste, bezogen sich eher auf zeitliche Faktoren. Mein Training läuft dagegen generell überwiegend individuell ab. Da konnte ich mein Programm schon durchziehen.

War da entsprechend viel Selbstdisziplin gefordert?

Heinemann Auf jeden Fall, da ich auch keinen Personal Trainer habe. Natürlich war es anfangs schwierig, mental nicht in ein Tief zu rutschen. Doch ich finde, dass genau das den Sport ausmacht: sich auch in schwierigen Phasen zu motivieren, das Beste aus der Situation zu machen und es allen zu beweisen. Zudem hat mir natürlich das Team geholfen und mir den Rücken freigehalten, wo es möglich war.

In Ihrem Bekannten- und Freundeskreis wird es sicher auch Sportler gegeben haben, die ihre Sportart während des Lockdowns nicht ausüben konnten. Wie sind Sie damit umgegangen?

Heinemann Ich war mir schon des Privilegs bewusst, weiter das machen zu können, was mir so viel Spaß macht. Da war ich in einer sehr guten und glücklichen Position. Einer meiner Freunde ist auch im Motorsport aktiv, allerdings auf niedrigerem Niveau. Da konnte dieses Jahr gar nichts stattfinden. Natürlich konzentriert man sich auf sich selbst und auf seine Aufgabe, doch ich habe diese Sorgen und Probleme schon wahrgenommen.

Die Saison begann dann erst im August und endete Anfang November.

Heinemann Ja, das war eine intensive und kurzweilige Zeit, da wir mitunter auch Rennen an aufeinanderfolgenden Wochenenden hatten. Das war nicht immer einfach, zumal ich ja auch in Vollzeit noch arbeite. Da habe ich zeitweise über die Arbeit und den Motorsport hinaus nicht mehr viel anderes mitbekommen.

Hatten Sie das Gefühl, dass die Corona-Situation für zusätzlichen Druck sorgt und Sie vielleicht nur diese eine Chance haben?

Heinemann Nicht direkt. Doch dass ich nicht endlos Zeit und finanzielle Mittel habe, um mich im professionellen Motorsport durchzusetzen, war sowieso klar. Deswegen wusste ich, dass ich diese Chance direkt nutzen muss.

Sie haben die neu gegründete Rennserie als Sprungbrett für die DTM bezeichnet. Hat sich durch Ihren Erfolg nun bereits ein Engagement ergeben?

Heinemann Noch gibt es nichts zu verkünden. Es wird viel geredet und geplant. Doch die letzte Saison ist noch gar nicht so lange beendet. Und noch gibt es viele Unwägbarkeiten, was die Saison 2021 angeht.

Eine Folge der Pandemie?

Heinemann Ja, das nimmt natürlich Einfluss, da bleiben wir im Motorsport nicht von verschont. Doch ich versuche mich davon nicht aus der Ruhe bringen zu lassen. Ich kann nichts anderes machen, als körperlich und mental topfit zu bleiben.

Was wünschen Sie sich für 2021?

Heinemann Es gibt viele Dinge im alltäglichen Leben, die jetzt viel wichtiger sind als der Profisport. Wir müssen das Bestmögliche aus der Situation machen. Mein sportliches Ziel ist ganz klar: Ich möchte in die DTM aufsteigen. Und natürlich wäre es traumhaft, wenn ich dann auch wieder vor Zuschauern Rennen fahren könnte. In der vergangenen Saison fühlte sich das mehr nach Testfahrten an – mit dem Unterschied, dass es am Ende einen Pokal gab.