Fußball : Erster Punkt - dank Herz und Leidenschaft

Regionalliga-Nachdreher: Beeck dreht beim 1:1 gegen Ahlen nach der Pause mächtig auf. Taktische und personelle Umstellungen greifen.

Günter Stroinski gab seinem Team eine klare Weisung mit auf den Weg: "Von unserer Mannschaft erwarte ich, dass sie dieses Spiel mit aller Leidenschaft bestreitet und bis zum Umfallen kämpft", schrieb der Boss des FC Wegberg-Beeck im Vorwort der Stadionzeitung "Kleeblatt" zum Spiel gegen Mitaufsteiger RW Ahlen. Bis zur Pause erfüllten die Kleeblätter diese Vorgabe leidlich - in der zweiten Halbzeit dann zu 100 Prozent. So verdienten sich die Gastgeber den ersten Punkt in der Regionalliga redlich - und auch Stroinski selbst war zufrieden, was ihm seine Jungs nach dem Seitenwechsel kredenzten.

"Bis zur Pause hatten wir alles im Griff. Danach haben wir uns aber davon beeindrucken lassen, mit wie viel Schwung Beeck aus der Kabine gekommen ist", bekannte Ahlens Verteidiger Jan Klauke, der den Gast nach einer einstudierten Freistoß-Variante vor der Pause in Führung geköpft hatte.

Zur Wende trugen relevante taktische und personelle Änderungen gehörig bei. Zum einen brachte Beecks Teamchef Friedel Henßen mit Kapitän Arian Berkigt eine zweite Spitze, schob Johannes Walbaum aus der zentralen Position der Fünferkette zum Dampfmachen weiter nach vorn, stellte praktisch so vom 5-4-1 auf ein 4-4-2 um. Dazu verteidigten die beiden Außenspieler Marko Karamarko (links) und Fabio Ribeiro (rechts) nicht nur positionsbezogen nun weitaus höher, sondern füllten diese neue Rolle auch ebenso wirkungsvoll wie aggressiv aus, schoben gewaltig mit an.

Apropos Aggressivität: So bissig wie am Freitag gegen Ahlen hat Beecks Rückkehrer Sahin Dagistan noch nie im FC-Trikot gegen den Ball gearbeitet - nicht nur bei gegnerischen Standards, bei denen "Daggi" aufgrund seiner Kopfballstärke ohnehin Dauergast im eigenen Strafraum ist. Auch aus dem Spiel heraus setzte der 27-Jährige giftig nach, kämpfte und grätschte, zeigte mal richtig Temperament - das kannte man von ihm bislang so nicht. Auf die Frage, wie er diesen Wandel bei Dagistan hinbekommen habe, antwortete Henßen grinsend ein wenig ausweichend: "Sie wollen gar nicht wissen, was ich dem in den vergangenen drei Wochen so alles gesagt habe. Eines ist aber sicher: Für diesen Einsatz wird sich Sahin bald selbst belohnen - mit seinem ersten Tor."

Die riesige Erleichterung in den Beecker Reihen brachte Vizekapitän Walbaum knackig auf den Punkt: "Die zweite Halbzeit war einfach geil. Da haben wir Vollgas gegeben, uns richtig ausgekotzt und ausgepowert. Endlich haben wir einen Fuß in die Tür gekriegt. Seit dem Essen-Spiel waren wir ja schon dran."

Ein wenig ausgebremst wurden die Schwarz-Roten aber eine gute Viertelstunde vor Schluss durch eine kuriose rund dreiminütige Zwangspause. Da versammelte sich das komplette Schiri-Gespann zur Beratschlagung auf dem Platz. Der Grund war von der Tribüne aus nicht ersichtlich. Henßen klärte auf Nachfrage auf: "Ahlens Spieler mit den Rückennummern 21 und 27 sehen sich ähnlich. Die Schiris waren sich nicht sicher, wer von denen eine Gelbe Karte bekommen sollte - und wer von denen schon verwarnt war." In den Eilzug-Rhythmus fanden die Platzherren danach nicht mehr zurück. Freilich schwanden auch ein wenig die Kräfte - das eine halbe Stunde lang eingeschlagene sehr hohe Tempo forderte zwangsläufig seinen Tribut. So stand unter dem Strich ein gerechtes Remis nach zwei sehr unterschiedlichen Halbzeiten, wie Ahlens freundlicher und aufgeräumter Coach Marco Antwerpen treffend urteilte.

Nächstes Spiel Beecks Mittelrheinpokalspiel bei Landesligist SV Nierfeld findet bereits diesen Samstag statt. Anstoß in der Gemünder Kloska-Arena ist um 14 Uhr.

(emo)