Vorm Spiel gegen Wuppertal Die entscheidenden Spiele für den FC Wegberg-Beeck kommen erst noch

Analyse | Fußball-Regionalliga · Analyse Nach sieben Pflichtspielniederlagen in Serie macht sich beim FC Wegberg-Beeck Frust breit – auch das Interims-Trainerduo Schmalenberg/Houben hat den Negativlauf bislang nicht stoppen können. Die Chancen auf den Ligaverbleib sind aber nach wie vor intakt – da man gegen die meisten direkten Konkurrenten noch spielt.

Trägt Beecks Interims-Trainerduo Mike Schmalenberg/Stephan Houben (Bildmitte) gegen Wuppertal zum letzten Mal die Verantwortung? Beecks Boss Werner Tellers kündigt fürs Wochenende eine Entscheidung an.

Trägt Beecks Interims-Trainerduo Mike Schmalenberg/Stephan Houben (Bildmitte) gegen Wuppertal zum letzten Mal die Verantwortung? Beecks Boss Werner Tellers kündigt fürs Wochenende eine Entscheidung an.

Foto: Schnieders/Michael Schnieders

Am 4. November 2023, dem Tag nach dem 1:1 gegen die SSVg Velbert (Beecks bislang einzigem Remis), begann für Yannik Leersmacher das Abenteuer Australien. Der Abschied für Monate fiel nicht zuletzt sportlich gravierend ins Gewicht – der Ur-Beecker Leersmacher, der seit den Bambini für den FC spielt, hatte bis dahin die Halbserie seines Lebens gespielt, als Abwehrchef die Dreierkette zusammengehalten, mit konstant guten Leistungen aufgewartet.

Gut dreieinhalb Monate sind seitdem vergangen. In dieser Zeit ist Leersmacher keine einzige Punkteprämie entgangen. Denn ohne den 26-Jährigen verlor Beeck seitdem sieben Pflichtspiele in Folge – sechs in der Liga, dazu das 0:4 im Mittelrheinpokal gegen Alemannia Aachen. Direkt Spiel eins nach Leersmacher bedeutete dabei eine Zäsur. Nach dem 2:5 gegen RW Oberhausen konstatierte der damalige Trainer Mark Zeh: „Heute haben wir erstmals ein Spiel in der Abwehr verloren.“ Es folgten viele weitere Gegentore – insgesamt 25 in diesen sieben Spielen.

In diesen Tagen wird Leersmacher in Beeck zurückerwartet. In absehbarer Zeit dürfte er also wieder eine Option sein – vielleicht gerade noch rechtzeitig genug, wenn für den FC die Wochen der Wahrheit anstehen. Denn trotz des aktuellen Negativlaufs, den auch das Interims-Trainerduo Mike Schmalenberg/Stephan Houben bislang nicht stoppen konnte: Verloren ist für Beeck noch nichts, die Chancen auf den Klassenerhalt sind nach wie vor intakt. Denn die meisten Duelle gegen die direkte Konkurrenz kommen für die Kleeblätter erst noch.

Wie sehr diese Spiele den Abstiegskampf entscheiden, zeigt ganz drastisch Beecks Hinrundenbilanz: Gegen die ersten Neun der Tabelle holte der FC keinen einzigen Punkt. Umgekehrt hielt er sich aber gegen die direkten Konkurrenten mehr als schadlos: Von diesen sieben Spielen (die Partie in Lippstadt steht ja noch aus) gewannen die Schwarz-Roten sechs, dazu kam eben das 1:1 gegen Velbert. Unterm Strich holte Beeck da also von 21 möglichen Zählern satte 19 – eine überragende Bilanz. Die untermauert, dass Abstiegskampf fast immer in den direkten Duellen entschieden wird – von der Bundesliga bis zur Kreisliga. Die Bezeichnung „Sechs-Punkte-Spiel“ hat also durchaus ihre Berechtigung.

Gegen Teams aus der unteren Tabellenhälfte hat Beeck in der Rückrunde bislang nur einmal gespielt – das war der nachgeholte Auftakt bei der U23 Fortuna Düsseldorfs. Nach 0:3-Rückstand kämpfte sich Beeck noch auf 2:3 ran, kassierte am Ende aber dann doch die erste Niederlage gegen einen direkten Konkurrenten. Der arbeitet sich unter dem neuen Trainer Jens Langeneke aber zunehmend aus der Abstiegsregion heraus – was durch die Siege am vergangenen Wochenende auch für Wiedenbrück und Paderborns U21 gilt. Wiedenbrück auf Platz 13 und die U23 Borussia Mönchengladbachs auf Platz 14 trennen nun bereits acht Punkte. Freilich hat Beeck auch noch die beiden Nachholspiele bei den direkten Konkurrenten Lippstadt und Ahlen in der Hinterhand.

