FVM-Präsident Alfred Vianden verabschiedet sich nach zwölf Jahren im Amt

FVM-Präsident Alfred Vianden : „Fußballer müssen politischer werden“

Beim Hennefer Pressegespräch zieht Alfred Vianden, scheidender Präsident des Fußballverbandes Mittelrhein, ein Resümee seiner zwölfjährigen Amtszeit. In Zukunft könnte das Thema Kunstrasen für Aufregung sorgen.

2007 wurde Alfred Vianden erstmals zum Präsidenten des Fußball-Verbands Mittelrhein gewählt – der FVM ist mit seinen 381.000 Mitgliedern der siebtgrößte der insgesamt 21 Landesverbände des DFB. Beim Verbandstag am Samstag in der Sportschule Hennef (Beginn 10 Uhr) kandidiert der 75-Jährige nicht mehr, wird den Staffelstab dann an seinen designierten Nachfolger Bernd Neuendorf weiterreichen.

Direkt im ersten Jahr seiner Amtszeit hatte Vianden das Hennefer Pressegespräch ins Leben gerufen, zu dem der Verband stets kurz nach Saisonschluss in die Sportschule einlädt. Das fand nun also zum zwölften Mal statt. „Es war eine wahnsinnig spannende Zeit als Präsident. Ich gehe nun mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Denn einerseits freue ich mich auf mehr frei verfügbare Zeit, andererseits war ich immer stolz darauf, Präsident dieses Verbandes zu sein. Denn ich wusste immer ein hervorragendes Team hinter mir“, erklärte Vianden.

Sein Start war seinerzeit nicht einfach. „Es gab damals gewisse Spannungen zwischen der Verbandsspitze und den Kreisen“, blickte Vianden zurück – eine Hinterlassenschaft seines Vorgängers Karl-Josef Tanas. Womit Vianden kräftig aufräumte. „Heute unterhalten Verbandsspitze und Kreise ein sehr herzliches Verhältnis, befinden sich im ständigen Dialog“, stellte Vianden fest – und erklärte launig, warum er sich nicht für eine weitere Amtszeit zur Verfügung gestellt hat: „Ich bin jetzt 75. Mir war immer wichtig, den Zeitpunkt meines Aufhörens selbst bestimmen zu können. Das ist doch viel besser, als wenn andere sagen: Hoffentlich geht der Alte bald.“

Für die Zukunft äußerte Vianden auch diesen Wunsch. „Wir Fußballer müssen politischer werden, dabei enger mit Stadtsportverbänden und Kreissportbünden kooperieren.“ Das gelte zum Beispiel für den Sportstättenbau, den Kommunen nicht auf Vereine abwälzen dürften – Beispiel Kunstrasenbau.

Apropos Kunstrasen: Aktuell ist der bundesweit wegen einer Studie des Fraunhofer-Instituts in Misskredit geraten. Nach der seien in Deutschland Kunstrasenplätze zwar nicht wegen der künstlichen Halme, aber wegen des ebenfalls dafür verwendeten Gummigranulats die drittgrößte Quelle für Mikroplastik. Jährlich 11.000 Tonnen davon würden durch Wind und Wetter so jährlich in die Umwelt gelangen. Zudem würden viele dieser sogenannten unlöslichen synthetischen Polymere, die kleiner als fünf Millimeter sind, an der Kleidung der Spieler haften und nach dem Waschen ins Grundwasser gelangen.

Die Europäische Union plant zurzeit bereits ein Verbot von Mikroplastik ab 2022. Danach dürfte dann auch kein Gummigranulat auf den Plätzen mehr verwendet oder nachgefüllt werden. Der DFB und der Deutsche Olympische Sportbund haben bereits um eine Übergangszeit von sechs Jahren gebeten, um in Ruhe eine flächendeckende alternative Lösung zu finden. Vianden: „Was da alles im Raum steht, sehen wir aber als mehr als fraglich an. Das muss erst mal bewiesen werden. Und sollte das Verbot kommen, dürfen die gewaltigen Kosten dafür nicht auf die Vereine abgewälzt werden.“

In der kommenden Saison wird es einige Änderungen im Spielbetrieb geben. Wichtigster Punkt: Mannschaften, die nach dem 1. Mai nicht mehr antreten, werden nicht mehr länger nur mit einem Ordnungsgeld bestraft, sondern pro Spiel auch mit einem Drei-Punkte-Abzug, der dann auf die neue Saison angerechnet wird. Ein Beispiel: Schwänzt ein Team die letzten beiden Spiele, startet diese Mannschaft in der Folgesaison mit minus sechs Punkten.

Für die Pokalwettbewerbe werden die Anreize erhöht. So werden die Prämien für den Kreispokal verdoppelt: Der Sieger bekommt ab sofort 1000 Euro, der Zweite 500 Euro, der Dritte 300 Euro und der Vierte 200 Euro. Und im Mittelrheinpokal werden nun auch die in der ersten und zweiten Runde ausgeschiedenen Teams bedacht. Die Erstrundenverlierer erhalten je fünf Spielbälle von FVM-Kooperationspartner Derby Star, die Zweitrundenverlierer zehn.

Das in Freialdenhoven 2018 mit großem Erfolg (rund 1300 Zuschauer) erstmals bei einem Mittelrheinligisten durchgeführte offizielle Verbands-Saison-Eröffnungsspiel mit Ehrungen der Fair-Play-Sieger wird es auch in diesem Jahr wieder geben – am 23. August in Breinig. Gesamtsieger wurde Landesligist Germania Windeck. Auf Platz vier landete Mittelrheinliga-Meister SV Bergisch Gladbach: „Das zeigt doch deutlich, dass sich sportlicher Erfolg und Fairness überhaupt nicht ausschließen“, stellte der Spielausschussvorsitzende Markus Müller erfreut fest. Zudem gab er bekannt, dass ab der kommenden Saison Werbung nicht nur auf dem Trikot, sondern auch auf der Hose erlaubt ist.

Eine neue Regelung beim Schiedsrichterkontingent, das jeder Verein aufbringen muss, soll kleine Klubs entlasten. Demnach werden Jungschiedsrichter nun nicht mehr nur als „halbe Portionen“ auf das Kontingent angerechnet, sondern als volle.

Mit „sehr konkreten Ergebnissen“ werde der DFB bald auch aus seinem Ende Februar in Kassel durchgeführten 3. Amateurfußball-Kongress aufwarten – bislang ist dazu herzlich wenig an die Öffentlichkeit gekommen.

Ein großer Erfolg sei auf alle Fälle der Finaltag der Amateure am 25. Mai gewesen: 19 der 21 Landesverbände machten mit, spielten an diesem Tag ihr Pokalfinale, das die ARD in einer Mammut-Livekonferenz in drei Blöcken komplett übertrug. „In der Spitze schauten 2,5 Millionen Menschen zu, wir hatten einen Marktanteil von 18,4 Prozent“, stellte der hauptamtliche FVM-Geschäftsführer Dirk Brennecke erfreut fest.

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