Jugend trainiert für Olympia: Turnen liegt den Cusanus-Mädels im Blut

Jugend trainiert für Olympia : Turnen liegt den Cusanus-Mädels im Blut

Mit Rang fünf überraschten die Erkelenzer Turnerinnen bei „Jugend trainiert für Olympia“ in Berlin. Zwei der Mädchen stammen aus echten Sportlerfamilien.

Es muss etwas dran sein an der Redewendung, wonach der Apfel nicht weit vom Stamm fällt: Von den sechs Turnmädchen des Erkelenzer Cusanus-Gymnasiums, die in der vergangenen Woche als NRW-Meister in Berlin im Bundesfinale des Schulsportwettbewerbs „Jugend trainiert für Olympia“ standen, reisten immerhin zwei familiär vorbelastet an. Das war zum einen Janne Winzen aus Keyenberg, deren Mutter Monika 1983 zum Leichtathletikteam des Mädchengymnasiums Erkelenz (heute Cornelius-Burgh-Gymnasium) gehörte, das im Olympiastadion die Vizemeisterschaft gewann. Zum anderen war es Lotte Meiborg aus Wassenberg, die noch ältere Sportwurzeln hat. Denn Lottes Oma Inge Dahmen war schon vor 49 Jahren in Berlin im Bundesfinale dabei.

Und dies im 1970er-Leichtathletikteam des Mädchengymnasiums, die eine kaum für möglich gehaltene Erfolgsgeschichte einleitete: Von den Sportlehrerinnen Ute Pflüger und Corinna Haak betreute NRW-Meister sollten später in Berlin sieben Bundessiege und viele weitere hervorragende Platzierungen holen. Es gab Jahre, da waren sogar drei Erkelenzer Teams in verschiedenen Altersklassen an der Spree am Start. Da stachen im Olympiastadion überwiegend orangefarbene Trikots hervor, weshalb die Sportlerinnen aus der Erka-Stadt auch liebevoll Apfelsinchen genannt wurden.

Als Inge, Tochter des bekannten Wassenberger Arztes Karl-Josef Stappmanns, im 1970er-Schülerinnenteam 4,97 Meter weit sprang und auch im Hochsprung sowie der Sprintstaffel zum Einsatz kam, stand am Ende der Gesamtrang vier. 1971 gehörte Inge Stappmanns dann als 15-Jährige schon dem Jugendteam an, das in Berlin den siebten Platz erreichte, sich aber auch riesig über den Bundessieg der Schülerinnen freute. Damals wohnten die Erkelenzer Sportlerinnen in Berlin im Jugendgästehaus an der Kluckstraße, das sich heute Youth Hostel nennt – und aktuell auch Domizil der Turnerinnen war.

Die Erkelenzer Leichtathletik-Mädchenmannschaft im Jahr 1970 auf dem Rollfeld in Berlin. Ganz rechts: Inge Dahmen, geborene Stappmanns, Oma von Turnerin Lotte Meiborg. Foto: Mädchengymnasium Erkelenz

Über solche Gemeinsamkeiten werden sich Oma Inge und Enkelin Lotte vielleicht bei einem Familientreffen austauschen. Dann kommt bestimmt auch der gravierende Unterschied der Anreise zur Sprache: Lotte schwärmt dann wohl von der rasenden Fahrt mit dem ICE in die Haupstadt, wogegen Oma Inge sogar einen Sonderflug von Hannover anzubieten hat. Das war zwingend die Folge des damals herrschenden Kalten Krieges, denn die DDR verbot eine Busfahrt auf der Transitstrecke. Also überflogen die Bundesrepublikaner kurzerhand per Charter die DDR und landeten in West-Berlin.

Ein Déjà-vu hatte Linnea Schöpfs, Lehrerin und Trainerin der Erkelenzer Cusanus-Turnerinnen, in der Sporthalle Schöneberg. Hier nahm sie vor 15 Jahren als Aktive der damaligen Cusanus-Riege die Gratulation zu Rang vier von Olympionike und Reck-Weltmeister Eberhard Gienger (67) entgegen. In der Vorwoche freute sie sich genau dort auf ein erneutes Händeschütteln mit der Turnlegende und dem JtfO-Paten, der dem Bundestag als Sprecher der Arbeitsgruppe Sport und Ehrenamt in der CDU angehört. „Das war auch eines der vielen tollen Erlebnisse, die wir neben dem spannenden Wettkampf hatten“, sagte Schöpfs.

Mia Rotärmel, Janne Winzen, Greta Parletta, Emma und Eva Lang und Lotte Meiborg beim Handstand vor dem Brandenburger Tor. Foto: Cusanus Gymnasium

Dass am Ende für die Cusanus-Mädels ein großartiger fünfter Platz im Feld der Meister aus den 16 Bundesländern stand, war nicht zu erwarten. Mia Rotärmel, Janne Winzen, Greta Parletta, Emma und Eva Lang (turnen ansonsten für den TV 1860 Erkelenz) sowie Lotte Meiborg (turnt für den TuS Porselen) waren perfekt motiviert, was man bei vielen Gelegenheiten spürte – ob bei Radschlägen und Handstandübungen vor dem Reichstag und dem Brandenburger Tor oder bei Kletterstangenübungen in der S-Bahn. Die roten Trainingsjacken mit dem Aufdruck „NRW-Landesmeister“ fielen immer auf. Als es ernst wurde dann auch dank guter Leistungen im Wettkampf.

Irgendwie passte dazu nach der Heimreise das spontane Willkommensplakat auf dem Erkelenzer Bahnhof mit der Aufschrift „Glückwunsch für die Supergirls“.