Frederik Ruppert gewinnt bei der U23-EM Gold über 3000 Meter Hindernis

Leichtathletik : Frederik Ruppert – er kam, sah und siegte

Über die 3000 Meter Hindernis lief der Athlet des SC Myhl im schwedischen Gävle zur Goldmedaille bei der U23-EM.

Es mutet fast wie ein Märchen an, wenn man die Entwicklung des Hindernisläufers Frederik Ruppert mal genauer betrachtet.

Er lief viel auf den Lang- und Mittelstrecken, aber selten Hindernisstrecken. Rückenprobleme machten die Starts lange Zeit unmöglich. Doch nachdem die Probleme im Rücken ausgeräumt worden waren, entschieden sich Athlet und Trainer vor dem Winter 2019 dazu, die Hindernisse wieder ins Programm zu nehmen, zumal es die letzte Saison in der U23 ist. Es war klar, dass man aufgrund der Streckenlänge 3000 Meter (Hindernis) auch die Dauerläufe steigern musste, um konkurrenzfähig zu werden.

Die Technik über die Hürden wurde bis zur langen Läufernacht von Karlsruhe im Mai (RP berichtete) außen vor gelassen, um keine neuerlichen Rückenprobleme zu produzieren. Als Ruppert dort aber als bester Deutscher die Norm für die U23-EM erreichte, war Handeln gefordert. „Jetzt müssen wir auch die Technik über den Hürden und den Wassergraben wieder ins Training aufnehmen, damit ich weniger mit Kraft laufen muss“, sagte er damals. Und er ließ Taten folgen. Fortan standen ein- bis zweimal in der Woche Technik und sogar Tempoläufe mit Hürden auf dem Programm.

Von Karlsruhe bis zu den nationalen Titelkämpfen der U23 in Wetzlar waren es genau vier Wochen, und in denen sollte die Konkurrenz deutlich sehen, dass Ruppert mehr als nur einen Schritt nach vorn gemacht hat. Die Folge: die Deutsche Meisterschaft. Die Fortschritte blieben auch Bundestrainer Enrico Asmus nicht verborgen. Er sprach von einem Läufer, der die Hindernisstrecke mit einem „Killerinstinkt“ läuft. „Freddy hat einen Punch, wie ich ihn schon über zwanzig Jahre in Deutschland nicht mehr gesehen habe. Wenn er gesund bleibt, kann er es noch weit auf dieser Distanz bringen. Freddy tut der Strecke und uns in Deutschland gut“, sagte Asmus begeistert. Und er wird die Laufbahn des Athleten natürlich genau im Blick behalten. Im Herbst möchte er sich das Trainingsgelände des SC Myhl anschauen, um sich ein besseres Bild von der Trainingsarbeit im Verein machen zu können.

Nun endete die Geschichte desjenigen, der drei Jahre nicht mehr über die Hindernisse präsent war, mit einem wahren Knaller. Er qualifizierte sich im schwedischen Gävle souverän und locker für den Endlauf und zeigte auch im Finale, dass er sehr fokussiert und konzentriert zu Werke ging. Während des ganzen Rennens hielt sich der Rotschopf im unmittelbaren Vorderfeld auf und zeigte ständig Präsenz. Auf den letzten 1000 Metern wurde das Tempo ständig gesteigert, von den Franzosen Phelut und Gilavert, vom Schweden Sundström – und eben auch von Frederik Ruppert. Doch die Konkurrenz abzuschütteln, das gelang keinem der Läufer. Es lagen noch immer sechs Läufer eng zusammen, wozu auch der zweite deutsche Läufer Lennart Mesecke gehörte, der am Ende Fünfter wurde. Auf den letzten 100 Metern staunten wirklich alle über Rupperts Zielsprint. In der letzten Kurve noch auf dem vierten Rang, zog er auf der Geraden an seinen Kontrahenten vorbei. Die Fachpresse urteilte: „Frederik Ruppert rennt mit Raketen-Finish zu Hindernis-Gold“.

Ruppert selbst antwortete nach dem Rennen im Interview: „Ich kann‘s nicht glauben. Das gibt’s nicht! Ich wusste, wenn ich auf den letzten 100 Metern noch dran bin, dann mache ich das Ding, dann lasse ich mir das auf der Zielgeraden nicht mehr nehmen.“ Mit der Goldmedaille hatte der Rotschopf nicht gerechnet, als Ziel hatte er einen Platz unter den ersten sechs ausgegeben.

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