Dirk Ruhrig blickt im Interview auf seine zehneinhalb Jahre beim FC Wegberg-Beeck zurück

Fußball : „Der Meter Beeck im Kellerschrank bleibt“

Fußball: Dirk Ruhrig blickt auf seine zehneinhalb Beecker Trainerjahre zurück. „Als Spieler war ich nie aufgestiegen, in Beeck dreimal.“

Sieben Jahre lang bildeten Friedel Henßen und Dirk Ruhrig beim FC Wegberg-Beeck ein prächtig harmonierendes, sehr erfolgreiches und sich perfekt ergänzendes Trainerduo. „Wir sind wie ein altes Ehepaar“, pflegten beide gerne zu scherzen. Nun ist Schluss. Während Henßen dem FC als Sportlicher Leiter aber erhalten bleibt, verlässt Ruhrig nach insgesamt zehneinhalb Trainerjahren den Verein. Im Gespräch mit unserer Redaktion blickt der 47-Jährige zurück.

Erinnern Sie sich noch an Ihr erstes Spiel als Beecker Trainer?

Ruhrig Aber klar. Das war im März 2009. Da habe ich mit der Bezirksliga-Reserve 3:0 in Katzem gewonnen. Es war ein schwieriges erstes Halbjahr, da der Kader sehr klein war. Ich weiß noch genau, dass ich heilfroh war, als wir ab April die A-Jugendlichen einsetzen durften.

Am Ende sprang da sogar noch Platz fünf heraus. Im Jahr darauf hatten Sie dann weit mehr Erfolg, als der Verein geplant hatte.

Ruhrig Ja, 2010 haben wir hinter Dremmen als Vizemeister den in der Tat alles andere als geplanten Aufstieg in die Landesliga geschafft.

Auch dort spielten Sie nach zwei heftigen Pleiten zum Auftakt eine fast schon sensationell gute Saison, wurden Sechster. Nach der Saison war trotzdem Schluss, da der Verein aus finanziellen Gründen die Reserve abmeldete.

Ruhrig Ja, das musste ich eben akzeptieren. Ich bin ja aber im Verein geblieben, habe die Mittelrheinliga-A-Jugend übernommen.

Mit der Sie dann ebenfalls ein äußerst erfolgreiches Jahr hinlegten.

Ruhrig Ja, Platz drei ist in der Tat die beste Platzierung, die eine Beecker A-Jugend in dieser Klasse bislang erreicht hat. Auch darauf bin ich nach wie vor stolz.

Auch in der Folgesaison 12/13 trainierten Sie zunächst noch die A-Jugend, stiegen im September zudem als Co von Friedel Henßen ein – der Beginn einer echten Ära.

Ruhrig Ja, es ist Wahnsinn, was wir da gemeinsam alles erlebt haben. Die Krönung waren dabei die beiden Aufstiege in die Regionalliga, speziell der 2:0-Sieg in Bonn im „Endspiel“ 2015. Auch wenn wir jeweils direkt wieder abgestiegen sind: Die Regionalliga hat sehr viel Spaß gemacht. Die Stadien, das ganze Flair – das war schon geil.

Gibt es ein Spiel, an das Sie sich besonders gern erinnern?

Ruhrig Das war unser 3:1-Sieg gegen das Spitzenteam SV Rödinghausen an einem Freitagabend im Oktober 2017 im Waldstadion, unser bestes Regionalligaspiel überhaupt. Das ging unter die Haut, war einfach Wahnsinn. Das war für mich die Nacht der Nächte. Ich erinnere mich aber auch noch gerne an eine ganz spezielle Begebenheit.

Schießen Sie los.

Ruhrig Wenige Wochen vor diesem Match spielten wir bei RW Essen. Aus irgendeinem Grund stand für uns an diesem Tag kein Reisebus zur Verfügung, sind wir mit einem Linienbus dahin gefahren. Als wir dort an ein paar Fankneipen vorbeifuhren, haben sich die Essen-Fans darüber schlappgelacht. Dann holten wir dort ein mehr als verdientes 1:1. Als wir auf der Rückfahrt an diesen Kneipen vorbeifuhren, haben diese Fans uns applaudiert. Das fand ich sehr beeindruckend.

Sie führen auch akribisch Buch über alle Partien, haben ein gewaltiges Archiv.

Ruhrig Damit habe ich schon 1987 begonnen, mache das jetzt also schon seit 32 Jahren. In meinem Keller steht ein vier Meter langer Schrank, der bis zur Decke reicht. Ein Meter davon ist nur mit Beecker Unterlagen voll – von oben bis unten. Den räume ich jetzt mit Sicherheit auch nicht leer.

Sie haben den A-Schein, aber noch keinen neuen Verein. Gab es denn keine Angebote?

Ruhrig Doch, es gab eine ganze Reihe von Anfragen. Ich hätte zum Beispiel den FC Erftstadt übernehmen können, doch da wäre mir der Aufwand zu groß gewesen. Beim 1. FC Düren war ich übrigens auch einer von drei Kandidaten.

Könnten Sie sich denn auch vorstellen, in den Jugendbereich zurückzukehren?

Ruhrig Das kommt drauf an. Als Co-Trainer bei einer U19 oder U17 eines Bundesligisten zu arbeiten, wäre sicherlich auch interessant.

Wenn kein Angebot mehr kommt, was machen Sie dann?

Ruhrig (grinst) Dann melde ich mich in einem Fitnessstudio an und schaue da den Frauen auf den Popo.

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