In der Mittelrheinliga zeigt der FC Hürth in Beeck eine starke Leistung

Fußball : Bei Beecks 2:0-Sieg stirbt Hürth in Schönheit

Mittelrheinliga: Der Gast beeindruckt im Waldstadion mit sehr guter Spielkultur, bleibt vorne aber eher harmlos. Das klare Chancenplus hat Beeck.

Michael Burlet ist ein bekennender Freund von Kombinationsfußball, vorgetragen mit sauberem Flachpassspiel von hinten raus und jeder Menge Tempo. Von daher hatte der Trainer des FC Wegberg-Beeck nach dem Spiel gegen den FC Hürth am späten Freitagabend auch kein Problem damit, die Vereinsbrille abzustreifen und sich in gewisser Weise als Fan der gegnerischen Mannschaft zu outen: „Ganz ehrlich: Mir hat die Spielweise von Hürth auch gefallen“, bekannte Burlet. Das konnte er erst recht sagen, weil sein Team dennoch gewann: Die Kleeblätter siegten vor 294 zahlenden Zuschauern in einer munteren Partie 2:0 und feierten damit im vierten Spiel den dritten Sieg.

Den Dreier verdienten sich die Kleeblätter mit einer deutlichen Steigerung in der zweiten Halbzeit – und einem klaren Chancenplus. Denn bei aller Brillanz im Vortrag, mit der der bekannt spielstarke Gast speziell in der ersten Halbzeit im Waldstadion erneut beeindruckte: Richtig gefährlich wurde Hürth nur selten. Bezeichnend, dass die beste Chance aus einem Standard resultierte: Einen tückischen Freistoß von Stoßstürmer Serkan Okutan lenkte Keeper Stefan Zabel zur Ecke – diesen Ball hätte nicht jeder gehalten (29.). Den Nagel auf den Kopf traf daher Hürths langjähriger Trainer Oliver Heitmann: „Wir waren in der ersten Halbzeit sicherlich die bessere Mannschaft, doch die letzte Konsequenz im gegnerischen Strafraum hat leider gefehlt.“

Außerhalb von Beecks Box machte Hürth vor dem Seitenwechsel aber mächtig Alarm, sowohl über die Außen als auch durch die Mitte. Dass Akteure wie Yousef Keshta, Patrick Friesdorf, Stefan Fiegen oder eben auch Okutan herausragendes Mittelrheinliga-Niveau verkörpern, war ja allgemein bekannt – nicht aber, dass Hürth auch noch einen neuen Rohdiamanten hat: Der 20-jährige Linksverteidiger Nils Lück, vor der Saison von Landesligist VfL Rheinbach gekommen und mit mächtig Offensivdrang ausgestattet, war für Beeck ein ständiger Unruheherd. „Der Junge ist wirklich richtig gut“, merkte Heitmann, auf den Youngster angesprochen, lächelnd an.

Und Kollege Burlet sah sich gezwungen, angesichts der zeitweise argen Hürther Dominanz die Taktik ein wenig zu modizifieren: „Ich habe meinen Jungs gesagt, nicht mehr so früh anzulaufen. Gegen diesen Gegner bringt das einfach nichts. Der lässt sich davon nicht beeindrucken.“

In puncto Torgefährlichkeit hatte allerdings Beeck auch schon vor dem Seitenwechsel die Nase vorn. Shpend Hasani hatte bereits zwei gute Gelegenheiten, bevor Beeck in Führung ging: Armand Drevina tankte sich durch, sein Schuss aus kurzer Distanz wurde abgeblockt, und dann stand Marc Kleefisch da, wo ein Stürmer auch stehen sollte, und staubte zum 1:0 ab (35.). André Mandt (39.) und vor allem Jungspund Tom Geerkens per Kopf (42.) hätten noch vor der Pause erhöhen können. Nach dem Seitenwechsel sollte Yannik Leersmachers Schuss aus der Drehung (51.) lange Zeit der einzige große Aufreger bleiben. Generell war die Partie nun wesentlich ausgeglichener, weil sich die Gastgeber weit besser auf Hürths Spielweise eingestellt hatten. „Da standen wir wesentlich kompakter, haben auch hervorragend gefightet“, analysierte Burlet.

Ein umstrittener Elfmeter brachte dann die Entscheidung. Hürths Niklas Miszkiewicz bekam aus kurzer Distanz den Ball im Strafraum an die Hand geschossen, Schiri Kim Marcel Schwarzschultz (Leverkusen) zeigte sofort auf den Punkt. Armand Drevina verwandelte gewohnt sicher (siehe Foto). Ironie am Rande: Exakt so einen Handelfmeter hatte Beeck im Spiel zuvor bei Borussia Freialdenhoven selbst schlucken müssen – manchmal gleicht sich so was im Fußball eben ganz schnell aus.

Am Ende hatte Burlet noch eine dicke Überraschung im Ärmel: Er wechselte Joy-Slayd Mickels ein – dabei ist der prominente Zugang nach seinem Patellasehnenanriss noch gar nicht richtig fit. „Er wird auch noch einige Wochen brauchen. Ich wollte ihm mit der Einwechslung einfach das Gefühl geben, dass für ihn Land in Sicht ist“, erläuterte Burlet schmunzelnd.

Und Beecks Sportlicher Leiter Friedel Henßen bewies einmal mehr sein gutes Gedächtnis: „Freitag, der 13., bringt uns einfach Glück. Das letzte Mal zuvor hatten wir an diesem Datum am 13. Oktober 2017 gespielt, und da haben wir in der Regionalliga den SV Rödinghausen hier 3:1 geschlagen. Das war unser bestes Spiel in dieser Liga überhaupt.“

Beeck: Zabel – Passage, Hühne, Wilms, Post – Geerkens, Drevina, Leersmacher (62. Lambertz), Mandt (89. Fäuster) – Hasani, Kleefisch (83. Mickels)

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