Fußball : Klassenerhalt wäre eine Sensation

Viele Arbeitnehmer träumen von einem sogenannten Sabbatjahr, um da zum Beispiel auf Weltreise zu gehen. Ein derart arbeitsfreies Jahr (bei fortlaufenden reduzierten Bezügen) muss man zuvor durch vermehrtes Arbeiten "ansparen".

Im übertragenen Sinne haben sich nun die Fußballer des FC Wegberg-Beeck ein derartiges "Sabbatjahr" erarbeitet: Das kontinuierliche, unaufgeregte, verlässliche und emsige Werkeln der vergangenen Jahre wurde nun mit dem Aufstieg in die Regionalliga belohnt - und damit de facto in eine Profiklasse. Denn nichts anderes ist die 4. Liga: Der Großteil der Vereine verfügt hier über durchweg professionelle Strukturen, verdienen die Spieler mit Fußballspielen ihren Lebensunterhalt, ist Training an einem Werktag um 10 Uhr ganz normal.

Beeck wird also einer der wenigen Klubs in der Liga sein, bei dem das anders ist - beim FC gehen nahezu alle einem Beruf nach, sind in der Ausbildung oder studieren.

Die Regionalliga wird ein Abenteuer werden - und um im Sabbatjahr-Bild zu bleiben: Der FC geht auf seine "Weltreise", die ihn quer durch NRW führen wird - zur Krönung vor vielleicht sogar fünfstelligen Kulissen in den Gastspielen bei Rot-Weiß Essen und Alemannia Aachen. "Genießt es, saugt alles auf, was ihr in der Regionalliga erleben werdet", hatte Bonns Coach Daniel Zillken nach dem 0:2 im "Endspiel" zu Friedel Henßen gesagt - und damit in der für ihn so bitteren Stunde bemerkenswerte Größe bewiesen.

Genießen wollen die Beecker die Liga nun auch. Und wie man am Ende einer Weltreise wieder nach Hause kommt, so werden wohl auch die Kleeblätter dem Beispiel von Vorgänger Hennef folgen und danach wieder heimkehren - in die Mittelrheinliga. Was völlig normal wäre. Erst recht, weil es gleich fünf Absteiger geben wird. Sollte Beeck es aber schaffen, fünf Teams hinter sich zu lassen, wäre das schlichtweg eine Sensation.

VON MARIO EMONDS

(emo)
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