Tischtennis: In aller Stille zum Dreifachtriumph

Tischtennis: In aller Stille zum Dreifachtriumph

Tischtennis: Stephan Meister ist ein Meister seines Fachs - bei den Deutschen Meisterschaften der Gehörlosen wurde der Tischtennisspieler der TTF Füchse Myhl dreifacher Vizemeister im Einzel, Doppel und Mixed.

Das Klack, Klack, Klack des Tischtennisballs hört Stephan Meister nicht. Auch nicht den unterschiedlichen Sound, den der Ball macht, je nachdem wie voll oder gestreift er vom Schläger getroffen wird. Nicht das Quietschen der Tischtennisschuhe auf dem Hallenboden. Er hört auch nicht die Zurufe von der Tribüne oder den Applaus nach gelungenen Ballwechseln. Und davon gibt es bei seinen Partien wahrlich reichlich. Stephan Meister (38) ist in seinem Sport kürzlich dreifacher Deutscher Vizemeister geworden, bei den Deutschen Meisterschaften der Gehörlosen im Leistungszentrum für Tischtennis in Hamburg-Niendorf, im Einzel, im Doppel und im Mixed.

Stephan Meister (l.) und der Drittplatzierte Thomas Aust. Foto: Stephan Meister

Der zweifache Vater ist seit der Geburt hochgradig schwerhörig, ohne Hörgeräte ist er völlig taub. "Bei den Meisterschaften sind Hörgeräte aber nicht erlaubt", erklärt Meister, "so haben alle die gleichen Voraussetzungen." Einen Nachteil sieht er darin allerdings nicht, im Gegenteil: "Bei den Spielen im regulären Herren-Mannschaftsbetrieb schalte ich die Hörgeräte auch fast immer ab, damit ich die Spiele der anderen nicht höre oder mich das Klatschen der Zuschauer nicht ablenkt." Der Grevenbroicher spielt Tischtennis, seit er zwölf Jahre alt ist. Seit vier Jahren ist er für die zweite Mannschaft der TTF Füchse Myhl in der ersten Kreisklasse aktiv. "Ich habe vorher in meiner Heimatstadt bei Blau-Weiß Grevenbroich gespielt. Torsten Königs hat mich angesprochen und überzeugt, nach Myhl zu wechseln. Für mich der beste Verein, den es gibt", zeigt sich Meister euphorisch. Die aktuelle Saison in der ersten Kreisklasse hat Myhl auf dem vierten Tabellenplatz beendet. Meister hat mit seiner deutlich positiven Bilanz (16 Siege, sechs Niederlagen) seinen Beitrag dazu geleistet.

In Hamburg bei den Deutschen Meisterschaften hat Meister als Gruppensieger den Einzug in die nächste Runde geschafft. Erster Gegner war Danijel Jevremovic vom Gehörlosen Turn- und Sportverein Frankfurt am Main, den Meister nach anfänglichen Schwierigkeiten 3:2 schlagen konnte. Gegen Frank Meyer von Gehörlosen Sport- und Bürgerverein Halle/Saale lief es besser: Meister setzte sein aggressives Offensivspiel besser durch und siegte 3:1.

Im Viertelfinale ging es gegen seinen Mannschaftskameraden vom Gehörlosen-Sportverein Aachen, Sebastian Mohr. Da Mohrs Schläger bei der Schlägerkontrolle disqualifiziert worden war, musste er mit einem ungewohnten Ersatzschläger antreten. "So konnte ich ihn 4:0 abfertigen", erinnert sich Meister. Im Halbfinale spielte er gegen Thomas Aust, einen weiteren Aachener Vereinskollegen. Das Spiel wurde extrem schwierig. Meister führte 1:0, geriet dann 1:2 in Rückstand, holte auf und ging 3:2 in Führung. Den sechsten Satz verlor er trotz zweier Matchbälle 10:12. Im entscheidenden siebten Satz gewann Meister nach einem Netzroller 13:11. "Zum ersten Mal nach vielen Jahren hatte ich im Einzel das Finale erreicht", freute sich Meister über den Riesenerfolg. Da ging es gegen den stärksten Spieler des Turniers, Verbandsligaspieler Sebastian Schölzel, gegen den er das Finale glatt 0:4 verlor.

In zwei weiteren Finalen traf Stephan Meister auf Schölzel, an dem bei diesem Turnier kein Weg vorbeiführte. Im Doppelfinale unterlag er mit seinem Partner Thomas Pauka (Hamburger Gehörlosen Sport Verein) dem Duo Schölzel/Meyer (beide Gehörlosen Sport- und Bürgerverein Halle/Saale ) nach starkem Kampf 1:3. Im Doppel Mixed spielten sich Meister und Martina Ehlers vom GSV Braunschweig bis ins Finale. Dort unterlagen sie Schölzel und Nazia Jokel (GTSV Dortmund) auch ebenfalls 1:3.

"Dreimal Silber zu holen war für mich der größte und erfolgreichste Tag in meiner Tischtenniskarriere", ist Meister stolz und bedankt sich bei allen, die ihn unterstützt und ihm die Daumen gedrückt haben, als er in Hamburg um Medaillen gespielt hat, "vor allem bei meiner Frau, meinen beiden Töchtern, meiner Familie und meinen Freunden und ganz besonders bei den Myhler Füchsen."

(maw)