Michael Weingarten spricht über die Zukunft des Nierspokals

Fußball : „Nierspokal ist den Vereinen lästig geworden“

Der Präsident der Nierspokalgemeinschaft macht sich große Sorgen um den Fortbestand des traditionsreichen Turniers.

Der Nierspokal ist das älteste Fußballturnier des Erkelenzer Lands, wird im Feld seit 1966 gespielt. Die Auflage 2019 richtet der SV Immerath aus – in der Zeit vom 21. Juli bis 4. August. Die Resonanz ist bei diesem Traditionsturnier jedoch stark rückläufig – und deswegen macht sich Michael Weingarten (54), seit 2009 Präsident der Nierspokalgemeinschaft, auch so seine Gedanken.


Eigentlich sollte ja Ihr Heimatverein SV Venrath diese Auflage ausrichten. Wie kam, dass das nun der SV Immerath macht?

Weingarten Venrath hat die Ausrichtung mit dem Argument zurückgegeben, dass der Verein nicht genügend Helfer für die zwei Turnierwochen zusammenbekommen würde. Davon bin ich schon enttäuscht. Bei einem Verein, der 250 bis 300 Mitglieder hat, sollte das doch kein Problem sein. Ich selbst hätte auch mit angepackt – ich bin ja Venrather.

Gegenüber der Auflage 2018 ist der SV Wickrathberg nicht mehr dabei. Warum nicht?

Weingarten Der SV ist schlichtweg aus der Nierpokalgemeinschaft ausgetreten – aus einem für mich einfach nur lächerlichen Grund: Das Leistungsgefälle sei beim Nierspokal zu groß. Dabei sind doch nur Klubs aus den Kreisligen dabei. Wir haben früher auch nicht rumgejammert, wenn wir mit Venrath gegen den damaligen Landesligisten SV Kuckum antreten mussten, sondern haben uns gewehrt. Für so was habe ich wirklich kein Verständnis.

Welche Vereine werden denn an der aktuellen Auflage überhaupt noch teilnehmen?

Weingarten Stand heute sechs: Immerath, Holzweiler, Kuckum, Keyenberg, Venrath und Otzenrath. Letzterer ist ja erst seit 2015 dabei, engagiert sich in der Gemeinschaft stark und hat im vergangenen Jahr eine richtig gute Ausrichtung hingelegt. Das würde ich mir von allen Vereinen so wünschen.

Was wohl aber eher nicht der Fall ist. Sechs Teams sind ja auch nicht gerade viel.

Weingarten Acht wären sicherlich ideal, doch die kriegen wir nicht mehr zusammen. Wir hatten daher auch schon mal überlegt, alle Teams in eine Gruppe zu stecken und so den Sieger auszuspielen. Das wären dann aber zu viele Spiele gewesen – was auch mit Blick auf den parallelen Kreispokal nicht machbar gewesen wäre.

Machen Sie sich Sorgen um den Fortbestand des Turniers?

Weingarten Allerdings. Das Interesse bröckelt immer mehr, für einige Vereine ist der Nierspokal einfach nicht mehr reizvoll. Das leben die Vorstände vor und überträgt sich dann auf die Spieler, die den Nierspokal nicht mehr so richtig ernst nehmen. Ich habe das Gefühl, dass unser Turnier einigen sogar richtig lästig geworden ist. Dabei sind wir schon ein klassisches Vorbereitungsturnier geworden – mit stark freundschaftlichem Charakter. Mir fehlen da oft Grell und Ehrgeiz.

Was in früheren Zeiten grundlegend anders war.

Weingarten Allerdings. Da wollte den Nierspokal jeder gewinnen, ging es richtig zur Sache – auch bei den Zuschauern, die sich mit dem Regenschirm da auch schon mal gegenseitig auf die Omme hauten. Gerne erinnere ich mich an unser heißes Finale 1987 mit Venrath gegen Wanlo: 500 Zuschauer waren dabei, und wir bekämpften uns auf dem Platz bis aufs Messer. Nach dem Spiel tranken wir aber auch ein Bier zusammen – und genau so sollte es ja auch sein.

Viel zu verdienen gibt es beim Nierspokal aber nicht.

Weingarten Unsere Prämien von 300 Euro für den Sieger, 200 Euro für den Zweiten, 150 Euro für den Dritten und 100 Euro für den Vierten sind vielleicht wirklich nicht lukrativ genug. Aber die Nierspokalgemeinschaft hat auch keine großen Einnahmequellen, wir finanzieren alles selbst.

Ein wenig grotesk verlief 2018 der Nierspokal in der Halle.

Weingarten Das war auch so eine Sache. Den Termin dafür kannten die Vereine ein Jahr im Voraus: An dem Wochenende vor den Weihnachtsferien hatten wir die Erkelenzer Karl-Fischer-Sporthalle von Freitag bis Sonntag. Und was war? Da gab’s am Freitagabend ein Reserveturnier, am Samstag führten alle Vereine ihre Weihnachtsfeier durch, und am Sonntagvormittag, beim Turnier, waren dann fast alle Akteure in einem nicht spielfähigen Zustand, lagen mehr oder weniger noch im Koma. So macht das keinen Sinn.

Mehr von RP ONLINE