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Fußball: FC so ungemütlich wie das Wetter - das wär' was

Fußball : FC so ungemütlich wie das Wetter - das wär' was

Regionalliga: Beeck tritt morgen bei der SG Wattenscheid an - und hofft, dort in die Spur zurückzufinden. Das Hinspiel verlor der FC 0:3.

Von 1990 bis 1994 sah das Lohrheidestadion in Wattenscheid Bundesligafußball - vier Spielzeiten mischte die SG in Deutschlands Eliteklasse mit. In dieser traditionsreichen Spielstätte versucht morgen (Anstoß 14 Uhr) der FC Wegberg-Beeck, nach der 1:5-Auftaktschlappe beim SC Wiedenbrück im neuen Fußballjahr wieder in die Spur zu kommen. Dass dies kein leichtes Unterfangen ist, weiß natürlich auch Teamchef Friedel Henßen: "Wir fahren als krasser Außenseiter dahin. Die SG gehört für mich ins obere Drittel - und da arbeitet sie jetzt auch dran."

Aktuell ist das Team von Farat Toku, seit Januar 2015 Trainer der SG und mittlerweile in Doppelfunktion auch noch Sportlicher Leiter, in der reichlich schiefen Tabelle mit 30 Punkten auf Rang acht notiert - das auch deswegen, weil Wattenscheid mit 23 Partien die bislang meisten aller 18 Teams ausgetragen hat, gleich fünf mehr als Schlusslicht Westfalia Rhynern, das in dieser Hinsicht andere Extrem. Auch daher schielt Toku noch ein wenig nach unten: "Wir sind noch lange nicht gerettet, dazu fehlen noch einige Punkte. Wir sind auf der Hut."

Einen ganz großen Schritt zur vorzeitigen Rettung machte die SG aber vergangenen Freitag in einem spektakulären Derby bei RW Essen: Bis zur 79. Minute lag die SG 0:1 zurück, gewann am Ende aber noch 3:2. Linksverteidiger Angelo Langer besorgte in der denkwürdigen Schlussphase mit einer als Flanke gedachten Bogenlampe, die genau ins lange Eck fiel, das 1:1, und nach dem erneuten Rückstand glich Langer zum zweiten Mal aus (89.). Doch damit nicht genug: Mit dem Schlusspfiff erzielte Berkant Canbulut in der fünften Minute der Nachspielzeit das 3:2 - und ließ Wattenscheid kopfstehen.

"Ganz klar: Das war für uns ein tolles Highlight. Gegen Beeck müssen wir nun wieder den Spagat zum Alltag schaffen. Doch das war vor dem Hinspiel schon genauso der Fall", bemerkt Toku. Dieser Spagat glückte der SG am 20. September im Beecker Waldstadion sehr eindrucksvoll: Der Gast siegte ungefährdet 3:0, war klar besser, beeindruckte mit guter Raumaufteilung, hoher Aggressivität, großer Ballsicherheit und enormer Laufbereitschaft. In Ballnähe war der Gast immer in Überzahl; phasenweise sah das sogar so aus, als ob er mit einem oder zwei Mann mehr spielen würde. Dazu kam reichlich individuelle Klasse - allen voran in Person des pfeilschnellen Stürmers Joseph Boyamba, der auch zum Matchwinner avancierte. Zugleich beendete Wattenscheid damit Beecks kleine, aber feine Serie von vier ungeschlagenen Spielen mit acht Punkten.

Von einer derartigen Serie ist der FC zurzeit weit entfernt: Aus den letzten sieben Spielen holte er nur einen Punkt, ist auch wegen des aktuellen Höhenflugs der U 21 des 1. FC Köln (siehe Info) auf Platz 16 abgerutscht, der am Ende definitiv zum Abstieg führt - Platz 15 könnte bei günstiger Konstellation zum Klassenerhalt reichen.

So weit denkt Henßen naturgemäß noch nicht, lenkt stattdessen den Fokus auf die Basics: "Wenn nicht jeder Spieler bei uns in jedem der noch 14 Partien die 100-prozentige Bereitschaft mitbringt, können wir in dieser Liga nicht bestehen. Das hat die Partie in Wiedenbrück eindeutig gezeigt. Dass wir es besser können als da gezeigt, ist natürlich auch klar. Doch das geht nur mit der entsprechenden Einstellung."

Was der Teamchef mit einem Beispiel verdeutlicht: "Auch wenn man nur 1,80 Meter groß ist, kann man Kopfballduelle gegen größere Gegenspieler gewinnen. Das ist häufig eine Sache des Willens. Und den haben meine Jungs gerade auch in der Luft bei den Heimsiegen gegen Rödinghausen und Wiedenbrück gezeigt." Personell kann Henßen weiter aus dem Vollen schöpfen. Viele Wechsel sind aber nicht zu erwarten. Die größte Chance, von der Bank ins Team zu kommen, dürfte dabei Marius Müller haben. Henßen: "Marius drängt in die Startelf."

Davon losgelöst dürfte Henßen mächtig hoffen, dass sein Team für die SG exakt so wie das für morgen angesagte Wetter sein wird: stürmisch, eiskalt und ungemütlich . . .

(emo)