Fußball : Schwieriger Umgang mit dem Kreispokalfinale

Fußball: Morgen findet im Heidestadion das Endspiel zwischen Teveren und Beeck statt. Sportlich hat es keine große Bedeutung.

Kein anderer Trainer hat in der nun auch schon 17-jährigen Geschichte des Fußball-Großkreises Heinsberg so emotionslos auf den Gewinn des Kreispokals reagiert wie am 4. September 2002 im Erkelenzer Willy-Stein-Stadion André Sieberichs, damals Trainer des Verbandsligisten FSV Geilenkirchen. Ohne jegliche Gefühlsregung quittierte er mit verschränkten Armen an der Seitenlinie den in der Schlussphase herausgeschossenen 3:0-Sieg gegen Landesligist TuS Rheinland Dremmen – und das kam auch anschließend in seinem Kommentar zum Ausdruck: „Der Gewinn des Kreispokals ist zwar eine schöne Sache, aber weit wichtiger war für uns die Qualifikation für den Mittelrheinpokal.“ Die hatte der FSV bereits mit dem Erreichen des Endspiels in der Tasche – die beiden Finalisten sind eben auch für den attraktiven Verbandspokal qualifiziert.

Zugegeben, das war vor 16 Jahren eine sehr drastische Reaktion. Am grundsätzlichen Dilemma hat sich aber seitdem nichts geändert: Während bis zur Fusion 2001 in den Altkreisen Erkelenz, Heinsberg und Geilenkirchen stets nur der Kreispokalsieger am Mittelrheinpokal teilnehmen durfte und das Endspiel daher ordentlich Würze hatte, hat das Endspiel im Fusionskreis diesen Stellenwert nie mehr erreicht. Was natürlich auch daran liegt, dass sich im Finale in der Regel zwei der ranghöchsten Teams des Kreises gegenüberstehen, für die der Kreispokaltitel nahezu zwangsläufig einen untergeordneten Stellenwert hat.

Am krassesten fällt das logischer Weise beim unangefochtenen Branchenprimus FC Wegberg-Beeck aus. Wer wie Beeck in der jüngeren Vergangenheit ständig zwischen der höchsten Amateurliga (Mittelrheinliga) und der de facto ersten Profiliga (Regionalliga West) pendelt, der ist nicht unbedingt versessen darauf, seinen Briefkopf mit Kreispokaltiteln zu schmücken.

Von daher hielt sich beim FC nach einem Aufstieg in eine verbandsüberschreitende Klasse (Oberliga Nordrhein, NRW-Liga, Regionalliga West) die Enttäuschung darüber, den Kreispokaltitel nun nicht verteidigen zu können, auch stets in überschaubaren Grenzen. Die Mittelrhein-Teams in diesen Ligen sind automatisch für den Verbandspokal qualifiziert – und an dem ist natürlich auch Beeck höchst interessiert.

Morgen ab 19.30 Uhr ist nun wieder Endspielzeit. Nicht zum ersten Mal in der Geschichte des Fusionskreises stehen sich im Teverener Heidestadion dabei Landesligist Germania und Beeck gegenüber. Was ist da also zu erwarten? Erstens: Die Germania dürfte sich als guter Gastgeber präsentieren. Zweitens: Beecks Coach Friedel Henßen wird ordentlich die Rotationsmaschine ankurbeln. „Alle Spieler im Kader haben den Anspruch, Mittelrheinliga zu spielen. Das können sie in diesem Spiel unter Beweis stellen“, pflegt er dazu anzumerken. Ob sein Teverener Kollege Nico Herzog diesem Beispiel folgt, bleibt abzuwarten. Fakt ist aber auf alle Fälle, dass sich die Heidekicker nicht noch einmal so desaströs wie im letztjährigen Finale präsentieren wollen. Da gab’s daheim ein empfindliches 2:8 (!) gegen den Ligarivalen Union Schafhausen. Mangelnde Bedeutung des Endspiels hin oder her – dieses Resultat schlug natürlich mächtig ins Kontor.

Drittens: Es dürfte ein gesittetes Spiel werden. Zumal es zwischen Beeck und Teveren ohnehin keine echte Rivalität gibt. Dafür liegen die beiden Vereine nicht nur ligatechnisch, sondern auch räumlich zu weit auseinander – ein wirkliches Derby ist das für beide nicht. Für Beeck gibt es ohnehin nur einen Gegner in der Region, auf den das zutrifft, und das ist der ewige Rivale Borussia Freialdenhoven – und der ist im Fußballkreis Düren zuhause.

Viertens: Keine Brisanz bringen auch die gleich vier ehemaligen Beecker Spieler rein, die nun das Teverener Trikot tragen. Denn die Wechsel von Nico Finlay, Alex Back, Jeremy Nzerue und Mehmet Yilmaz gingen in den vergangenen Jahren ohne jegliches Ballyhoo über die Bühne. Entweder hatte Beeck den Akteuren einen Wechsel nahegelegt, oder diese waren selbst zu der Einsicht gelangt, dass es für Beecks Erste auf Dauer nicht ganz reicht.

Übrigens: Dass ein Team aus dem Erkelenzer Land im Fusionskreis Heinsberg richtig heiß auf den Gewinn des Kreispokals war, gab es nur ein einziges Mal, und das hat eine Menge mit Peter Moll zu tun. Denn der Matzerather war sowohl als Spieler des SC 09 Erkelenz als auch als Trainer des SC 09 und Oberbrucher BC so etwas wie der Mister Kreispokal, für den das Endspiel einen enormen Stellenwert hatte. 2004 gelang es ihm, diesen Enthusiasmus auch auf sein Team zu übertragen. Da standen sich im Willy-Stein-Stadion im Finale der damalige Bezirksligist SC 09 und der Verbandsligist Beeck gegenüber. Die leidenschaftlich kämpfenden Blau-Weißen schlugen den Favoriten 3:1 – verdient.