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Fußball-Kreisliga: SC 09 Erkelenz erntet nach vielen Jahren der Dürre​

Rückkehr in die Bezirksliga : SC 09 Erkelenz erntet nach vielen Jahren der Dürre

Der SC 09 Erkelenz kehrt nach zwei Aufstiegen in zwei Spielzeiten auf die Verbandsebene zurück. In den Zehner-Jahren waren die 09er zwischenzeitlich gar nur noch die Nummer sechs im Stadtgebiet. Ein Blick auf die Historie zeigt wie bedeutend dieser Aufstieg ist.

Mit dem 5:1 beim SV Roland Millich machte der SC 09 Erkelenz den Aufstieg in die Bezirksliga perfekt – und kehrt damit nach zwölf Jahren dorthin zurück, wo der Traditionsclub aus der größten Stadt im Kreis Heinsberg dem Selbstverständnis auch hingehört: auf die Verbandsebene.

Womit bei den Blau-Weißen ein bemerkenswerter Aufschwung seine zumindest vorläufige Krönung erfährt. Denn bis 2019 kickte der SC noch in der B-Liga. Dann kam mit Christian Grün ein neuer Trainer – und mit ihm kehrte der Erfolg zurück: Aufstieg in die A-Liga im ersten Jahr (coronabedingt war die Saison aber bereits im März zu Ende). Die darauf folgende Saison wurde ohne Auf- und Abstieg abgebrochen, sodass die 09er nun also praktisch den zweiten Aufstieg in Folge geschafft haben. Sollte dem SV Helpenstein der Aufstieg in die Landesliga gelingen, wäre der SC 09 in der nächsten Saison sogar der einzige Bezirksligist des Erkelenzer Landes.

Danach hatte es im vergangenen Jahrzehnt ganz und gar nicht ausgesehen – im Gegenteil: Nach dem Landesliga-Abstieg 2008 zog sich der Klub 2010 aus wirtschaftlichen Gründen freiwillig auch aus der Bezirksliga zurück. Franz Frings übernahm das völlig neuformierte Team, konnte den direkt folgenden Absturz in die B-Liga aber nicht verhindern. Es folgten acht Jahre in der B-Liga – die SC 09-Seele litt mächtig.

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Denn Ende der 80er-/Anfang der 90er-Jahre hatte das Kräfteverhältnis im Kreis Heinsberg noch ganz anders ausgesehen. Da spielten der SC 09 und der Oberbrucher BC als Flaggschiffe des Kreises in der Verbandsliga, der damals vierthöchsten Klasse. 3. Liga und Regionalliga gab es nicht, hinter Bundesliga und 2. Liga folgte die gute alte Oberliga Nordrhein – und dann eben auch schon die Verbandsliga Mittelrhein. Der seit Mitte der 90er-Jahre hierzulande übermächtige FC Wegberg-Beeck spielte damals noch Bezirksliga – ebenso Germania Teveren, das es im Anschluss für zwei Jahre sogar in die damalige Regionalliga West/Südwest brachte – seinerzeit die 3. Liga.

20 Jahre später sah das Kräfteverhältnis für den SC 09 brutal anders aus. Was besonders schmerzte: Der Sportclub, dieser einst so stolze Verein, war selbst im Stadtgebiet plötzlich nur noch die Nummer sechs. Ganz krass war das in der Saison 2014/15. Da spielte Sparta Gerderath in der Landesliga – und damit gleich drei Klassen höher als der SC. Derartiges hatte es zuvor noch nie gegeben. Als Nummer zwei und drei im Stadtgebiet folgten die Bezirksligisten TuS Germania Kückhoven und SV Schwanenberg, Nummer vier und fünf waren die A-Ligisten SV Niersquelle Kuckum und SV Holzweiler – zusammen genommen eine Demütigung für den Sportclub.

Den ereilte so das gleiche Schicksal wie die beiden weiteren City-Klubs des Erkelenzer Lands mit ruhmreicher Vergangenheit: Der SC Wegberg krebst ebenfalls seit nun 14 Jahren in der B-Liga herum, hat nun aber immerhin sehr gute Chancen, als bester Vizemeister endlich wieder ins Kreisoberhaus zurückzukehren. Sehr düster sieht es dagegen weiterhin bei Borussia Hückelhoven aus: Die Borussia dümpelt in der C-Liga herum.

Eine so lange Durststrecke ist für den SC 09 übrigens nicht neu: Von 1964 bis 1981 kickte Erkelenz schon einmal für geschlagene 17 Jahre nur in der Kreisliga, ehe unter dem legendären Trainer Willi Jansen, einer ausgesprochenen Vaterfigur für die Spieler, in zwei Jahren der Durchmarsch in die Landesliga glückte. Sein Nachfolger Peter Moll, zuvor als Spieler über viele Jahre eine prägende Figur beim SC 09, führte den Verein 1987 und 1989 zu den beiden Aufstiegen in die Verbandsliga. Unter seinem Nachfolger Peter Honold wurde im ersten Jahr die Klasse gehalten, 1991 folgte aber der Abstieg.

Den machte damals als Spieler in seinem ersten Seniorenjahr Guido Dürbaum mit, seit 2013 der Sportliche Leiter beim SC 09 und ein Ur-Erkelenzer. Von daher kann er sehr gut beurteilen, was der aktuelle Aufstieg für den Sportclub bedeutet: „Endlich haben wir es geschafft, den Verein wieder dahinzuführen, wo er auch hingehört.“ Die Politik der vielen kleinen Schritte wolle man nun auch beibehalten: „Die Vergangenheit des SC 09 hat schließlich gezeigt, dass es immer dann schiefgegangen ist, wenn mit viel Geld kurzfristig der Erfolg gekauft werden sollte. Wir machen daher jetzt keine Überdinger.“

Stattdessen setzt Dürbaum auf die eigene Jugend. Daher ist er mächtig froh, dass im kommenden Jahr wieder eigene A-Jugendliche in den Seniorenbereich wechseln – das hat es beim SC 09 dann sage und schreibe zehn Jahre nicht mehr gegeben. „2017 hatten wir gerade mal 118 Kinder und Jugendliche, die bei uns Fußball spielten – jetzt sind es über 300. Von daher sehen wir ganz entspannt in die Zukunft. Und was die Bezirksliga angeht: Da hoffen wir, dass wir im ersten Jahr auch von der Euphorie getragen werden.“