Fußball : Umzug wegen Tagebau erst 2021

Bei der JHV des SV Kuckum informierte Vorsitzender Thomas Portz über den aktuellen Stand. Der SV ist indes nicht der einzige Klub der Region, der bald umziehen muss.

Acht Punkte hat der SV Niersquelle Kuckum in der Hinrunde der Heinsberger Kreisliga A geholt, steht daher auf einem Abstiegsplatz. „Momentan sieht es für die nächste Saison mehr nach B- als A-Liga aus“, räumte Vorsitzender Thomas Portz bei der Mitgliederversammlung des SVK daher ein. Die Hoffnung auf den Klassenerhalt hat er aber noch nicht aufgegeben. „In der vergangenen Saison sah es zur Winterpause auch nicht gut aus. Doch dank unserer Heimstärke haben wir dann noch den Ligaverbleib geschafft. Damit das erneut gelingt, wäre es allerdings ganz wichtig, dass einige verletzte Spieler schnell zurückkommen“, sagte er.

Nicht so schnell wie ursprünglich geplant wird es auf alle Fälle mit dem durch den Tagebau bedingten Umzug an den neuen Standort in den Sportpark Keyenberg/Kuckum klappen. „Eigentlich wollten wir ja zum Juli 2020 unser neues Domizil beziehen. Wegen der schwierigen Topografie des Geländes und weil es Probleme mit der Entwässerung gibt, verzögert sich das aber. In diesem Jahr werden wir daher nicht mehr umziehen, sondern irgendwann im Jahr 2021“, sagte Portz.

Doch nicht nur der Braunkohle-Tagebau kann dafür sorgen, dass Fußballvereine in der Region umziehen müssen. So wird in Mönchengladbach der SV Blau-Weiß Meer in einigen Monaten heimatlos sein. Der Verein muss seine Anlage im Westend verlassen, da der Anlagenbauer SMS Meer dort einen Campus-Bau errichten wird. Für den Klub, der zwei Senioren- und acht Jugendmannschaften hat, war die Mitteilung, dass SMS das Bauprojekt in Mönchengladbach realisiert, zunächst ein Schock.

Denn damit war klar, dass Blau-Weiß Meer das Training und seine Spiele auf Plätzen anderer Vereine absolvieren und so gleich mehrere Spielzeiten überbrücken muss. Wohl erst in drei Jahren könnte der Klub ganz in die Nähe seiner ehemaligen Heimat zurückkehren, wenn die Ernst-Reuter-Anlage, auf der der 1. FC Mönchengladbach spielt, erweitert und modernisiert ist. Somit muss Blau-Weiß seine Mitglieder überzeugen, dass der Verein auch einige heimatlose Jahre überstehen kann. Die Klubführung gab sich nach der Bekanntgabe auf jeden Fall kämpferisch. „In zwei Jahren feiern wir unser 60-jähriges Bestehen. Ein solcher Verein kann nicht einfach verschwinden“, sagte Geschäftsführer Swen Siegers.

Beim SV Kuckum wird es einen Naturrasen und einen Kunstrasen mit den Maßen 94 mal 68 Metern in der neuen Heimat geben. Beim Kunstrasen ist nun auch klar, mit welchem Belag er gefüllt wird: mit Kork. Plätze mit Granulat werden wegen der Umweltgefährdung durch das Mikroplastik nicht mehr gefördert. Der Kunstrasen im Sportpark Keyenberg/Kuckum wird daher der erste korkbefüllte im Erkelenzer Land werden. „2019 haben wir uns gemeinsam mit der Stadt Erkelenz, mit der die Zusammenarbeit sehr gut klappt, einige Kunstrasenplätze mit Kork in Köln angeschaut“, sagte Portz – und nannte den Platz in Poll, den es bereits seit sechs Jahren gibt, als ein besonders gelungenes Beispiel. Womit Kuckums Vorsitzender einer verbreiteten Meinung widersprach: „Es heißt ja immer, dass Korkplätze leicht schimmeln, verklumpen und bei starkem Regen ausschwemmen. All das ist in Poll also nicht der Fall.“

Welcher Kunstrasen-Hersteller genommen wird – Bauherr ist die Stadt Erkelenz – stehe aber noch nicht ganz fest. Portz indes sagte, dass der Verein das Unternehmen favorisiere, das schon den Kunstrasen in der Erkelenzer City gebaut habe. Die voraussichtlichen Baukosten für die Sportplätze mit Kabinen, Nebenanlagen (darin enthalten ist ein rund 120 Quadratmeter großer Vereinsraum), Parkplätzen, Eingrünung und Umzäunung belaufen sich auf rund 2,9 Millionen Euro zuzüglich Planungskosten von rund 320.000 Euro. Für den Kunstrasen musste Kuckum eine Eigenleistung in Höhe von 100.000 Euro erbringen. Die konnte der Verein komplett aus der Entschädigungsumme von RWE Power für sein Vereinsgelände am noch aktuellen Standort stemmen.

Als Partner für die bereits wiederaufgenommene Jugendarbeit hat sich Kuckum Viktoria Rath-Anhoven ausgeguckt – das macht Sinn, weil die Viktoria am künftigen Kuckumer Standort quasi zum Nachbar wird. „Rund 50 Kinder der Jahrgänge 2009 bis 2015 aus Kuckum und Rath-Anhoven tummeln sich bereits regelmäßig auf dem Platz in Rath-Anhoven. Das hat fast schon Volksfestcharakter“, merkte SV-Geschäftsführer Lukas Storms an. Zugleich machte er ganz ernst auf ein grundlegendes Problem aufmerksam, mit dem sich der SV Niersquelle aktuell konfrontiert sieht: „Vielen im Verein fehlt gerade die Zeit, sich für den Klub voll einzusetzen, da man gerade selbst den Umzug an den neuen Ort plant und in Verhandlungen mit RWE Power steckt. Dass man daher gerade mehr mit sich selbst beschäftigt ist, ist auch absolut verständlich.“