Fußball : Gegen TuS will FC 20-Punkte-Marke knacken

Regionalliga: In der letzten Hinrundenpartie spielt Beeck heute im Waldstadion (Anstoß 19.30 Uhr) gegen Mitaufsteiger Erndtebrück.

Die 16 Zähler aus der ersten Regionalliga-Saison vor zwei Jahren hat der FC Wegberg-Beeck bereits vergangenen Freitag mit dem 1:1 bei Rot-Weiß Oberhausen getoppt. Im letzten Hinrundenspiel heute Abend haben die Kleeblätter nun die große Chance, sogar die 20-Punkte-Marke zu knacken: Ein Sieg gegen den westfälischen Mitaufsteiger TuS Erndtebrück, und die Schwarz-Roten hätten im Punktekonto vorne eine "2" stehen.

"20 Punkte nach 17 Spielen wären schon überragend. Dafür werden wir heute auch alles tun", erklärt FC-Teamchef Friedel Henßen - und ordnet von der Ausgangslage her die Partie so ein: "Es ist ein 50:50-Spiel, bei dem Kleinigkeiten entscheiden werden. Ich hoffe sehr, dass diese Kleinigkeiten für uns den Ausschlag geben." Abgesehen von den Langzeitverletzten kann Henßen personell aller Voraussicht nach aus dem Vollen schöpfen - nur hinter dem Einsatz von Innenverteidiger Danny Fäuster (Bronchienbeschwerden) steht ein Fragezeichen. Wieder dabei sind die in Oberhausen aus unterschiedlichen Gründen fehlenden Sebastian Wilms, Sahin Dagistan und Marius Müller.

Mit Erndtebrück verbindet Beeck viele Parallelen - sportlich und strukturell. Beide stiegen 2015 erstmals in die Regionalliga auf, beide 2016 wieder ab und schafften 2017 jeweils als Meister die sofortige Rückkehr. Der FC und der TuS waren vor zwei Jahren auch die einzigen Vereine der Abstiegsregion, die trotz der sportlich prekären Situation an ihren Trainern festhielten: In Beeck steht bis zum heutigen Tag Henßen auf der sportlichen Kommandobrücke, in Erndtebrück ist Florian Schnorrenberg weiterhin genauso fest im Sattel.

Der ist auch ungefähr genauso lange im Amt wie Henßen: 2011 stieg er beim TuS als Coach der Reserve ein, 2013 übernahm er die Erste - die aktuelle Saison ist also seine fünfte als Cheftrainer. Seit diesem Jahr coacht der 40-Jährige gar als Fußballlehrer, hat in Hennef die höchstmögliche Trainerlizenz erworben. "Der Austausch mit den Kollegen aus dem Profibereich war schon eine sehr interessante Sache. Und ganz toll waren die insgesamt acht Wochen meiner Hospitation bei Borussia Mönchengladbach. Da konnte ich wirklich mit allen reden - von Allüren bei der Borussia keine Spur."

Weit weniger erfreulich sieht die aktuelle sportliche Situation seines Teams aus: Der TuS belegt mit elf Punkten den vorletzten Platz, ist auswärts noch sieglos. Drei Ausrufezeichen hat Erndtebrück aber dennoch schon gesetzt: Alemannia Aachen schlug der TuS 2:0, und bei den Spitzenteams Borussia Dortmund (0:0) und Viktoria Köln (2:2) ergatterte er jeweils ein Remis - bei den Kölschen gar nach einem 0:2-Rückstand. "Für Vereine wie Beeck und uns ist es aber sehr schwer, in dieser Liga zu bestehen. Und wir haben dazu nun auch noch gleich sieben verletzte Spieler, von denen fünf in der Anfangself stehen würden", führt Schnorrenberg aus. Die Marschroute für heute Abend sei daher klar: "Da steht das Spiel gegen den Ball im Fokus. Mit einem 0:0 könnten wir gut leben."

Vor Beeck ziehe er den Hut: "Der FC ist gegenüber dem Team vor zwei Jahren nicht wiederzuerkennen, hat in der Liga richtig Fuß gefasst." Generell beurteile er die Chancen von Klubs wie Beeck und Erndtebrück in der Regionalliga aber sehr skeptisch: "Wenn wirklich alles passt, kann man unter den vorhandenen Möglichkeiten vielleicht einmal den Klassenerhalt schaffen, aber kein zweites Mal." Als Beispiel nennt Schnorrenberg den FC Kray, der dieses Kunststück 2015 schaffte - und im folgenden Jahr zusammen mit Beeck sang- und klanglos abstieg.

Den gewaltigen Unterschied zwischen Mittelrheinliga/Oberliga Westfalen einerseits und der Regionalliga andererseits könne man gut an seinem Stürmer Yuki Nishiya festmachen, sagt Schnorrenberg. In der vergangenen Saison wurde der Japaner im Trikot von Hilal Bergheim mit 22 Treffern Torschützenkönig der Mittelreinliga, wechselte im Sommer zum TuS. Nach einem Traumstart (doppelter Torschütze am ersten Spieltag beim 2:2 gegen Wattenscheid) sei der Stürmer aber in ein tiefes Loch gefallen. "Yuki ist weiterhin sehr fleißig und auch am Ball gut, doch er hat Probleme, sich nun auch in der Regionalliga durchzusetzen", erläutert Schnorrenberg - eine Charakterisierung, die übrigens exakt so auch für Beecks Japaner Naoya Tawaraishi gilt.

Eine dreigeteilte Antwort gibt Schnorrenberg auf die Frage, warum der TuS überhaupt an einem Freitagabend nach Beeck kommt - von der Pulverwaldkampfbahn in Erndtebrück bis zum Beecker Waldstadion sind es immerhin 184 Kilometer: "Erstens hat Beeck schon sehr früh bei uns dafür angefragt, zweitens wird im Rheinland am 11.11. ja lieber der Karnevalsauftakt gefeiert als Fußball gespielt, und drittens haben wir gleich sieben Spieler, die im Großraum Köln beheimatet sind. Für die ist es nach Beeck ja gar nicht so weit."

Ungeachtet der sportlichen Situation hat der TuS dem FC eines aber voraus: Vom 20. bis 27. Januar gönnt er sich ein Wintertrainingslager in Spanien - genau gesagt in Novo Sanci Petri in Andalusien. Buchstäblich verdient hat sich das der Verein aus dem Wittgensteiner Land mit seiner zweiten Teilnahme im DFB-Pokal. Anfang August sahen 13.000 Zuschauer im Siegener Leimbachstadion das 0:3 gegen Bundesligist Eintracht Frankfurt. Allein an Fernsehgeldern kassierte der TuS für dieses größte Spiel seiner Vereinsgeschichte 115.000 Euro.

(emo)
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