Projekt : Schwimm-Förderung trägt erste Früchte

Seit vier Jahren läuft das Projekt „Mathe schützt nicht vor Ertrinken“. Jetzt ziehen die Initiatoren Bilanz.

Die Zahlen können sich sehen lassen. Während die Nichtschwimmer-Quote bei Fünftklässlern im Schnitt neun Prozent beträgt, steht sie bei den teilnehmenden Projektschulen nur bei der Hälfte. „Es lässt sich sicher sagen, dass bei den teilnehmenden Schulen die Quote der Nicht-Schwimmer deutlich gesenkt und die Quote der sicheren Schwimmer deutlich erhöht werden konnte“, sagt Annette Sielschott vom Regionalen Bildungsbüro.

Sie ist die Entwicklerin des Projekts „Mathe schützt nicht vor Ertrinken.“ Ziel ist es, die Schwimmfähigkeit von Grundschulkindern aus dem Kreis Heinsberg zu verbessern. Von 2015 bis 2019 haben bereits 4800 Kinder aus 36 Grundschulen teilgenommen, davon waren über die Hälfte Erstklässler.

Trotz der Erfolge, die aktuellen Studien sind erschreckend: Fast 60 Prozent der Zehnjährigen in Deutschland sind keine sicheren Schwimmer. Laut der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) bezeichnet man denjenigen als sicheren Schwimmer, der die Disziplin des Jugendschwimmabzeichens in Bronze erfüllt. „Ertrinken ist die zweithäufigste Todesursache bei Kleinkindern“, warnt unter anderem ein Vertreter des DLRG.

Bei einer Umfrage des Bildungsbüros an 77 Schulstandorten aller Schulformen und Jahrgängen im Kreis wurde die Schwimmfähigkeit von insgesamt 12.138 Kindern erfasst. Demnach kommen auf eine Schwimmlehrkraft 38 Schüler. Bei den Grundschulen ist das Verhältnis zu 42 Schülern sogar noch größer. Die Zahlen zu den Nicht-Schwimmern in den Schulen fallen dementsprechend aus. Knapp 26 Prozent aller Erst- bis Sechstklässler sind Nicht-Schwimmer. Dabei ergeben sich Abweichungen je nach Schulform. Grundschulen haben zu 31 Prozent Nicht-Schwimmer. Fünft- bis Sechstklässler sind an Hauptschulen zu 30 Prozent und an Realschulen und Gymnasien zu 25 Prozent Nicht-Schwimmer. „Das heißt, dass in jeder fünften und sechsten Klasse mindestens ein Nicht-Schwimmer ist“, betont Sielschott.

In den Förderschulen kann fast die Hälfte der Schüler nicht schwimmen. In den Jahrgangsstufen zeigen sich ebenfalls deutliche Unterschiede der Schwimmfähigkeit. Obwohl sich die Zahl der Schwimmabzeichen von der ersten bis zur zweiten Klasse um 22 Prozent erhöht, so steigt sie bis zur Dritten nur um sieben Prozent und bis zur Vierten nur um zehn Prozent. Zu Beginn des zweiten Halbjahrs des vierten Schuljahrs sind 43 Prozent der Schüler Nicht-Schwimmer. Sielschott: „Da der Schwimmunterricht an den Grundschulen ab der vierten Klasse abgeschlossen ist, verlassen rund 40 Prozent die Schulen ohne ein Schwimmabzeichen.“

Das Projekt „Mathe schützt nicht vor Ertrinken“ zeigte nun eine erhebliche Verbesserung der Schwimmfähigkeit bei den Fünftklässlern, die seit Beginn des Projekts 2015 als Erstklässler jedes Jahr teilgenommen haben. Es ist so erfolgreich, dass sogar die DLRG Wesel das Projekt unter gleichem Namen und dem Gütesiegel „Made im Kreis Heinsberg“ umsetzt. Auch das ist ein Beleg dafür, dass das Projekt effektiv zur Förderung der Schwimmfähigkeit beiträgt.

Für die Zukunft werden weitere Überlegungen gemacht, damit das Projekt noch effizienter wird. Durch Kooperationen der Schulen mit örtlichen Schwimmvereinen, Image-Kampagnen oder Vorschulunterrichten kann die Schwimmfähigkeit der Kinder verbessert werden. Ein Beispiel ist der Schwimmverein Übach-Palenberg, der zusammen mit der Schule eine Seepferdchen AG leitet, in der Fünft- und Sechstklässler verpflichtet sind, an dieser AG teilzunehmen, bis sie das Seepferdchen- oder Bronzeabzeichen haben. Außerdem fordert der DLRG die Eltern auf, das Schwimmen der Kinder zu unterstützen. Denn die elterliche Unterstützung sei hier unerlässlich.

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