Gilbert Jarosch absolvierte beim Niesen Treppenlauf 11.674 Stufen

Treppenlauf: In Aufzüge setzt er keinen Fuß

Der Neu-Immerather Gilbert Jarosch hat sich einen Traum erfüllt: Er startete beim 17. Niesen Treppenlauf im Berner Oberland. Dabei ging es knapp eineinhalb Stunden lang 11.674 Stufen nur treppauf

Um Aufzüge macht Gilbert Jarosch wo es geht einen Bogen: „Jede Stufe, die ich nehmen kann, die nehme ich“, sagt der 36-Jährige, „Aufzug fahre ich erst, wenn mein Körper mich dazu zwingt.“ Und dieses Lebensmotto meint der Neu-Immerather wörtlich, denn jede Stufe ist für ihn Training. Und das hat sich gelohnt: Beim 17. Niesen Treppenlauf im Berner Oberland - dort wo es die längste Treppe der Welt gibt - erreichte Jarosch nach 1:27:17 Stunden das Ziel. Exakt 11.674 Stufen und 2362 Höhenmeter warteten auf die Teilnehmer, die aus der ganzen Europa in die Schweiz reisten, um an diesem ungewöhnlichen Sportereignis teilzunehmen. „Die Startplätze sind immer innerhalb weniger Tage ausgebucht“, weiß Gilbert Jarosch.

Gut zwei Jahren lang hat sich der ehemalige Leichtathlet, Thai-Boxer und vor allem Skateboarder auf das Event in der Schweiz vorbereitet, trainiert wurde in erster Linie auf der Millicher Halde – genauer gesagt auf der dortigen „Himmelstreppe.“ „In Immerath gibt es kaum Treppen“, erklärt Gilbert Jarosch, „die Trainingsbedingungen auf der Millicher Halde sind hingegen grandios.“ Einziges Problem: Im Vergleich zur Treppe in der Schweiz, ist die in Millich viel zu kurz. Gerade einmal 460 Stufen führen von unten nach oben. „Spaziergänger haben schon mal ein paar Tage lang Muskelkater, wenn sie die Treppe bewältigt haben“, erklärt Gilbert Jarosch mit einem Augenzwinkern.

Beim Niesen Treppenlauf hat der 37-Jährige diese Strecke rund 25 Mal absolviert. „Ich kenne inzwischen an der ,Himmelstreppe’ jede der 18 Zentimeter hohen Stufen mit Vornamen, weiß, wann ein Absatz kommt“, sagt der Neu-Immerather. Weniger als drei Minuten braucht Gilbert Jarosch im Vollsprint von ganz unten bis ganz oben: „Danach sind die Waden total hart. Ich gehe beim Training immer an die Belastungsgrenze, habe ständig einen ganz hohen Puls.“ Einmal in der Woche steht eine Einheit zur Schnelligkeit auf dem Plan, dann nimmt der 37-Jährige immer zwei Stufen auf einmal, außerdem gibt es Ausdauereinheiten mit möglichst vielen Wiederholungen. „Als ich begonnen habe, musste ich mich an die ganze Sache erstmal herantasten“, erklärt der Neu-Immerather, „schließlich gibt es ja kein Buch mit dem Titel ,so werde ich ein erfolgreicher Treppenläufer’.“ Inzwischen steht aber fest: Jarosch hat viel für den großen Tag richtig gemacht, war auf den Punkt topfit.

Und das musste der 37 Jahre alte Treppenläufer auch sein, denn am Wettkampftag saß ihm nicht nur die Konkurrenz im Nacken, sondern auch die Zeit. Die Mittelstation „Schwandegg“ auf rund 1000 Höhenmetern musste nach spätestens einer Stunde passiert sein, wer dieses Zeitlimit verpasste, wurde aus dem Rennen genommen. Gestartet wurden die rund 350 Läufer in 20 oder 30 Sekunden Intervallen in der Talstation der Niesen Standseilbahn. Danach folgten sie der Betriebstreppe aus Gitterroststufen entlang des Gleises bis zur Mittelstation. Dort gab es an einer kleinen Verpflegungsstation Getränke, ehe es die Treppe weiter entlang bis zur Bergstation ging, bevor die Teilnehmer über einen Wanderweg das Ziel auf dem höchsten Punkt des Niesen erreichten. „Die Strecke wird nur einmal im Jahr für wenige Stunden für den Wettkampf gesperrt“, sagt Gilbert Jarosch. Ein vorbereitendes Training oder gar ein Probelauf waren somit auf der Wettkampfstrecke nicht möglich.

Dennoch hatte sich der Neu-Immerather ein ambitioniertes Ziel gesteckt: In weniger als zwei Stunden wollte er oben sein, „dann wäre ich absolut happy. Alles unter eineinhalb Stunden wäre fantastisch.“ Am Ende war das Ziel erfüllt: Als 31. der Altersklasse 1999 bis 1978 überquerte Jarosch nach 1:27:17 Stunden die Ziellinie, war damit der zweitbeste Nichtschweizer seiner Altersklasse. „Das hätte ich so im Vorfeld auch nicht gedacht“, sagt Gilbert Jarosch, „zumal mich noch eine Knieverletzung und zwei Erkältungen in der Vorbereitung behindert haben. Alles in Allem ist es aber super gelaufen, auch wenn es extrem brutal war.“ Das Schwierigste für den Neu-Immerather war dabei die ungewohnte Treppenstufenhöhe: „Einige Stufen waren 30 bis 40 Zentimeter hoch, da war dann an laufen gar nicht mehr zu denken, das war nur noch ein einziger Kampf.“

Auf dem Gipfel wartete seine Familie auf den Treppenläufer und die hatte deutlich weniger Strapazen hinter sich. Sie wurde mit Sack und Pack via Zahnradbahn nach oben gebracht – und mit der ging es dann auch für alle wieder runter. Denn nach diesem Lauf wird Jaroschs Körper ihn sicherlich dazu zwingen.