Mittelrheinligist FC Wegberg-Beeck spielt gegen den SSV Merten.

Fußball: Starke Abwehr, effektiv und wenig Spektakel

Nach zehn Spielen ist die Punktausbeute des FC Wegberg-Beeck überragend: Neun von zehn Partien hat der Mittelrheinligist gewonnen, ist dazu noch ungeschlagen. Dennoch gibt es Sorgen, die in erster Linie die dünn besetzte Offensive betreffen. Heute kommt Schlusslicht SSV Merten.

Zehn Spiele hat Beeck in der Mittelrheinliga absolviert – Zeit für ein Zwischenfazit. Bis auf das 1:1 in Alfter haben die Kleeblätter alle Spiele gewonnen, sind noch ungeschlagen, haben erst vier Gegentore kassiert und führen die Tabelle mit fünf Punkten Vorsprung an – eine fast schon unglaublich gute Bilanz. Dennoch ist auch beim FC nicht alles Gold, was glänzt. Fakten und Einschätzungen.

Das Prunkstück Beecks Spiel basiert eindeutig auf einer bärenstarken Defensive. Torwart Stefan Zabel, die Innenverteidiger Nils Hühne und Sebastian Wilms, rechts Kapitän und Dampfmacher Maurice Passage und links Sascha Tobor oder Backup Norman Post – etwas Besseres gibt es in der Mittelrheinliga nicht. Nur vier Gegentore nach zehn Spielen: Das ist ein überragender Wert.

Auch davor, im zentralen defensiven Mittelfeld, ist Beeck mit Armand Drevina und der jüngsten Verpflichtung Riad Chakroun sowie den Alternativen Yannik Leersmacher und Stefan Thelen sehr gut besetzt. Da gibt’s nichts zu meckern – mit einer Einschränkung: Wilms ist zwar auch ein erstklassiger Innenverteidiger, wäre aber natürlich auch auf seiner Stammposition auf der Sechs gesetzt, wenn nicht Danny Fäuster (Kreuzbandriss) nun ein halbes Jahr nicht zur Verfügung stehen würde. Dieser Ausfall trifft Beeck hart. Auch, weil Fäuster ein unumstrittener Führungsspieler ist – auf und außerhalb des Platzes.

Die Neuen Über die gesamten zehn Partien gesehen ist bislang Nils Hühne eindeutig Beecks bester Zugang. Der Innenverteidiger erfüllt die in ihn gesteckten hohen Erwartungen voll und ganz. Während der „Stareinkauf“ in der Defensive also eingeschlagen ist, gilt das nicht für sein Pendant in der Offensive: Sakae Iohara, mit der Empfehlung von 17 Toren und zehn Assists vom Ligakollegen FC Hennef gekommen, tut sich weiterhin schwer, ist in Beeck noch nicht so recht angekommen und ist zurzeit auch kein Kandidat für die Anfangsformation.

Einen Stammplatz hat sich kurioserweise dafür aber der zweite Japaner erkämpft, der vor der Saison nur als Ergänzungsspieler galt: Musashi Fujiyoshi hat sich seinen Platz auf der linken Seite mit enormen Einsatzwillen, Laufbereitschaft, Aggressivität und auch Produktivität verdient. So erzielte er beim 2:0 in Deutz mit einem Traumtor das wichtige 1:0, war beim 1:0 gegen Breinig der einzige Torschütze. Und vergangenen Sonntag, beim glücklichen 1:0 in Frechen, bereitete er mit einer Energieleistung das Siegtor Shpend Hasanis vor. Chakroun, die jüngste Verpflichtung, hat in seinen beiden bisherigen Einsätzen gezeigt, dass er ein ballsicherer und technisch starker Abräumer ist, der sich sehr gut mit Drevina ergänzt. Die weiteren Zugänge gehörten bislang nicht zur Stammelf.

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Die Sorgen So stark Beeck in der Defensive besetzt ist – ganz vorne wird’s arg dünn. Das gilt erst recht seit dem vierten Spieltag, als sich Zugang Tim Blättler in Alfter verletzte und nun mit einem Kreuzband-, Innenband- und Meniskusriss wohl bis zum Saisonende ausfällt. Der Niederländer hatte bis dahin zwar auch nicht vollends überzeugt, gehörte aber immerhin stets zur Anfangself.

Die personellen Alternativen sind nun sehr rar. Iohara drängt sich zurzeit nicht für die Startelf auf. Marius Müller, der sowohl die beiden Positionen links als auch im Angriff spielen kann, ist sehr verletzungsanfällig, hat auch nun wieder einige Wochen pausieren müssen. Und Thomas Lambertz, der aus der Not heraus in den vergangenen zwei Spielen zentral gespielt hat, ist auf seiner angestammten rechten Außenbahn sicher besser aufgehoben. Fast alle Hoffnungen ruhen daher auf Hasani, der allmählich in Form zu kommen scheint. Neben seinen drei Toren stehen für den Angreifer auch schon fünf Assists zu Buche – die Mehrzahl davon per Freistoß.

Was Beeck definitiv fehlt, ist ein kopfballstarker Stoßstürmer – einer, der lange Bälle mal verlängern oder auch festmachen und dann auf seine nachrückenden Mitspieler ablegen kann. Exakt diese Rolle erfüllte an guten Tagen Sahin Dagistan, der berufsbedingt in der vergangenen Saison freilich häufig nicht zur Verfügung stand. Eine Weiterverpflichtung hätte daher auch keinen Sinn gemacht – ein Nachfolger wird dringend gesucht.

Die Spielweise Echte Spektakel bietet Beeck (im Unterschied zu früheren Jahren) bislang nicht. Dafür ist der FC gnadenlos effektiv, hat schon wiederholt seine erste Chance auch gleich zum ersten Tor genutzt – bevorzugt dann, wenn ein Tor nicht gerade in der Luft lag. Bestes Beispiel war da nun der späte Sieg in Frechen. Die Abwehr ist bislang eindeutig Beecks Erfolgsgarant, lässt nur sehr wenig zu. Und noch etwas ist bemerkenswert: Trotz Platz eins ist kein Beecker Akteur in den Top 10 der Torschützenliste der Mittelrheinliga vertreten. Beste Schützen sind mit je drei Treffern Hasani, Lambertz und Wilms. Dafür haben aber – inklusive eines Eigentors – schon zehn Beecker Akteure eingelocht. Das ist Ligabestwert.

Ausblick Nach dem heutigen Spiel gegen Schlusslicht Merten (siehe Info) brechen für Beeck die Wochen der Wahrheit an. Dann stehen nacheinander das Nachholspiel in Freialdenhoven, das absolute Topspiel in Bergisch Gladbach, die zweite Runde im Mittelrheinpokal und am 30. November das Heimspiel gegen den 1. FC Düren an, der bislang mit Abstand die meisten Tore erzielt hat. Ende dieses Monats dürfte der momentane Tabellenführer aus Beeck also um etliche Erkenntnisse reicher sein.

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