Fußball: Karriere von Kai Havertz startete bei Alemannia Mariadorf

Fußball : Wo die Karriere von Kai Havertz begann

Der erste Verein des Leverkusener Profis war Alemannia Mariadorf. Auch Hans-Peter Lehnhoff und Rachid Azzouzi fingen dort an.

Kai Havertz ist aktuell eines der größten Versprechen an die Zukunft des deutschen Fußballs. Mit gerade einmal 20 Jahren ist er unumstrittener Stammspieler beim Bundesligisten Bayer 04 Leverkusen, und nicht nur der FC Bayern München soll sich stark um seine Dienste bemühen, immer wieder wird auch das Interesse anderer europäischer Topklubs an dem Mittelfeldspieler kolportiert. Doch die Basis für diese vielversprechende Karriere liegt nicht im Leistungszentrum eines Bundesligisten, Havertz’ außergewöhnliches Talent wurde ganz in der Nähe entdeckt. Nämlich beim SV Alemannia Mariadorf, der weithin bekannt ist für seine exzellente Jugendarbeit.

Gerade einmal vier Jahre war Kai Havertz, als er seine ersten fußballerischen Gehversuche auf der Anlage „Am Südpark“ machte. Sein damaliger Trainer Dirk Morfeld erinnert sich: „Unser inzwischen leider verstorbenes Vereinsmitglied Gert-Willi Kämmerling hatte in seiner Nachbarschaft einen Knirps gesehen, der ihm imponierte, und mich gebeten, ihn in meine Bambini-Mannschaft aufzunehmen.“ Weil Morfelds Regel damals aber war, kein Kind unter fünf aufzunehmen, schien es zunächst, als würde es eventuell doch nichts mit Havertz’ Karrierestart bei den Alsdorfer Vorstädtern. Aber Kämmerling gab keine Ruhe. „Als ich den kleinen Kai dann habe mittrainieren lassen, war auch ich überzeugt, dass das mal einer wird“, erinnert sich Morfeld, der es sich gar nicht auf die Fahnen schreiben möchte, Entdecker des Supertalents gewesen zu sein. Diese Ehre überlässt er gerne dem 2014 verstorbenen Gert-Willi Kämmerling.

Hat sich stark verändert: Kai Havertz als Jugendspieler bei seinem Heimatverein SV Alemannia Mariadorf (rechts) Sein erster Trainer war Dirk Morfeld (links). Foto: SVA

Für Mariadorf spielte Kai Havertz von 2003 bis 2009, kam in dieser Zeit wegen seiner außergewöhnlichen Fähigkeiten häufig auch in älteren Jahrgängen zum Einsatz. Aber länger war das Ausnahmetalent dann nicht mehr zu halten. Die Scouts von Schalke 04, Borussia Mönchengladbach, des 1. FC Köln, Bayer Leverkusen und von Alemannia Aachen hatten ihn auf dem Zettel. Er entschied sich zunächst für Aachen, wechselte dann aber nach nur einer Saison in die Jugendakademie von Bayer Leverkusen, das sich schon in den Jahren zuvor immer mal wieder intensiv um ihn bemüht hatte. Und auch in Leverkusen setzte Havertz sich durch, erhielt die Fritz-Walter-Medaille für den besten deutschen Nachwuchsspieler in Silber (2016) und Gold (2019). Die Urkunden dazu haben die „Landalemannen“ natürlich im Vereinsheim mit Stolz an die Wand gehängt.

Davon kann der Verein zehren, auch wenn es mal nicht so gut läuft. Wie aktuell zum Beispiel. „Leider mussten wir gerade unsere B-Junioren vom Spielbetrieb abmelden“, erklärt Pressewart Thomas Weitz. Derzeit fehle es etwas an den nötigen Initiativen, die es in der Vergangenheit reichlich gab. Denn Havertz ist nicht der einzige Spieler, der von Mariadorf den Sprung zu den Profis schaffte. Der Verein brachte auch Hans-Peter Lehnhoff und Rachid Azzouzi hervor. Lehnhoff wurde in Mariadorf geboren, spielte in der Jugend für die Alemannia und vor seinem Wechsel zum 1. FC Köln 1984 auch noch für den SV 09 Baesweiler. Der Mittelfeldspieler bestritt von 1994 bis 1999 139 Bundesliga-Spiele für Bayer Leverkusen. Dort kann der mittlerweile 56-Jährige mit Kai Havertz in Erinnerungen über die alte Heimat schwelgen, denn er gehört bei dem Bundesligisten zum Betreuerstab.

Auch Rashid Azzouzi ist dem Fußball treu geblieben, ist aktuell Sportdirektor beim Zweitligisten Greuther Fürth. Der gebürtige Marokkaner spielte in der Jugend zunächst für Hertha und Alemannia Mariadorf, bevor es über den 1. FC Köln, MSV Duisburg und Fortuna Köln zur SpVgg. Greuther Fürth ging. In seiner Zeit als Profi bestritt Azzouzi sogar 37 Länderspiele für Marokko und war unter anderem bei den WM-Turnieren 1994 und 1998 mit von der Partie.

Hochkarätigen Nachwuchs könnte Alemannia Mariadorf für die nächsten Jahre wieder gut gebrauchen. Denn die erste Mannschaft, die zwar 2016 im Jahr des 100-jährigen Vereinsbestehens ihr 1000. Landesligaspiel bestritt, dann aber trotzdem abstieg, ist auf dem besten Weg zurück in die sechsthöchste Spielklasse. Aktuell steht das Team mit drei Punkten Vorsprung an der Tabellenspitze der Bezirksliga. Für Trainer Gabriele Di Benedetto ist der Aufstieg zwar kein Muss, dagegen wehren würde er sich aber wohl auch nicht. Schließlich werden mit dem Verein wegen seiner erfolgreichen Vergangenheit auch bestimmte Erwartungen verknüpft. Seit der Gründung des Fußballverbandes Mittelrhein im Jahre 1946 hat er ununterbrochen in der Bezirks-, Landes- oder Verbandsliga gespielt. „Darauf sind wir natürlich stolz“, sagt Pressewart Thomas Weitz.

Stolz sind die Mariadorfer natürlich auch auf Kai Havertz, den sie gerne mal wieder bei sich auf der Anlage begrüßen würden. Vielleicht klappt’s über die Ostertage, wenn dort gemeinsam mit Bayer Leverkusen ein Jugendcamp ausgerichtet wird.