Vereinssport: Könnten Wände erzählen . . .

Vereinssport: Könnten Wände erzählen . . .

Beim VfR 1919 Granterath wurde das alte Vereinsheim "Am Kreuz" abgerissen. Die neue Bleibe des mehr als 200 Mitglieder zählenden A-Liga-Tabellenzehnten wird im Frühjahr eingeweiht.

Der Entertainer Heinz Erhardt würde sagen: "Nehmen sie als erstes gleich das zweite." So das aktuelle Geschehen beim VfR Granterath, dem Tabellenzehnten der Kreisliga A Heinsberg, in Bezug auf das Vereinsheim: Das zweite steht im Bau, das erste ist jetzt endgültig Geschichte. Doch beide haben enge Verbindungen, die zum einen im finanziellen Bereich zu suchen sind, weil der Erlös aus dem Verkauf des alten Vereinsheims der Grundstock zum Neubau ist, zum anderen aber auch etwas mit Fußballemotionen zu tun haben.

Das "Wunder von Bern" hatte 1954 den ersten deutschen Fußballboom ausgelöst, der auch den Fußballverband Mittelrhein (FVM) veranlasste, eine "Vereinshilfe" zu gründen, die Fußballclubs in die Lage versetzte, ein Vereinsheim zu bauen. Dazu gehörte auch der VfR Granterath, der dank der Unterstützung des FVM und vieler fleißigen Mitgliederhände das Vereinsheim auf der Straße "Am Kreuz", also ganz in der Nähe des Sportplatzes, bauen konnte. Ursprünglich stand es im Wald, zuletzt mitten in der Bebauung.

Gut 50 Jahre genutzt

Etwas mehr als 50 Jahre diente das kleine Sportlerheim vielen schwarz-weißen Fußballteams — ob großen oder kleinen Akteuren — nicht nur als Umkleide- oder Duschgelegenheit, sondern auch als Treffpunkt für die vielfältigsten Gelegenheiten und Anlässe. Heinz Gaspers, stellvertretender Geschäftsführer des VfR, meinte schmunzelnd: "Wenn die Wände erzählen könnten, dann kämen da die tollsten Geschichten heraus."

Mit einem weinenden Auge war der 70-Jährige aber auch dabei, als jetzt der Bagger anrollte und die Mauern des Traditionsgebäudes zu Fall brachte. Gemeinsam mit den Alt-VfRlern Karl (69) und Laurenz (68) Meurer hatte er zuvor die "inneren Schätze" gesichert, aber auch Pappe und Holz entfernt und entsorgt. Ja, sogar der Alt-VfR-Vorsitzende Willi Rick schaute vor dem "Mauerfall" noch einmal mit nachdenklichem Blick vorbei. 50 Jahre Fußballgeschichte waren in eineinhalb Tagen weggebaggert.

  • Lokalsport : VfR freut sich auf sein erstes Vereinsheim

Die "Gaspers, Meurer, Rick und Co", die sich noch gut an den WM-Titelgewinn von 1954 erinnern, erfreuten sich aber auch am "Sommermärchen 2006". Nicht nur auf großem Welt-Parkett, sondern auch bei ihrem VfR Granterath, bei dem am 15. Juli der erste Spatenstich zum neuen Vereinsheim im Granterather "Sportpark" gesetzt wurde und schon am 23. September das Richtfest folgte.

Dabei erinnerte der aktuelle VfR-Vorsitzende Rüdiger Frey daran, dass das mächtige Gebäude, das im Frühjahr 2007 für die mehr als 200 Mitglieder in den drei Senioren-Fußballteams, der Alte-Herren-Elf sowie den sechs Nachwuchs-Mannschaften die neue Heimat sein wird, nur deshalb gebaut werden konnte, weil das vereinseigene Gelände, auf dem das alte Vereinsheim stand, gut zu verkaufen war.

Aktive "Rentner-Truppe"

Das Neubau ist 22 Meter lang, elf Meter tief, wobei den VfR-Kickern einmal 200 Quadratmeter zur Verfügung stehen werden, 80 davon für den Vereinsraum mit Blick auf die beiden Sportplätze. Es wird zwei Umkleide- und einen Schiedsrichterraum (jeweils mit Duschen), Gästetoiletten sowie eine Küche geben. Und wie vor 50 Jahren gilt auch heute: Viele ehrenamtliche Helfer bringen sich für den VfR Granterath ein, dabei ganz besonders die so genannte "Rentner-Truppe".

(RP)