Entscheidend ins Hintertreffen geraten ist Beeck also noch ganz und gar nicht. Daran würde auch eine zu erwartende Niederlage am Samstag gegen den formstarken Wuppertaler SV nichts ändern – die wirklich entscheidenden Spiele beginnen für den FC die Woche darauf mit dem Derby bei Borussias U23.

Was freilich eine nicht zu unterschätzende Komponente ist, ist die angeknackste Psyche. Das machte sich nach dem 0:3 im Derby in Düren vor allem bei einem gestandenen Spieler bemerkbar. Völlig aufgelöst lehnte dieser sich gegen den Zaun des da schon menschenleeren Gästekäfigs, besorgte Mitspieler eilten herbei, um ihn zu trösten – das ging unter die Haut. „Diese Niederlagenserie macht eben was mit einem“, erklärte Marc Kleefisch, der zu den herbeigeeilten Spielern gehörte. „In der Hinrunde hatten wir die nötige Lockerheit. Da sagten wir uns, wir haben nichts zu verlieren – und jetzt ist der Druck auf einmal groß, heißt es, wir haben alles zu verlieren.“

Dazu kam die für die Mannschaft völlig überraschende Entlassung von Zeh. Auch wenn kein Spieler nach dem 1:5 gegen Fortuna Köln – die Partie fand am Tag nach der Demission statt – dazu Stellung nehmen wollte, die Antwort hatte die Mannschaft speziell in der ersten halben Stunde auf dem Platz gegeben: Sie war völlig geschockt. Oft wird ja ein Trainerwechsel damit begründet, dass der Trainer die Kabine verloren habe – das war in Beeck definitiv nicht der Fall, das Verhältnis zwischen Zeh und Mannschaft völlig intakt.

Das war für Werner Tellers aber auch nicht der Grund, sich von Zeh zu trennen. Beecks Boss hatte diesem vielmehr vor allem mangelnden Mut in der Spielweise vorgeworfen, gespeist von Partien wie auf Schalke (0:1) und in Gütersloh (0:3), die beide nicht zu den Topteams der Liga zählen – und grundsätzlich hatte Tellers Zeh nicht mehr zugetraut, das Team aus dem Abwärtsstrudel manövrieren zu können.

Der Zeitpunkt der Entlassung war dennoch überraschend. Denn drei Tage zuvor hatte das Team beim 0:2 gegen das Spitzenteam Bocholt zwar nur eine Torchance produziert, in puncto Einsatzwillen, Leidenschaft und Teamgeist aber völlig überzeugt. Und ohne den dummen Elfmeter kurz vor Schluss wäre es mit Sicherheit beim 0:0 geblieben.

Diskutieren lässt sich zudem über viele Dinge – zum Beispiel darüber, ob es wirklich sinnvoll ist, dass sich bei einer gegnerischen Ecke ausnahmslos das ganze Team im und um den eigenen Strafraum postiert, niemand aber mal in Höhe der Mittellinie auf einen rausgeschlagenen Ball lauert. Die Systemfrage sollte man dagegen nicht so hoch hängen: Ob Beeck mit Dreier-, Vierer- oder Fünferkette aufläuft, ist weniger relevant als einige grundsätzliche Defizite, die sich eben daraus ergeben, dass Beeck der einzige Amateurverein in dieser Liga ist. Damit sind zum Beispiel Antrittsschnelligkeit, Zweikampf-Cleverness und nicht zuletzt Handlungsschnelligkeit gemeint – gerade in diesen Bereichen war Beeck in Düren in der ersten Halbzeit hoffnungslos unterlegen.

Konditionell hält der FC dagegen weiterhin gut mit. Und noch ein kleiner Mutmacher: Der MSV Duisburg hat in der 3. Liga zuletzt zweimal in Folge gewonnen und den Rückstand auf den ersten Nichtabstiegsplatz von acht auf zwei Punkte verkürzt. Sollten die Zebras die Klasse halten und ebenso natürlich die ebenfalls noch gefährdete Arminia Bielefeld, steigen aus der Regionalliga doch nur drei Vereine ab.

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