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Fußball: Friedel Henßen tritt auf die Euphoriebremse

Fußball : Friedel Henßen tritt auf die Euphoriebremse

Regionalliga: Beeck spielt heute (Anstoß 19.30 Uhr) gegen Wattenscheid. "Auch da sind wir nur Außenseiter", sagt der FC-Teamchef.

So ganz frei hatten die Spieler des FC Wegberg-Beeck trotz des 3:0 gegen Wiedenbrück, mit dem die Kleeblätter erstmals in ihrer Vereinsgeschichte die Abstiegsplätze der Regionalliga West verließen, am Tag danach nicht: Sie mussten am Sonntagvormittag eine halbe Stunde lang auslaufen - jeder für sich, egal wo. "Sie sollten sich da einfach locker bewegen", erläuterte Teamchef Friedel Henßen. So ganz ohne Kontrolle ging das aber nicht: Alle Spieler waren angehalten, von ihrem Auslaufen ein Beweisfoto zu schießen und das dann in die mannschaftsinterne WhatsApp-Gruppe zu stellen. "Das haben auch alle getan", bestätigte Henßen.

Nur ein Akteur hielt sich nicht daran - schlicht aus dem Grund, weil er von dieser kleinen Einheit befreit war: Sahin Dagistan. Der Stürmer war grippegeschwächt ins Spiel gegangen, lieferte dafür dann eine erstaunliche Leistung ab, mit der er nahtlos an seine starke Vorstellung der zweiten Halbzeit in Essen anknüpfte. Bereits zur Pause wollte Dagistan, mit 29 Jahren zudem der Senior im Team, ausgewechselt werden. Tatsächlich spielte er dann bis zur 82. Minute, machte auch noch "sein" Tor. "Wir haben bei ihm da ständig den Alte-Herren-Trick angewendet: ,Komm, fünf Minuten gehen noch!'", verriet Trainer Dirk Ruhrig schmunzelnd die "Durchhalteparole" von der Bank aus.

Während am Montag dann wieder reguläres Training für alle anstand, war gestern trainingsfrei - völlig ungewöhnlich für einen Dienstag. Das hatte aber natürlich seinen guten Grund: Bereits heute steht in dieser englischen Woche das Heimspiel gegen die SG Wattenscheid an.

Der Bundesligist der Jahre 1990 bis 1994 ist einen Punkt hinter Beeck notiert. Nimmt man also nur die tabellarische Ausgangssituation zum Maßstab, könnte man von einem Duell auf Augenhöhe sprechen. Dagegen wehrt sich Henßen aber vehement: "Trotz unseres aktuell guten Laufs: Jedes Spiel in dieser Liga ist für uns eine große Herausforderung. Wir müssen stets an unsere Grenzen gehen und einen enormen Aufwand betreiben, um hier bestehen zu können. Auch Wattenscheid hat so viel Qualität im Team, dass wir wieder nur der Außenseiter sind."

Letzteres würde Farat Toku, seit Januar 2015 Trainer der SG und mittlerweile in Doppelfunktion auch noch Sportlicher Leiter, so pauschal eher nicht unterschreiben. "Beeck spielt diszipliniert, ist kampfstark und lebt ganz sicher vom guten Kollektiv", fasst er seine Eindrücke aus dem Spiel gegen Wiedenbrück zusammen, das er von der Tribüne aus verfolgte. Dennoch werde seine Mannschaft im Waldstadion mutig spielen, kündigt er an: "Unsere Stärken liegen im spielerischen Bereich, und auch in Beeck wollen wir selbstbewusst auftreten."

Wie Beeck spielte auch die SG jüngst 1:1 gegen Essen - im Unterschied zum FC tat das Wattenscheid am vergangenen Spieltag aber daheim und führte seinerseits lange 1:0. Mit einem Mann mehr kassierte die SG nach einem Essener Platzverweis dann noch den Ausgleich. "Die Überzahl haben wir nicht gut ausgespielt, haben generell in der zweiten Halbzeit zu wenig für den Sieg investiert", bemängelt Toku.

Grundsätzlich hat Wattenscheid aber viel größere Probleme - und die liegen im außersportlichen Bereich: Bei der ohnehin notorisch klammen SG steigen Ende dieses Monats mehrere Sponsoren sowie Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder aus. Wie es weitergeht, ist noch völlig offen. Auch daher wird rund ums Lohrheidestadion mit großer Spannung der Mitgliederversammlung am 28. September entgegengeblickt. Toku demonstriert Gelassenheit: "Diese Situation ist für uns im Grunde nichts Neues. Wir versuchen, das alles auszublenden, und konzentrieren uns aufs Sportliche. Genau das haben wir in den vergangenen Jahren schon super hingekriegt."

Zwei Jahre lang trug dazu auch Sascha Tobor bei. Beecks jüngste Verpflichtung spielte von 2014 bis 2016 für die Schwarz-Weißen, hat in den vergangenen gut zwei Wochen vor allem an seinem zwangsläufigen Trainingsrückstand gearbeitet. Denn bei seinem alten Klub KFC Uerdingen durfte er - wie auch zwei Kollegen - im August nicht mehr am Mannschaftstraining teilnehmen, da Trainer Michael Wiesinger nicht mehr auf das Trio baute.

"Sascha kommt immer besser rein", lobt Henßen - und lässt offen, ob der Hückelhovener nach seinen beiden bisherigen Kurzeinsätzen ausgerechnet gegen seinen Ex-Verein sein Startelf-Debüt feiern wird. Toku hält seinerseits ebenfalls große Stücke auf Tobor: "Sascha ist ein charakterstarker, guter Junge mit großer Schnelligkeit und starkem Zweikampfverhalten. Er ist einfach ein positiv verrückter Typ, mit dem ich sehr gerne zusammengearbeitet habe. Daher freue ich mich auch aufs heutige Wiedersehen mit ihm."

(emo)