Mittelrheinligist FC Wegberg-Beeck gewinnt den Clásico bei Borussia Freialdenhoven 3:1.

Fußball : FC siegt im Clásico mit Geduld und Cleverness

Fußball-Mittelrheinliga: Beim 3:1 in Freialdenhoven profitiert Beeck auch von zwei Slapstick-Einlagen der Borussia. Thelen sieht Gelb-Rot.

Wilfried Hannes sollte Recht behalten. „Wer das erste Tor schießt, gewinnt das Spiel“, sagte der Trainer Borussia Freialdenhovens kurz vor Anpfiff der zweiten Halbzeit des Clásico gegen den FC Wegberg-Beeck. Bis dahin hatten sich beide Teams vollständig neutralisiert, verdichteten gekonnt die Räume, scheuten beiderseits das letzte Risiko, dominierten eindeutig die Abwehrreihen. Einziger echter Aufreger: Eine Maßflanke des mal nach links ausgewichenen Stefan Thelen, von dem noch die Rede sein wird, köpfte Beecks Thomas Lambertz knapp übers Gehäuse (14.). 0:0 stand es folgerichtig zur Pause vor der prächtigen Kulisse von rund 500 Zuschauern.

Nicht von ungefähr kam es da also, dass ein Freistoß wenige Minuten nach Wiederanpfiff als Dosenöffner diente – freilich für Hannes, der überraschend auf Pascal Schneider in der Anfangself verzichtet hatte, auf der verkehrten Seite: In der 53. Minute drehte Shpend Hasani einen Freistoß aus gut 20 Metern über die Mauer in den Winkel zur Gästeführung – ein herrlicher Treffer. Am Ende siegte Beeck 3:1, fuhr damit den achten Sieg in Serie ein, baute seine Erfolgsbilanz auf fast schon unglaublich anmutende 34 Punkte aus zwölf Spielen aus und erhöhte so auch den Vorsprung auf den ersten Verfolger SV Bergisch Gladbach auf acht Punkte. Für das dortige Topspiel am Sonntag sind die Kleeblätter also bestens gerüstet.

Wermutstropfen: In der 83. Minute sah Thelen, der sein bislang bestes Spiel seit seiner Rückkehr nach Beeck ablieferte, eine reichlich umstrittene Ampelkarte. Schon die erste Gelbe wegen eines Allerweltsfouls war diskussionswürdig, doch dann setzte Schiedsrichter Denis Schmidt (Köln), der sich generell offensichtlich nicht dem Vorwurf aussetzen wollte, den Spitzenreiter zu begünstigen, noch einen drauf: Er sah im Beecker Strafraum ein Handspiel Thelens, zeigte auf den Punkt und Thelen Gelb-Rot. Der vermeintliche Sünder verstand die Welt nicht mehr: „Ich köpf’ den Ball weg, und der Schiri gibt Elfmeter.“ Den nutzte Borussias Stoßstürmer Kevin Kruth zum Ehrentor.

Generell agierte Beeck nach dem 1:0 im Stil einer echten Spitzenmannschaft, agierte extrem abgeklärt und clever, ließ den Ball gut laufen – und nutzte zur Krönung zwei dicke Freialdenhovener Patzer zu weiteren Toren. Vor dem 2:0 rannten sich Borussias Sechser Gerard Sambou und Alexandru Daescu kurz hinter der Mittellinie quasi gegenseitig über den Haufen, produzierten einen Pressschlag. Der Ball kam zu Lambertz, der steil auf den aus der eigenen Hälfte startenden Hasani spielte. Der lief allein aufs Tor zu, verwandelte eiskalt (66.).

Und beim 3:0 patzte Freialdenhovens Keeper Tobias Werres: Auf Ecke Hasanis produzierte Sebastian Wilms aus großer Entfernung eine Kopfball-Bogenlampe, die ewig in der Luft war und sich dann Richtung langer Winkel senkte. Zum Entsetzen seiner Mitspieler ließ Werres den Ball ins Tor flutschen (76.). Fast schon tragisch: Auch im Rurdorfer Finale (Beeck gewann damals mit 2:1) hatte Werres mit einer kuriosen Einlage Beecks Sieg maßgeblich begünstigt. Ob der erneuten Slapstick-Szenen schwoll Hannes nach der ersten Heimniederlage der Kamm: „Wer solche Fehler macht, verliert verdient. Diese Fehler hatten mit Mittelrheinliga wirklich gar nix zu tun. Da zählt auch nicht mehr, dass wir eigentlich ordentlich gespielt haben.“

Sein Beecker Trainerkollege Friedel Henßen war dagegen sehr zufrieden: „Wir hatten ja schon in der ersten Halbzeit mehr Ballbesitz. Zur Pause gab ich die Order aus, ruhig und geduldig weiterzuspielen, wir würden unsere Chance schon bekommen. Die kam dann mit Shpends super Freistoß schneller als erwartet. Danach haben wir es richtig gut runtergespielt.“ Und Kapitän Maurice Passage ergänzte: „In echte Gefahr sind wir ja gar nicht geraten, haben so gut wie gar nichts zugelassen. Das war klar ein verdienter Sieg.“

Beeck: Zabel – Passage, Wilms, Hühne, Tobor (86. Post) – Chak­roun, Drevina – Thelen, Lambertz (74. Müller), Fujiyoshi (90. Leersmacher) – Hasani

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