Fußball : Mindestlohn: FC Beeck bleibt gelassen

Auch Vertragsamateure sind vom MiLoG betroffen, müssen nun mindestens 8,50 Euro pro Stunde verdienen. Davon betroffen ist hierzulande vor allem der FC - der hat 18 Vertragsspieler. Bei der Umsetzung sind noch viele Fragen offen.

Seit Anfang des Jahres gilt der gesetzliche Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde. So schreibt es das Mindestlohngesetz vor - kurz MiLoG. Betroffen davon sind auch Vereine, die Sportler als Vertragsamateure beschäftigen. Eine krasse Konsequenz hat daraus schon mal die Spvg. Wesseling/Urfeld gezogen: Der Fußball-Landesligist hat seine entsprechenden Verträge (vier an der Zahl) zum Jahreswechsel aufgelöst.

Noch weit mehr von dieser gesetzlichen Neuregelung betroffen ist der FC Wegberg-Beeck: Der Mittelrheinligist führt die Akteure seiner Ersten Mannschaft ganz überwiegend als Vertragsspieler. "Exakt 18 davon haben wir", bestätigt Thomas Klingen. In Panik verfällt Beecks Geschäftsstellenleiter deswegen aber nicht: "Wir haben uns schon länger damit beschäftigt. Auch wenn es noch eine Menge Klärungsbedarf gibt: Wir sind guter Dinge, dass wir die Sache zwar mit erheblich größerem Verwaltungs-, aber ohne großen finanziellen Mehraufwand hinbekommen."

Mut machen ihm da auch die Ausführungen von Dr. Stephan Osnabrügge. Der Jurist und Vizepräsident des Fußball-Verbandes Mittelrhein hat sich auf der FVM-Homepage sehr ausführlich und auch mit konkreten Zahlen mit dem neuen Gesetz auseinandergesetzt: "Dabei ist nicht alles 'Arbeitszeit', was mit Fußball zu tun hat, sondern nur die tatsächlich auch angeordneten, verpflichtenden Zeiten vor Ort. Muss der Spieler an drei Trainingseinheiten à 1,5 Stunden sowie einem Spiel mit 2,5 Stunden (einschließlich Aufwärmen und Vorbesprechung, jeweils ohne Wegezeiten hin zum Arbeitsort) teilnehmen, kommt dieser auf sieben Stunden pro Woche, entspricht 30,31 Stunden pro Monat. Um dem neuen Gesetz gerecht zu werden, müssen dann mindestens 30,31 mal 8,50 Euro gleich 257,63 Euro pro Monat gezahlt werden", schreibt Osnabrügge.

Da ein Vertragsspieler aber ohnehin mit mindestens 250 Euro im Monat entlohnt werden muss (das ist vorgeschrieben), geht diese Gleichung tatsächlich weitgehend auf. "Und sollten zudem auch die Prämien auf den Lohn mit angerechnet werden können, kommen wir auf alle Fälle hin", bekräftigt Thomas Klingen.

Eine Frage ist freilich sehr relevant: Muss der Mindestlohn für jeden Monat einzeln berechnet werden oder im Schnitt für ein Vertragsjahr? Denn auch beim FC schwankt die Zahl der Stunden, die die Spieler monatlich für Training und Spiel aufwenden müssen, erheblich. Während sie - wie in der aktuellen Vorbereitung - häufiger als viermal die Woche anwesend sein müssen, ist das in der Sommer- und Winterpause gar nicht der Fall. So haben die FC-Spieler von Anfang Dezember bis zum Trainingsauftakt am 20. Januar ihr Geld ohne jegliche "Gegenleistung" bekommen - abgesehen diejenigen, die bei den Hallenturnieren mitgewirkt haben.

Wie alle Sportvereine und -verbände wartet auch der FC Wegberg-Beeck nun auf ein entsprechendes Grundsatzurteil. "Schön wäre es für alle, wenn das noch im Frühjahr kommen würde", bekräftigt Thomas Klingen.

Eine Konsequenz hat der FC Wegberg-Beeck aber schon mal gezogen: Ab sofort führt Cheftrainer Henßen über jede einzelne Trainingseinheit Buch, notiert, wie lange diese genau gedauert hat und welche Spieler jeweils teilgenommen haben. "Wir wollen uns nichts zuschulden kommen lassen. Das machen wir also aus einer Art vorauseilendem Gehorsam", merkt Klingen leicht süffisant an.

(emo)
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